Autor der Findorff-Krimis

Wurzeln und Werden eines Stadtteils

Posthum ist Hans-Peter Mesters „Findorffer Geschichtsbuch“ erschienen. Der frühere Leiter des Ortsamtes West verfasste auch etliche Findorff-Krimis.
03.05.2021, 05:00
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Von Anke Velten
Wurzeln und Werden eines Stadtteils

Das Cover des Findorffer Geschichtsbuches von Hans-Peter Mester.

Kellner Verlag

Findorff. Seit Jahrzehnten hatte Hans-Peter Mester Wissen, Dokumente und Fotos für sein historisches Buchprojekt gesammelt. Das fertige Werk hat er nicht mehr erlebt. Fünf Jahre nach dem Tod des langjährigen Ortsamtsleiters und Hausautoren hat der Kellner-Verlag das „Findorffer Geschichtsbuch“ veröffentlicht. Auf knapp 200 Seiten und mit rund 300 Abbildungen im Taschenbuch-Format erzählt es von den Wurzeln und vom Werden des Stadtteils, und von den Menschen und Meilensteinen, die diesen Wandel prägten. Rund vierzig Jahre hatte Mester in vorderster Reihe miterlebt – darunter einige der wohl aufregendsten Perioden der jüngeren Stadtteilgeschichte.

Die beiden einführenden Kapitel erklären die Entwicklung von der wenig beachteten „Gegend“ außerhalb der Tore der Stadt bis zum dicht besiedelten Stadtteil. Der Zweite Weltkrieg bildet die Zäsur zum Kapitel über die „Stunde Null“ und den Wiederaufbau, der sich bis weit in die Neuzeit hinzog- und in die Dienstzeit des langjährigen Ortsamts-Mitarbeiters. Darin ist unter anderem zu erfahren, warum der damalige Findorffer Beirat beleidigt die feierlichen Eröffnung des Jan-Reiners-Center schwänzte, und auch der Neubau des Ärztehauses an der Ecke zur Neukirchstraße für Verstimmung im Stadtteil sorgte. Besonders viel Raum nimmt die Entstehung des Weidedamm III Anfang der 1990er-Jahre ein, an die sich alle, die sie damals miterlebten, noch lebhaft erinnern werden. Parzellenbesetzungen, Brandanschläge, Diebstähle, Drogendelikte und zwei tote Menschen erschütterten den Stadtteil und machten überregional Schlagzeilen. Von der Gräfin Emma bis zum Bau von Stadthalle und Messehallen erzählt das Kapitel zur Bürgerweide – und auch davon, dass der Flohmarkt Anfang der 1980er-Jahre im Stadtteil alles andere als willkommen war. Ein eigenes Kapitel widmet sich schließlich der „Findorffer Prominenz“ mit Kurzbiografien von Männern wie Jürgen Christian Findorff, Friedrich Missler, Friedrich Rodiek, den Neukirchs und Gustav Gerdts, die ihre Spuren im Stadtteil hinterlassen haben. Illustriert wird die Chronik mit vielen oft erstmals veröffentlichten historischen Aufnahmen und eigenen Fotos aus Mesters Privatarchiv.

Hans-Peter Mester, Jahrgang 1954, war 27 Jahre im Ortsamt West lang ganz nah an den Themen, die den Stadtteil bewegten. Nach insgesamt 43 Dienstjahren – darunter die letzten zwölf als Ortsamtsleiter – erzwang eine chronisch fortschreitende Erkrankung im Jahr 2012 den vorzeitigen Abschied. Fortan widmete er sich seiner schriftstellerischen Leidenschaft: In den viereinhalb Jahren, die ihm blieben, verfasste er zehn Findorff-Krimis, von denen fünf nach seinem überraschenden Tod im Jahr 2016 veröffentlicht wurden. Bereits viel länger hatte er sich jedoch mit der Geschichte seiner Wahlheimat Findorff beschäftigt. Die beiden Bildbände „Findorff 1860-1945“ und „Die Jahre nach dem Krieg“ – erschienen 1997 und 2002 in der Edition Temmen und längst vergriffen – sind bis heute Standardwerke für lokalhistorisch Interessierte. Der Lokalforscher selbst war, für alle, die ihn kannten, enthusiastischer Sammler und bereitwillige Informationsquelle für alles, was Findorffer Geschichte und Geschichten betraf.

Erst zwei Jahre nach Mesters Tod entdeckte Sohn Benjamin die fünf digitalen Ordner für das Geschichtsbuch auf dem Laptop seines Vaters, übergab die druckreifen Texte, Dokumente und Fotos dem Verlag des langjährigen Freundes Klaus Kellner und lieferte ein liebevolles Vorwort mit Erinnerungen an den Vater und die eigene Findorffer Kindheit. Ob Mester selbst, an den sich Verlagsinhaber Manuel Dotzauer als „wirklich netten Menschen, überaus umgänglich und unkompliziert“ erinnert, sein Werk als abgeschlossen betrachtete? Ob er es ausgearbeitet hätte, ausführlicher geworden, mehr in die Tiefe gegangen wäre, wäre ihm mehr Zeit vergönnt gewesen? Schwer zu sagen, so der Verleger. Sicher ist: Dem ist nun nichts mehr hinzuzufügen.

Hans-Peter Mesters „Findorffer Geschichtsbuch – Von der Feldmark über die Vorstadt zum Stadtteil“, erschienen im Kellner-Verlag, Bremen, ist im Buchhandel zum Preis
von 16,90 Euro erhältlich.

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