Nach der Wiedereröffnung geht es mit frischen kulinarischen und künstlerischen Ambitionen in die Zukunft

Schlachthof-Café soll Stadtgespräch werden

Findorff-Bürgerweide. Zwei Wochen lang standen hungrige und durstige Gäste vor verschlossenen Türen, nun ist das Café im Kulturzentrum Schlachthof nach einer Generalüberholung wieder geöffnet. Die neuen Betreiber können mit Argumenten locken, die jedes für sich einen Besuch empfehlen, aber besonders in dieser Kombination einen ganzheitlichen Genuss versprechen: Mit spannender Kunst an den frisch renovierten Wänden und einem kulinarischen Anspruch, der den Gästen schmecken wird.
27.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke velten

Findorff-Bürgerweide. Zwei Wochen lang standen hungrige und durstige Gäste vor verschlossenen Türen, nun ist das Café im Kulturzentrum Schlachthof nach einer Generalüberholung wieder geöffnet. Die neuen Betreiber können mit Argumenten locken, die jedes für sich einen Besuch empfehlen, aber besonders in dieser Kombination einen ganzheitlichen Genuss versprechen: Mit spannender Kunst an den frisch renovierten Wänden und einem kulinarischen Anspruch, der den Gästen schmecken wird.

Ziemlich lange habe man nach einem Lokal gesucht, das "wirklich zu uns passt", erzählen Birgit Hoeljes-Peters und Friedrich "Fiete" Peters - und die Schlachthof-Gastronomie schien für das neue Pächterehepaar wie gemacht. Auf das Bewährte könne man bauen, so Fiete Peters: auf eine vielgeliebte und alteingesessene Lokalität mit einem Stammpublikum und einer ausgesprochenen Nähe zur Kunst. Im Umgang mit einer künstlerischen Kundschaft können die beiden Gastronomen beste Referenzen vorweisen: Mehr als ein Jahrzehnt lang waren sie mit ihrem mobilen Cateringservice unterwegs, um für das leibliche Wohl gastierender Künstler und deren Entourage zu sorgen.

Ambitionierter Genuss

Aus der Schlachthof-Küche, die vor der Eröffnung komplett erneuert wurde, verspricht Birgit Hoeljes-Peters Genuss mit Ambitionen: Saisonale und regionale Produkte sollen der nahrhafte Schwerpunkt der abwechslungsreichen Tageskarte sein - auch die Vegetarier werden in Zukunft noch mehr Auswahl finden. Für das atmosphärische Drumherum ist der Anspruch ebenfalls hoch: Mit wechselnden Ausstellungen im Rhythmus von zwei Monaten wolle man "Stadtgespräch werden", hat sich Fiete Peters vorgenommen.

28 Meter Ausstellungsfläche stehen dafür zur Verfügung und mit Siko Ortner ein eigener Kurator, der dafür sorgen wird, dass sie mit Gemälden, Fotografien und sogar Videoinstallationen kunstvoll bestückt werden. Für die Eröffnungsmonate hat der Ausstellungsmacher eine "ARTige Begrüßung" zusammengestellt, die, so Ortner, den Geschmäckern des "kunterbunten Publikums" gerecht werden soll. Die opulenten optischen Genüsse entlang der Treppe und zur Galerie hinauf stammen von Said Tiraei. Die farbenfrohe, vitale Malerei des gebürtigen Afghanen, Jahrgang 1975, der in Pakistan das Zeichnen studierte und seit vielen Jahren in Norddeutschland lebt, feiert die Schönheit der Natur. In ihrem Stil sind die Werke so individuell und kosmopolitisch wie der Künstler selbst; vereinen die abstrakten Formen seiner Kindheit - etwa die Trachten afghanischer Frauen - unverkennbar mit europäischer Malerei der Moderne.

Auf Kindheitserinnerungen beziehen sich auch die übergroßen Formate der Bremer Künstlerin Karin Kallfels - sie sind allerdings ganz anderer Provenienz. Die Malerin, Jahrgang 1959, hat sich Urlaubsfotos aus den 1970er-Jahren zum Modell genommen, demontiert die dekorativ-nostalgischen heilen Welten und Familienidylle allerdings subtil und mit einem ironischen Blick als Klischees. Bewusst beunruhigend wirkt das Gemälde aus ihrer Serie "Spiegelungen": Die düsteren Blicke und Farben verheißen dunkle Geheimnisse. Der Bremer Maler Andreas Horn, Jahrgang 1969, hat für seine Kunst den Begriff "Crossoverpainting" geprägt und verfolgt einen philosophischen Ansatz: In den Farbflächen und Schlieren seiner abstrakten Acrylgemälde will er abbilden, was Menschen prägt: das darf man zum Beispiel als die Wunden, Narben, aber auch die Erkenntnisse betrachten, die das Leben als Spuren auf der Seele hinterlässt. Im Nebenzimmer des Cafés hat sich Siko Ortner, Jahrgang 1969, einen Raum für seine Träume

geschaffen: In seinen mysteriösen Universen werden sich auch die Betrachter verlieren. Die Affinität des Malers zur Graffitikunst ist dabei unverkennbar. Inhaltlich geht es um persönliche Traumbilder. Auf den langen Formaten ziehen schattenhafte Porträts vorbei - Menschen aus Ortners Umfeld, aber auch die Miniaturen bekannter Comicfiguren: eine Liebhaberei des Künstlers, die offensichtlich auch in seinem persönlichen Reich der Träume auf ihrem Stellenwert beharrt.

Die Ausstellung "ARTige Begrüßung" mit Werken von Karin Kallfels, Said Tiraei, Andreas Horn und Siko Ortner ist noch bis zum 11. August im Café Kulturzentrum Schlachthof zu sehen. Öffnungszeiten: werktags von 16 bis 1 Uhr, sonnabends mit und ohne Fußball ab 14 beziehungsweise 16 Uhr bis open end, sonntags mit und ohne Flohmarkt 9 bzw. 10 Uhr - open end.

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