Zentrale Themen in Findorff: Entwicklung des Gestra-Geländes, Änderungen im Schulwesen und die Sanierung der Admiralstraße Rückblick auf zukunftsträchtige Entwicklungen

Findorff. Das Jahr 2010 begann mit einem bitteren Schock, der den Stadtteil in tiefe Betroffenheit stürzte. Anfang Januar starben zwei Findorfferinnen in der Hemmstraße; Zufallsopfer eines psychisch kranken Mannes, der unmittelbar nach der Tat gefasst werden konnte. Der Stadtteil trauerte gemeinsam, unter anderem in einem Gottesdienst, der am 14. Januar in der Martin-Luther-Kirche stattfand.
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Von Anke Velten

Findorff. Das Jahr 2010 begann mit einem bitteren Schock, der den Stadtteil in tiefe Betroffenheit stürzte. Anfang Januar starben zwei Findorfferinnen in der Hemmstraße; Zufallsopfer eines psychisch kranken Mannes, der unmittelbar nach der Tat gefasst werden konnte. Der Stadtteil trauerte gemeinsam, unter anderem in einem Gottesdienst, der am 14. Januar in der Martin-Luther-Kirche stattfand.

Was das Tagesgeschäft der Ortspolitik betrifft, erwies sich der weitere Jahresverlauf zum Glück als weit weniger dramatisch, aber dennoch durchaus ereignisreich. Diverse stadtteilpolitische Themen wurden lebhaft diskutiert und einige davon zu positiven Lösungen gebracht. Auch die persönliche Bilanz von Ortsamtsleiter Hans-Peter Mester machte Eindruck: Im Juni sprachen die drei Beiräte des Bremer Westens ihrem Ortsamtsleiter, der seit dem Jahr 2000 im Amt ist, einstimmig ihr Vertrauen aus. Mit dem Votum der Beiratsmitglieder bleibt Mester dem Ortsamt auch in Zukunft erhalten.

Beispielhafte Beteiligungskultur

Mit der Tatsache, dass die Gestra AG im März ihr Vorhaben ankündigte, ihr Unternehmensgelände zu verlassen, hat das Jahr 2010 dem Stadtteil ein weiteres zukunftsweisendes Thema hinterlassen. Über das ungewöhnliche Verfahren der Gestra-Eigentümer und dessen Ergebnis - ein gemeinsam mit der Baubehörde ausgelobter und unter anderem mit Denkmalbehörde, Wirtschaft und verschiedenen Institutionen im Stadtteil diskutierter städtebaulicher Wettbewerb - berichtete der Stadtteil-Kurier ausführlich. Als "Beispiel für eine neue Beteiligungskultur" wird es Ortsamtsleiter Hans-Peter Mester besonders positiv in Erinnerung bleiben. "Es soll nachbarschaftsverträgliches Wohnen, kleinteiligen Einzelhandel und kulturelle sowie gastronomische Akzente geben. Ein Teil der alten Bausubstanz der ehemaligen Misslerhallen bleibt erhalten, wird unter Denkmalschutz gestellt und soll mit angemessenen Nutzungsinhalten versehen werden", resümiert der Ortsamtsleiter das Architektenmodell, das die Jury und die

beteiligten Gremien besonders überzeugte. Nun hoffen die Beteiligten, dass es nicht nur bei der Theorie bleibt: "Es wird nun darum gehen, den künftigen Besitzer eng an das Ergebnis des Wettbewerbs zu binden", wünscht sich Hans-Peter Mester.

