Modelllauf startet in Findorff

Klimaschutz: Smartphone-App soll zum CO2-Sparen motivieren

Ab Januar 2020 soll ein Programm die Frage beantworten, wie wir CO2 sparen können. Ziel ist es so viele Menschen wie möglich zum Klimaschützen anzustacheln. Ein Modelllauf startet in Findorff.
13.10.2019, 21:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Klimaschutz: Smartphone-App soll zum CO2-Sparen motivieren

Wieviel CO2 verursache ich und wie lässt sich das reduzieren? – Fragen, die die neue App beantworten können soll.

Roland Scheitz

Alle Welt redet vom Klimaschutz. Offensichtlich ist es dafür nun auch allerhöchste Zeit. Damit die Erde auch noch in ein paar Jahrzehnten bewohnbar ist, sollten wir CO2 sparen, wo es nur geht. Aber wie? Welche Umstellungen im persönlichen Lebensstil bringen wirklich einen messbaren Effekt? Fragen wie diese will ein Programm beantworten, das im Januar 2020 an den Start geht. Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich zum Klimaschützen anzustacheln. Bevor das Angebot bremen- und später bundesweit genutzt werden kann, dürfen zunächst die Findorffer mit ihrem Umweltengagement punkten.

„Wir dürfen nicht auf die Politik warten. Wir müssen bei uns selbst anfangen“, lautet die Devise von Uli F. Wischnath, von Haus aus promovierter Physiker aus Gröpelingen. Der Initiator des Projekts mit dem Namen „Klimaschutz For All“ (K4all) sagt: „Es gibt 1000 Sachen, die man machen könnte. Aber viele Menschen können nicht einschätzen, worauf es ankommt, und lassen es dann eben ganz sein.“ Um sie mitzunehmen, hat er eine Smartphone-App entwickelt, die den persönlichen CO2-Verbrauch klar und unbestechlich kalkuliert und in ein Punktesystem umrechnet. „Eigentlich wie bei den Weight Watchers“, sagt Wischnath. Und dort wie hier lautet das Motto: Weniger ist auf jeden Fall mehr.

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Sein Plan: Über ihr portables Messgerät können die Nutzer ihren aktuellen Punktestand ermitteln, und mögliche CO2-Fresser identifizieren. Anschließend können sie sich individuelle „Abnehm-Ziele“ setzen – etwa in den Bereichen Haushalt, Einkaufen, Ernährung und Mobilität. „Jeder Teilnehmende entscheidet sein Tempo selbst, und wählt aus dem Pool an Klimaschutzvorschlägen diejenigen aus, die im eigenen Alltag umsetzbar sind“, erklärt Wischnath.

Ähnlich wie bei der internationalen Gewichtsreduktions-Bewegung wird auch die „K4all“-App die Teilnehmenden bei ihrem CO2-Diätprogramm ständig begleiten. Die Nutzer werden Teil einer virtuellen „Community“, ihr Ehrgeiz soll über wöchentliche „Challenges“ angespornt werden, Belohnungen in Form von Abzeichen in Gold, Silber und Bronze beflügeln Motivation und Durchhaltevermögen. Ein gewisser Wettbewerbsgedanke ist durchaus erwünscht – vor allem soll das Ganze aber Spaß machen, betont Wischnath. „Es geht uns ausdrücklich nicht darum, jemandem ein schlechtes Gewissen einzureden.“

Die Zivilgesellschaft soll beim Klimaschutz vorangehen

Uli F. Wischnath ist hauptberuflich bereits seit Jahren in Sachen Umweltforschung und alternativen Energien unterwegs, und Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereins, der sich mit umweltschonendem Bauen beschäftigt. In diesen Funktionen habe er im vergangenen Jahr den UN-Klimagipfel in Katowice besucht, und dabei die US-amerikanische Initiative „We are still in“ kennen gelernt, erzählt Wischnath. Deren Ansatz, dass die Zivilgesellschaft beim Klimaschutz voran gehen und der Politik den Weg in die Zukunft weisen müsse, habe ihn zu seinem Projekt inspiriert. Zumal das kürzlich verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung eine schwere Enttäuschung sei. Er sagt: „Eine Zumutung für alle, die jetzt und später unter den Folgen des Klimawandels leiden.“

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, dass Deutschland ab Mitte dieses Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral funktionieren soll. Als Zwischenziel soll im kommenden Jahr die Emission um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 gesunken sein. Heruntergerechnet auf den Pro-Kopf-Verbrauch jedes Einzelnen wäre das eine CO2-Reduktion von 15 auf 9 Tonnen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat der App-Entwickler auch seinen eigenen Verbrauch mit diesem Ziel abgeglichen: Die Familie Wischnath brauche kein Auto, ernähre sich meistens vegetarisch und oft auch vegan, und sei damit auf einem guten Weg, das „Idealgewicht“ zu erreichen, sagt der Vater zweier Kinder. Er erzählt aber auch, dass diverse Langstreckenflüge in den Vorjahren die Bilanz komplett verhagelt hatten. Auf die Möglichkeit, Freunde und Verwandte zu besuchen, wolle man nun nicht in alle Zukunft verzichten, sagt Wischnath: „Aber mit Sicherheit fliegen wir nicht mehr jedes Jahr.“

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Mit seinem Programm wolle er sich an alle richten, „denen es wichtig ist, dass die Erde in einem guten Zustand von einer Generation an die nächste übergeben wird.“ In Findorff hat er dafür bereits ein gut bestelltes Versuchsfeld sowie die ersten sieben Pioniere für den Projektstart gefunden. Viele Findorffer haben bereits im Rahmen des Findorffer Sommerfests auf der Bürgerweide oder beim Schulfest der Oberschule Findorff Bekanntschaft mit Wischnath und seinem Projekt gemacht. An jedem Freitagnachmittag, 15 bis 18 Uhr, ist er seit einigen Wochen im Klimacafé an der Münchener Straße zu finden, um dort für die Idee zu werben. Mit seinem Vorhaben passt er perfekt ins Konzept der „Klimazone Findorff“, die seit Anfang des vergangenen Jahres den Klimaschutzgedanken über Info-Veranstaltungen, Expertenvorträge, Kurse, Nachbarschaftstreffs und Mitmachaktionen nachhaltig im Alltag verankern möchte.

Weitere Informationen

Das Programm „Klimaschutz for All“ soll im Januar 2020 an den Start gehen. Für den kostenlosen Modelllauf werden insgesamt 40 Findorfferinnen und Findorffer gesucht. Alle, die sich dafür interessieren, sind bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, 18. Oktober, 17 bis 19 Uhr, im Klimacafé an der Münchener Straße 146 willkommen.

Unter dem Motto „Kaffee, Kuchen, Klimaschutz“ wird Uli F. Wischnath Informationen geben, Fragen beantworten und Teilnehmer sammeln. Nähere Informationen im Internet: www.klimaschutz4all.com und über die Facebook-Adresse Klimaschutz For All. Zur Projektfinanzierung läuft derzeit ein Crowdfunding-Aufruf (www.betterplace.org/de/projects/70120-klimaschutz-for-all-den-modelllauf-in-bremen-ermoglichen).

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