Grundschule am Weidedamm Jungfernfahrt mit Torfkahn Torsten

Torfkahn Torsten ist eine Sitzgruppe und eine echte Gemeinschaftsarbeit. Für ihre Idee haben die Kinder der Grundschule am Weidedamm im Rahmen der Messe „Hansebau“ selbst fleißig Hand angelegt.
03.05.2018, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Zunächst habe er gedacht: „Was für ‘ne bescheuerte Idee!“, gesteht Andreas Koch-Warnken. Doch das sieht der Bassumer Holzkünstler und Möbeldesigner längst ganz anders. Die Kinder der Grundschule am Weidedamm wünschten sich einen Torfkahn, und sie bekamen ihn auch. Im Rahmen der Messe „Hansebau“ hatten sie selbst fleißig Hand angelegt. Vor wenigen Tagen ging das ganz einmalige Stück auf dem kleinen Schulhof vor Anker und wurde auf den Namen „Torsten“ getauft.

Torfkahn Torsten ist eine Sitzgruppe und eine echte Gemeinschaftsarbeit. Der Entwurf wurde von Andreas Koch-Warnken speziell für seine kleinen Findorffer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestaltet. Im Januar dieses Jahres bereiteten die Kinder auf der Bürgerweide dicke Holzstämme vor: Die kleinen Werftarbeiter lösten unter anderem die Rinde, glätteten die Oberfläche der rauen Holzbretter und Bohlen, rochen, fühlten, inspizierten das frisch gefällte Holz, fotografierten und dokumentierten die Arbeitsschritte. Der Bausatz aus dicken Brettern wurde anschließend ins Bassumer Trockendock transportiert und zusammengefügt. Torsten hat seinen endgültigen Liegeplatz in einem separaten Innenhof. Es wird zurzeit für die zusätzliche erste Klasse vorbereitet, die die Schule am Weidedamm im kommenden Schuljahr aufnehmen wird, erklärte Klassenlehrer Jochen Nickel.

Dass sogar Bürgerparkdirektor Tim Großmann sehr neugierig auf das Ergebnis war, hat einen guten Grund: Die drei Eichenstämme, aus denen Torsten besteht, stammen aus dem Bürgerpark. Sie waren im Oktober von Sturmtief Xavier umgefegt worden, erklärte der Bürgerparkdirektor. Dabei hatten die alten Bäume sogar den Zweiten Weltkrieg überlebt, wie Koch-Warnken bei der Arbeit entdeckte: Der schwarze Fleck, der an der Seitenlehne erkennbar ist, stamme mit Sicherheit von einem Granatsplitter, erklärt der Fachmann.

Sein Projekt nennt er „Baumit“, und der Kunstbegriff sagt schon, was ihm wichtig ist: Dass lokale Gemeinschaften aktiv in die Arbeit mit einbezogen werden. Unter seiner Leitung haben sich schon eine ganze Reihe von Nachbarschaften in Bremen und im Umland Objekte zum öffentlichen Anschauen und Nutzen gebaut. Immer werden dabei alte Bäume verwendet, die jahrzehntelang ihr Umfeld geprägt haben, und aus unterschiedlichen Gründen gefällt werden mussten. Im Normalfall endeten solche Bäume als Kaminholz oder Hackschnitzel, erklärt er. Andreas Koch-Warnken schreinert daraus bleibende Erinnerungen, „mahnende Zeigefinger gegen das Vergessen“, wie er es formuliert. Baumit heißt aber auch: Bei jedem seiner Projekte müsse vor allem der Baum mitmachen: Dessen Form und Zustand bestimmen, was aus ihm werden kann und soll.

Für den Bassumer Künstler und seine Mitarbeiter ist es bereits die Arbeit mit und für eine Findorffer Schule. Gemeinsam mit Kindern der Grundschule an der Augsburger Straße verwandelte er im vergangenen Jahr eine Eiche aus dem Waller Park in ein Sitzensemble für den Pausenhof. Die Leitung der Messe Bremen werde dem gemeinnützigen Projekt auch im kommenden Jahr wieder gerne Platz und Infrastruktur auf der Bürgerweide reservieren, versprach Sven Rapke, Projektleiter der Hansebau. Wer mehr über den Künstler und seine Arbeit erfahren möchte, findet ausführliche Informationen und die Kontaktdaten über die Internetadresse www.baum-it.info. Schulklassen, die Interesse an einer Kooperation haben, dürfen sich gerne melden.

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