Vier Schulen, vier Umbauprojekte

Die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils standen immer wieder auf der Tagesordnung der Stadtteilpolitik. Für sie bot das Jahr 2010 einige Veränderungen. Seit Beginn des Schuljahrs 2010/2011 ist die Grundschule Augsburger Straße eine Ganztagsschule. Sie wird ein neues Eingangsgebäude mit Mensa bekommen; der Neubau soll nach den Plänen des Bildungsressorts mit dem neuen Schuljahr in Betrieb genommen werden können. An der Grundschule Am Weidedamm werden die Mobilbauklassen ersetzt; die Schule bekommt die seit langem gewünschte Sporthalle. Die Bauarbeiten haben im Sommer dieses Jahres begonnen und sollen ebenfalls zum Schuljahresbeginn 2011/2012 abgeschlossen sein. Für die Grundschule Admiralstraße hatte Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper im September mit einem Überraschungspaket aufgewartet. Nur Tage nach einer Beiratssitzung, die als Planungskonferenz zum Thema Bildung deklariert war, und bei der die Zukunft des "pädagogischen Mittagstisches" noch völlig ungewiss schien,

verkündete die Senatorin der verblüfften Öffentlichkeit die Einrichtung der ersten "Verlässlichen Grundschule Plus" an der Admiralstraße zum kommenden Schuljahr. Damit hat Findorff nun drei verschiedene Grundschul-Varianten zu bieten. An den Rahmenbedingungen für die Umsetzung der "Verlässlichen Grundschule Plus" müsse zwar noch gefeilt werden, so Ortsamtsleiter Mester. Das Ergebnis des jahrelangen Einsatzes für den Erhalt des pädagogischen Mittagstisches begrüßt der Findorffer Beirat jedoch mehrheitlich. Man betrachtet die "VG-Plus" allerdings nicht als Dauerlösung, sondern als Zwischenstation auf dem Weg zur Ganztagsschule.

Sanierungsstau wird angegangen

Auch an der Oberschule Findorff wird umgebaut. Sanierungs- und Modernisierungsstau wird nach und nach angegangen; am Standort Regensburger Straße geht der Bau der Mensa seinem Ende zu. Seit dem vergangenen Schuljahr hat der Schulstandort Nürnberger Straße zusätzliche Mobilbauten, die die Raumsituation etwas entspannen sollen. Dass das keine Dauerlösung sein kann, hat man auch in der Behörde erkannt. Im kommenden Jahr werden wieder sechs neue Klassen in die Schule aufgenommen. Angesichts der Tatsache, dass Findorff Zuzugsort für Familien ist und irgendwann mit dem neuen Quartier auf dem ehemaligen Gestra-Areal die Schülerzahl in Findorff weiter steigen wird, wird es auch in Zukunft Raumprobleme geben, die einer dauerhaften Lösung bedürfen, so Schulraumplaner Johannes Schumacher während der Dezembersitzung des Findorffer Beirats. Die Behörde werde die "Möglichkeiten einer baulichen Erweiterung prüfen", so der Schulraumplaner.

Raum für die Jüngsten Mangelware

Das Spielhaus in der Corveystraße, das seit Jahrzehnten für Kindergruppen im Vorschulalter genutzt wird, ist so marode, dass die Eigentümerin Immobilien Bremen eine Sanierung nicht in Betracht zieht. Nach dem jetzigen Stand der Dinge werden die Kindergruppen nach der Aufgabe des Hauses in das ehemalige Horthaus des Kinder- und Familienzentrums Augsburger Straße umziehen. Das bedauern nicht nur die Findorffer Eltern und ihre Kinder sehr; auch der Beirat Findorff ist mit dieser Lösung nicht zufrieden. Mit einem Neubau könnten die Kinder das Spielplatzgelände weiterhin nutzen, und die engagierten Elterninitiativen sehen die Möglichkeit, mehr Kinder als bisher zu betreuen.

