Pfadfinder in Findorff Neue Sippe für Gräfin Emma am Start

Bergeidechsen, Sandläufer, Geckos, Molche, Olme und Chamäleons: So heißen die Gruppen des Pfadfinderstammes „Emma von Lesum“. Nur der jüngste Zuwachs hat noch keinen Namen.
15.04.2018, 19:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Weidedamm. Dienstags und donnerstags ist im Klostergarten der Martin-Luther-Gemeinde immer besonders viel Leben. Immer dann, wenn sich dort Bergeidechsen, Sandläufer, Geckos, Molche, Olme und Chamäleons treffen. So heißen die Gruppen des Pfadfinderstammes „Emma von Lesum“. Noch keinen Namen hat die jüngste Sippe, die seit Neuestem immer Mittwochsnachmittags von 17 bis 18.30 Uhr zusammenkommt. Die Gruppenleiterinnen Ida Schacht und Marie Jürgenbering können Mädchen und Jungen zwischen zehn und zwölf Jahren nur empfehlen, sich das einmal anzuschauen und sich ihnen anzuschließen. Denn es gebe kaum bessere Methoden, neue Freunde zu finden, gemeinsam die Natur zu entdecken und fürs Leben zu lernen, sagen die beiden 15-jährigen Schülerinnen.

Ida und Marie sind beide schon ihr halbes Leben lang Pfadfinderinnen, erzählen sie. „Toll ist, dass wir immer so viel draußen in der Natur sind“, erklärt Marie: Meist im Bürgerpark natürlich, denn der liegt den Findorffer Pfadfindern besonders nahe. „Das Schönste sind die Zeltlager“, schwärmen die Gruppenleiterinnen. Mehrmals im Jahr sind die Findorffer Pfadfinder unterwegs. Im vergangenen Sommer reisten die „Emmas“ zum Beispiel nach Schweden, wo sie in Kanus von einem See zum nächsten paddelten, ihre Zelte in idyllischen Buchten aufschlugen und an den Stränden Lagerfeuer entfachten. Zu den typischen Traditionen gehört die „Waldweihnacht“, die in jedem Jahr unter einem anderen Landesmotto stehen.

Die Klischees kennt fast jeder, und es ist ja auch etwas dran: Pfadfinder tragen eine Kluft, haben eigentümliche Rituale und altmodische Begrifflichkeiten. Sie sprechen von „Stämmen“ und „Sippen“, „Knappen“ oder „Spähern.“ Die Findorffer Gruppen der Martin-Luther-Gemeinde sind Teil der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD). Deren regionale Untergruppen nennen sich „Landesmark“ und „Gau“. Das weckt Assoziationen, doch die Pfadfinder haben sich da überhaupt nichts vorzuwerfen: Sie wurden von den Nazis ziemlich schnell verboten. Das Vokabular geht auf eine Zeit zurück, als die Begriffe noch völlig unverdächtig waren: In die Anfänge der Pfadfinderbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der englische General Lord Baden-Powell hatte den „Scouts“ ihre Philosophie gegeben und schon beim ersten historischen Pfadfinderlager im August 1907 die Pfadfinderkluft eingeführt. Sie sollte die unterschiedlichen sozialen Schichten, aus denen die Kinder kamen, in der Gemeinschaft unsichtbar machen.

Die Natur spielt bei den Pfadfindern eine große Rolle, „learning by doing“ ist hier das wichtigste Prinzip, und das Ziel ist es, selbstständig und verantwortungsbewusst zu denken und zu handeln. In Deutschland wurde das Pfadfindertum auch von der Wandervogelbewegung geprägt, einer Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts von Schülern und Studenten gegründet wurde, und durch Aktivitäten in freier Natur einen Ausgleich zum betongrauen städtischen Alltag zu finden. Aktuell sind es schätzungsweise 41 Millionen Kinder und Jugendliche, die in den Pfadfinderverbänden der ganzen Welt organisiert sind. Die Christliche Pfadfinderschaft, der in Deutschland rund 4200 Mitglieder angehören, versteht sich außerdem als Gemeinschaft von Christen, in der Glaube praktisch gelebt und erfahren werden soll. Der Wahlspruch der „Emmas“ lautet: „Allzeit bereit“: Bereit sein, zu helfen, wann und wo es erforderlich ist.

„Im Vordergrund steht neben viel Spiel und Spaß das gemeinsame Erleben und Lernen in der kleinen Gruppe“, erklärt Christian Poppe aus dem Vorstand des Vereins Christliche Pfadfinderschaft Bremen. „Jedes einzelne Kind soll dabei seine Persönlichkeit und Kreativität entwickeln können“. Die Gruppenstunden – die die Pfadfinder „Sippenstunden“ nennen - haben gesellschaftliche, musische und kulturelle Inhalte. Die kleinsten „Wölflinge“ üben mit den größeren „Jungpfadfindern“, „Knappen“ oder „Spähern“ auch die typischen handwerklichen Pfadfinder-Fähigkeiten. Im Klostergarten und im Bürgerpark lernt man so etwas offensichtlich besonders gut: Beim „Baumeisterwettbewerb“ im Rahmen des Bundeslagers 2016 errangen die Findorffer sogar den ersten Platz.

Vor 15 Jahren wurde der Stamm „Emma von Lesum“ gegründet, und er wuchs schnell: Zurzeit treffen sich 70 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 bis 19 Jahren in den sechs Gruppen der Findorffer Gemeinde. Insgesamt gibt es in Bremen rund 350 Christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder in elf Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche. Das heißt: Rund ein Fünftel aller Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder Bremens kommen aus Findorff. Und Ida und Marie hoffen, dass es mit ihrer Gruppe noch einige mehr werden.

Weitere Informationen zu der Christlichen Pfadfinderarbeit in Findorff finden sich im Internet unter www.pfadfinderbremen.de. Wer weitere Fragen hat, kann sich an die Emailadresse stafue@gemeindepfadfinder.de wenden.

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