Verkehrschaos zum Freimarkt

Parkkonzept stößt auf Skepsis

In Findorff blickt man dem Bremer Freimarkt mit getrübter Freude entgegen. Grund ist die Verkehrssituation um die Bürgerweide. Den Maßnahmen zur Verbesserung der Situation begegnet der Beirat mit Skepsis.
04.09.2019, 21:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Parkkonzept stößt auf Skepsis

Beim Freimarkt gab es auch im vorigen Jahr wieder einmal ein Verkehrschaos rund um die Bürgerweide. Um das zu verhindern, hat die Stadt ein Konzept ausgearbeitet – erntet damit aber einige Kritik in Findorff.

Frank Thomas Koch

In sechs Wochen beginnt der Bremer Freimarkt 2019. Aus leidlich bekannten Gründen blickt man in Findorff der fünften Jahreszeit nicht mit ungetrübter Freude entgegen. Nach vielen Beschwerden aus dem Stadtteil will sich die Stadt in diesem Jahr stärker bemühen, ein Verkehrschaos rund um die Bürgerweide abzuwenden. Im Rahmen seiner öffentlichen Sitzung wurden dem Findorffer Beirat die Maßnahmen im Einzelnen vorgestellt, die eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Senatsressorts gemeinsam mit Vertretern unter anderem der Verkehrsbetriebe, aus Bürgerpark, Beirat und Ortsamt erarbeitet hat. Die Reaktionen rangierten zwischen höflicher Akzeptanz, Enttäuschung und deutlicher Kritik. Als „blamabel“ bezeichnete zum Beispiel die Bürgervereinsvorsitzende Birgit Busch die Resultate der monatelangen Planungen.

Die Aufgabe, dem Stadtteil die Botschaften zu überbringen, hatte Michael Flassig aus dem Hause der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau übernommen. Zunächst sollen drei verkehrslenkende Maßnahmen die Verkehrsströme aus dem Quartier und aus dem Bürgerpark fernhalten, erklärte der Mitarbeiter des Referats Strategische Verkehrsplanung. So werden die Zufahrten in die Findorffstraße aus Richtung Torfhafen sowie in die Winterstraße aus Richtung Admiralstraße während der Freimarktswochen für den auswärtigen Verkehr gesperrt.

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Auf Höhe der Brücke an der Neukirchstraße und im Eingangsbereich der Asphaltstraße Richtung Melchersbrücke sollen Schranken die Freimarktsbesucher daran hindern, sich auf den Parkwegen Stellplätze zu suchen. Der Bürgerpark werde wieder in Eigeninitiative Baumstämme als natürliche Blockaden einsetzen, hatte Bürgerparkdirektor Tim Großmann vor einigen Wochen angekündigt. Um die Einhaltung der Maßnahmen zu überwachen, plane das Innenressort, die Zahl der eingesetzten Ordnungskräfte zu erhöhen, so Flassig. Um welchen konkreten Faktor es sich handeln werde, sei noch in der Abstimmung.

Um Böschung und Bäume am Rande des Torfkanals zu schützen, sollen metallene Poller mit soliden Fundamenten auf der Parkseite eingebracht werden. Für die Umsetzung dieser Maßnahme, die mit insgesamt 20 000 Euro zu Buche schlage, müssten allerdings die Beiräte die Hälfte der Kosten zuschießen, so Flassig. Der Findorffer Beirat sagte nach längerer Diskussion zu, aus seinem Stadtteilbudget für Verkehrsmaßnahmen in Vorleistung zu gehen – in der Hoffnung, dass der Schwachhauser Beirat, in dessen Gebiet die Findorffallee fällt, sich daran beteiligen möge. „Völlig dagegen" war das vormalige Beiratsmitglied Peter Reinkendorf. Er hält es geradewegs für „eine Frechheit", dass der Stadtteil dafür zur Kasse gebeten werde: „Das ist eine städtische Aufgabe. Schließlich ist der Freimarkt keine Findorffer Veranstaltung, sondern von überregionaler Bedeutung", so der Grünen-Politiker.

Zusätzliche Parkmöglichkeiten aus Kostengründen verworfen

Auf der Suche nach zusätzlichen Parkmöglichkeiten sei die Bahnfläche oberhalb der Kastanienstraße geprüft und aus Kostengründen verworfen worden, erläuterte Flassig weiter. Für die Herrichtung des Geländes hätte die Stadt einen mittleren sechsstelligen Betrag investieren müssen. Darüber hinaus fordere die Deutsche Bahn AG eine monatliche Miete im fünfstelligen Bereich. Stattdessen wolle man den Verkehr auf die Parkhäuser und die bestehenden Park & Ride-Angebote in Bremen und im Umland verweisen. Ein ergänzendes Park & Ride-Angebot an der Waterfront habe sich auf die Schnelle nicht einrichten lassen, so Flassig – es könne frühestens im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Die Bremer Straßenbahn AG werde wieder zusätzliche Fahrten anbieten. Während der Freimarktszeit solle ein vergünstigtes Sonderticket der BSAG das Nutzen der Straßenbahnlinie 6 zwischen Universität und Bürgerweide schmackhaft machen. Über ein Marketingkonzept, das zurzeit im Wirtschaftsressort entwickelt werde, wolle man auf auswärtige Gäste einwirken, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, oder mit dem Auto die Parkhäuser und Park & Ride-Flächen anzufahren.

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Eher vage blieb im Anschluss Nils Weiland bei der Frage, wie die Stadt mit dem Wohngebiet an der Bürgerweide unabhängig von Großveranstaltungen umgehen wolle. Der Leiter des Referats Strategische Verkehrsplanung verwies auf den Koalitionsvertrag, in dem die Regierungsparteien geloben, das Parken in den Quartieren zu entlasten. Dazu sollen unter anderem intensivere Überwachung, das „Zurückdrängen" des aufgesetzten Parkens sowie die Einführung von Anwohnerparken und Quartiersgaragen dienen.

Der Unmut wächst

Nicht nur die Bürgervereinsvorsitzende zeigte sich unbeeindruckt von den Ergebnissen, „in Anbetracht dessen, dass wir seit Jahren an diesem Thema arbeiten“, so Busch. Oliver Jäger, sachkundiger Bürger der Grünen-Beiratsfraktion, fragte sich: „Könnte es sein, dass Sie die Situation in diesem Viertel nicht begreifen? Der Unmut wächst!“. Auch ein Anwohner vom Weidedamm äußerte sich skeptisch, ob sich durch Schilder, Schranken und schöne Worte viele Autos von der Bürgerweide fernhalten ließen: „Die Leute wollen doch am liebsten direkt neben dem Riesenrad parken.“

Im Beirat will man nun das Marketingkonzept der Wirtschaftssenatorin abwarten, das im September im Findorffer Bauausschuss vorgestellt werden soll. „Es muss viel deutlicher kommuniziert werden, dass es in Findorff keine Parkplätze gibt“, betonte Beiratssprecherin Anja Wohlers (Grüne).

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