Jennifer Schwedes eröffnet Ringuine Hauptsache individuell

Ringuine ist ein Laden für Babybekleidung, Ausstattung und personalisierte Geschenkartikel. Zu finden ist er im Eckhaus Nürnberger Straße 15/Tübinger Straße in Findorff.
01.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

In Findorff gibt es seit einiger Zeit den Kinderladen Ringuine. Die Inhaberin und Namensgeberin werkelt etwas abseits vom Stadtteilzentrum, aber viele haben das kleine Geschäft im Eckhaus Nürnberger Straße 15/Tübinger Straße längst entdeckt. Ihre primäre Zielgruppe sind moderne junge Eltern wie sie selbst, die Handgemachtes und Individuelles wertschätzen.

Ringuine ist ein Laden für Babybekleidung, Ausstattung und personalisierte Geschenkartikel. Strampelhosen und winzige Sweatshirts, Kuscheldecken und Babykissen, Mützen, Loopschals und Windeltaschen gibt es hier direkt von der Stange oder maßgefertigt mit dem Stoff, den Motiven und Beschriftungen nach Wunsch. Sie alle entstehen im Nähatelier der Ringuine, die im wirklichen Leben Jennifer „Jennie“ Schwede heißt. Den Spitznamen hatte ihr Mann erfunden, erzählt sie: Das Fantasiewort verbindet ihr modisches Faible für Ringelmuster und ihre Begeisterung für Pinguine.

Die Produktion beschränkte sich auf sehr kleine Objekte

Dass es einmal der Name für ein eigenes Unternehmen werden könnte – daran war zunächst noch gar nicht zu denken. Als gelernte Außenhandelskauffrau arbeitete die gebürtige Hannoveranerin jahrelang für Industrieunternehmen in Bremen und der Region. „Genäht habe ich aber schon immer gerne“, erklärt die 39-Jährige. Zunächst beschränkte sich ihre Produktion allerdings auf sehr kleine Projekte mit Nadel und Faden. „Ich hatte zwar eine Nähmaschine, aber stand mit ihr auf Kriegsfuß.“ Dies gestand sie vor einigen Jahren der Standbetreiberin auf einer Bremer Kreativmesse, die sich spontan die Zeit nahm, ihrer Kundin die Mechanismen zu erklären. „Nach zwei Stunden hatte ich den Dreh raus“, sagt Schwede. „Ich rief noch von der Bürgerweide aus meinen Mann an, damit er die Nähmaschine vom Dachboden holt.“

Plötzlich war ein Laden frei

„Danach war kein Halten mehr“, erzählt sie. Genäht wurde zunächst für den Eigenbedarf, später auch für die restliche Familie und den Freundeskreis. Vor fünf Jahren startete mit der Geburt des Sohnes die familiäre Baby-Linie, ihm folgte vor 15 Monaten eine kleine Schwester. Zuwachs bekam die Familie auch durch eine Overlock- und eine Stickmaschine. Vor drei Jahren meldete Schwede ein Nebengewerbe an, um ihre Produkte fortan auf Kunsthandwerker-Märkten und über Internet-Plattformen anzubieten. So wäre es vermutlich auch weitergegangen, hätte sie nicht im Frühling des vergangenen Jahres den Aushang am Haus gegenüber entdeckt. Die Kunstgalerie war ausgezogen. „Ich konnte ein Wochenende lang nicht schlafen“, erzählt Schwede. Schnell wurde der Vertrag unterzeichnet.

Die hinteren Räume machte sie sich als Werkstatt, Büro und Küche zurecht, der vordere Bereich wurde zu einem hellen, freundlichen Ladenraum umgestaltet. Neben den Artikeln aus ihrem Atelier bietet Ringuine Platz für handgefertigte Produkte anderer Kreativer – im Sortiment sind unter anderem selbstgestrickte Söckchen für Babys und größere Kinder, Mützen und Kinderzimmerlampen. Eine weitere wichtige Abteilung bilden die Tragehilfen verschiedener Markenhersteller. Vor dem Kauf bietet sie individuelle Trageberatungen an, für die sie sich speziell hat schulen lassen.

"Babys kommen auch im Lockdown zur Welt"

Ringuine eröffnete im Oktober. Einige Wochen später musste das Geschäft wieder schließen. Großes Pech zwar, aber keine Katastrophe: Babys kommen auch im Lockdown zur Welt und müssen ausgestattet werden. „Ich bin ganz gut durchgekommen, weil ich sehr aktiv auf den sozialen Kanälen bin“, erklärt Schwede, die ihre Trageberatungen zurzeit via Videoplattform durchführt und im Laufe dieses Jahres ihren eigenen Online-Shop aufbauen will.

Herumgesprochen haben sich auch ihre personalisierten Stoff-Schultüten, die nach ihrem eigentlichen Einsatz zum Kissen umfunktioniert werden können. „Schon jetzt kommen täglich Bestellungen an“, sagt Schwede.

Ideen für neue Produkte habe sie genug, doch manches hat sich auch als Ladenhüter erwiesen. Die Babybekleidung anderer Marken, die sie anfangs dazu geordert hatte, wird aus dem Programm genommen. „Lief gar nicht gut“, sagt Schwede. „Wenn sie die Wahl haben, nehmen die Leute viel lieber das Selbstgemachte.“

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