Musikalischer Schulbesuch

Oberon-Trio zu Besuch in Findorff

Hochkarätiges Klassik-Ensemble spielt und diskutiert in der Aula der Oberschule. Und die Musiker erzählten den Schülern wie das so ist, wenn man von der Musik lebt.
02.03.2018, 17:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten
Oberon-Trio zu Besuch in Findorff

Henja Semmler, Jonathan Aner und Antoaneta Emanuilova (von links) nahmen die Schüler mit auf eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte.

Roland Scheitz

Findorff. In welchem Alter muss man mit dem Üben beginnen, damit man ein Meister des klassischen Fachs wird? Kann man mit Musik überhaupt seinen Lebensunterhalt bestreiten? Und: Hören klassische Musiker eigentlich in ihrer Freizeit immerzu auch klassische Musik? Schülerinnen und Schüler der Oberschule Findorff bekamen am vergangenen Mittwoch darauf die Antworten, und zwar aus erster Hand. Das Oberon-Trio war zu Gast in der Aula der Oberschule Findorff. Das heißt: Eine Schulstunde lang machten drei erstklassige, international gefragte und hochdekorierte Künstler nicht nur ihre Musik. Sie unterhielten sich auch gerne und mit sympathischer Bodenständigkeit mit den jugendlichen Oberstuflern, die sich neugierig, interessiert und mitunter auch musikalisch sehr versiert zeigten.

Seit elf Jahren machen sie zusammen „Kammermusik auf höchstem Niveau“, wie in ihren Konzertkritiken immer wieder zu lesen ist: Der israelische Pianist Jonathan Aner, die Berliner Violonistin Henja Semmler und die Cellistin Antoaneta Emanuilova, die in Bulgarien geboren wurde und in Deutschland aufwuchs. Gerade führte eine kleine Tournee das Trio von Bonn über Berlin nach Bremen, und am Morgen nach dem Konzert in der Glocke schließlich in die Aula der Oberschule Findorff.

Neben ihren Engagements als Solisten bei renommierten Orchestern sind alle drei Künstler auch in der Nachwuchsförderung tätig. Pianist Jonathan Aner ist Professor in Frankfurt am Main, Henja Semmler ist Professorin für Violine in Wien, und Antoaneta Emanuilova unterrichtet als Professorin in Rostock. Auch bei ihren gemeinsamen Auftritten liegt es den drei Musikern am Herzen, durch die Nähe zum Publikum einen Zugang zu ihrer Musik zu schaffen. Darum gehören bei den Konzerten des Oberon-Trios erklärende Moderationen und Werkbeschreibungen dazu.

Musik aus drei Jahrhunderten

Anhand eines beschwingten Klavier-Trios von Joseph Haydn machte das Trio deutlich, wie sich der an sich konservative Komponist rhythmische Ausreißer aus dem Schema erlaubte. Anschließend entschlüsselten sie Schicht für Schicht den komplizierten Aufbau einer Komposition des Amerikaners Charles Ives, die drei Melodien, drei verschiedene Rhythmen verschachtelt, um die, so Aner, „kolossale Gleichzeitigkeit“ des modernen Lebens musikalisch auszu­drücken.

Und schließlich spielten sie Passagen aus einem Klaviertrio von Maurice Ravel an, die hörbar machten, dass der Komponist Versmaße der klassischen Dichtkunst und volkstümliche Rhythmen seiner baskischen Heimat in seine Musik einfließen ließ. Denselben Bogen von der Wiener Klassik bis zur Musik des 20. Jahrhunderts hatte das Trio auch am Abend in der Glocke gespannt. Für diese Lust an der Verwandlung und die Magie der Musik stehe auch der Name des Ensembles, erklärte Henja Semmler: Er ist eine Hommage an den Elfenkönig Oberon aus Shakespeares „Sommernachtstraum.“

Zwischen den Hörproben war das junge Publikum aus dem 11. und 12. Jahrgang immer wieder freundlich aufgefordert, Fragen zu stellen. So erfuhren sie, dass Henja Semmler einer musikalischen Familie entstammt, sich im Alter von sieben Jahren unbedingt eine Geige wünschte und schon als Zehnjährige wusste, dass sie von Beruf Violinistin sein wollte. Jonathan Aner gestand, dass seine Ehefrau zuhause für die Musik und die Wahl der Radiosender zuständig, und daher im Hause Aner alles Mögliche zu hören ist. „Es ist wichtig, aufgeschlossen zu sein“, empfahl der Pianist. „Denn es gibt in vielen Bereichen gut gemachte Musik. Da wäre es doch schade, wenn man sich nur auf einen Bereich festlegen würde.“ Antoaneta Emanuilova erzählte, dass gute klassische Musiker in Deutschland durchaus ihr Auskommen finden können, weil es hier immer noch viele Menschen gebe, die die Musik schätzen „Das ist nicht überall so“, wusste die Cellistin.

Spitzenmusiker an Schulen

Die Findorffer Oberschüler hatten wieder einmal Glück: Hinter dem außergewöhnlichen Gastspiel steht das Team von „Rhapsody in School“, eine ehrenamtliche Initiative von Künstlern mit Sitz in Köln, die seit elf Jahren Schulen mit Spitzenmusikern in Kontakt bringt. Bis jetzt konnten damit laut Angaben der Initiative rund 66 000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Die fast 450 beteiligte Künstlerinnen und Künstler wollen damit Kindern und Jugendlichen die klassische Musik näher bringen, Neugier und Spaß daran vermitteln. Im Rahmen von „Rhapsody in School“ hatte im vergangenen Jahr bereits Star-Tubist Andreas Martin Hofmeir, auch bekannt als Mitglied der Kult-Band Labrassbanda, der Oberschule Findorff einen persönlichen Besuch abgestattet. Ausführliche Infos zur Initiative finden sich im Internet unter www.rhapsody-in-school.de. Die Biografien, Hörproben und Konzerttermine des Oberon-Trios bietet die Adresse www.oberontrio.com.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+