Für Kinder unter drei Jahren gibt es im Stadtteil nämlich viel zu wenig Betreuungsplätze. Bis zum Jahr 2013 will die Stadt für 35 Prozent aller Kinder dieses Alters eine Betreuung vorhalten. Das wird zwar auf das städtische Gesamtangebot umgerechnet; doch der Sozialausschuss des Findorffer Beirates fand bei seiner Novembersitzung, dass die Findorffer Eltern ein Recht auf eine solche Quote haben. Dafür müsste der Stadtteil 150 Betreuungsplätze anbieten; zurzeit sind es gerade einmal 58, wie Peter Kerscher aus der Sozialbehörde den Beiratsmitgliedern eröffnete. Gerade private Träger sind in diesem Bereich von hoher Bedeutung - sie stellen in Findorff die deutliche Mehrzahl der Plätze.

Ein neuer Spielplatz wurde im September am Weidedamm III eingeweiht. Dass der in die Jahre gekommene Bolzplatz am Fleet zu einer gut ausgestatteten "Multifunktions-Spielfläche" umgebaut wird, dafür hatte sich die Ortspolitik stark gemacht. Eine Gruppe von Anwohnern freute sich weniger über die Pläne und berief sich auf ökologische und sicherheitstechnische Argumente. Der Konflikt landete sogar vor Gericht, doch die Richter gaben grünes Licht für die Sanierung der Spielfläche.

Einsatz für die Jugend

Um ihr Engagement gegen Jugendkriminalität effektiver zu gestalten, will das Innenressort die polizeiliche Arbeit neu aufstellen - auch darüber berichtete der StadtteilKurier mehrfach. Zu diesem Zweck wird das bisherige System der Jugendeinsatzdienste aufgelöst. Die Pläne wurden in Findorff allerdings mit großer Skepsis aufgenommen. Die Leitungen der Oberschule Findorff und des Jugendzentrums meldeten große Bedenken an. Mit den erfahrenen Beamten hatte man in den vergangenen Jahren verlässliche Ansprechpartner, die man nicht verlieren wollte. Vor kurzem einigte man sich auf eine Lösung, die im Stadtteil positiv aufgenommen wurde. Die Projektleitung der Polizei sagte nach intensiven Gesprächen zu, dass die Findorffer auch in Zukunft die bewährte Kooperation fortführen können.

Weg frei für Admiralstraßenumbau

Das Thema hatten die Findorffer aus dem Vorjahr mitgenommen, doch auch im Jahr 2010 ist in der Admiralstraße, die nach dem Einzug des Möbelhauses Meyerhoff schon längst umgestaltet werden sollte, noch nichts passiert. Nun ist der Beginn der Bauarbeiten in Sicht - die Wirtschaftsförderung Bremen kündigte vor kurzem an, dass sie "ihre" Straßenseite im Frühjahr 2011 in Angriff nehmen wird. Dass gleichzeitig die gegenüberliegende Straßenseite attraktiver gestaltet werden sollte, fanden viele Findorffer Bürger; seit Herbst 2009 engagierte sich die eigens gegründete Initiative "Leben in Findorff" für dieses Ziel. Alles andere, so die Initiativenmitglieder, wäre "ein Schildbürgerstreich". Mit einer Unterschriftenliste, der Unterstützung des Beirats und verschiedener Bürgerschaftsabgeordneter wurde die Zusage des Bausenators erwirkt, dort aktiv zu werden. Über die Art der Umgestaltung entbrannte allerdings ein Konflikt, der das gesamte Projekt zum Stillstand brachte.

Während die eine Seite einen "richtigen" Radweg forderte, plädierten die anderen dafür, die Radfahrer auf der Straße fahren zu lassen - eine Lösung, die unter anderem auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club für sicherer hält. Wenn es nach dem Beirat Findorff geht, steht den Bauarbeiten jetzt allerdings nichts mehr im Weg. Kürzlich einigte man sich auf einen pragmatischen Kompromiss, der vorsieht, dass die Radfahrer einen markierten Weg sowohl auf der Fahrbahn als auch auf dem breiten Bürgersteig bekommen sollen. Einen entsprechenden Antrag wird die städtische Baudeputation prüfen - auch dieses Thema wird den Stadtteil also noch im kommenden Jahr beschäftigen.

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