Mini-Festival für Familien

Mit Kunst und Kultur gegen die Angst

Das Kulturzentrum Schlachthof hat ein Programmpaket für Krisenzeiten geschnürt
02.07.2020, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Vier Monate lang war der öffentliche Veranstaltungsbetrieb im Kulturzentrum Schlachthof lahmgelegt. Nun soll es wieder losgehen – mit aller gebotenen Vorsicht, und mit einem Mini-Festival für Kinder und ihre Familien, das am Sonntag, 5. Juli, beginnt. Als Bühne kommt das kleine Freiluft-Amphitheater ins Spiel. In dieser Woche startet zudem das große Kultur- und Kunstprojekt „Keine Panik – wir wachsen weiter“. Titel und Thema hatten sich die Organisatoren ausgedacht, als an eine Pandemie noch nicht zu denken war. Doch die künstlerischen Workshops, Aktionen und Diskussionen werden in den kommenden Monaten viel Gelegenheit bieten, sich über den Umgang mit dieser und anderen Krisen auszutauschen, davon zu lernen und vielleicht sogar daran zu wachsen. Und noch gibt es Hoffnung, dass im Herbst das 40-jährige Bestehen des Kulturzentrums Schlachthof gefeiert werden kann.

„Wir wollen der Angst und Unsicherheit etwas entgegensetzen“, erklärt Jens Werner, der gemeinsam mit Susanna Mohr und Kerstin Kimmerle das „Keine Panik“-Paket geschnürt hat. Wie man Krisenzeiten mit Besonnenheit, Mut und Witz begegnen kann, soll ein Kurzfilmwettbewerb erweisen, für den sich die Organisatoren ideenreiche filmische Erzählungen von maximal dreieinhalb Minuten wünschen. Die Schlachthof-Medienwerkstatt und Radio Weser TV können die Produktionen mit Rat und Tat begleiten, drei Jury-Favoriten sowie der Publikumsliebling werden mit einem Preisgeld belohnt.

Persönliche Ansichten im Schaufenster

Die Frage, was eigentlich wirklich zu einem guten Leben gehört, dürften sich in den vergangenen Monaten viele Menschen gestellt haben. Antworten darauf, was ihnen wirklich wichtig ist, worauf sie verzichten können, und was sie gerne ändern würden, will das Schlachthof-Projektteam bei Findorfferinnen und Findorffern suchen. Ab Mitte August werden die persönlichen Ansichten bei einer Schaufenster-Ausstellung im Stadtteil zu sehen sein. Klimaschutz und Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit und gesundes Wachstum, der Status und die Rolle der Kultur in der Gesellschaft: Das sind einige der weiteren Schwerpunktthemen, die bis September auf dem „Keine Panik“-Programm stehen. Auftaktveranstaltung ist der Aktionstag „Mobilität und Stadtraum“, der am Freitag, 3. Juli, ab 16 Uhr in Kooperation mit Partnern wie der Klimazone Findorff, dem ADFC und dem Bremer Bündnis für Verkehrswende organisiert wurde. Beim Planspiel „Just Transition“ sollen am Dienstag, 7. Juli, 10 bis 17 Uhr, Wege zu einem gerechten Strukturwandel simuliert werden. Für Mittwoch, 8. Juli, 19 Uhr, lädt das Kulturzentrum zur Podiumsdiskussion „Kultur unter Druck – Angriffe von rechts“ in seine Arena ein.

Nicht den Kopf verlieren, sondern der Krise mit Kreativität begegnen: So lautet auch die Losung des Schlachthofteams selbst, dem – wie an allen anderen Orten, an denen sich gerne viele Menschen begegnen – im März die Schließung verordnet wurde. Mit den beiden Radiokonzerten von Stoppok und Someday Jacob meldete sich das Team zwischenzeitlich aus dem Lockdown zurück – ansonsten ist an öffentliche Konzerte, Partys und Gruppenarbeit in Kesselhalle, Magazinkeller & Co zurzeit kaum zu denken, mit allen schwerwiegenden wirtschaftlichen Konsequenzen für das Haus und die Künstler. Dabei sollte in diesem Jahr eigentlich groß gefeiert werden: Im Jahr 1980 begann die Verwandlung des verbliebenen Schlachthof-Geländes „von totem Fleisch zu lebendiger Kultur“, wie es in der Kulturzentrums-Historie heißt. Zu verdanken ist das einer Gruppe widerspenstiger Bürgerinnen und Bürger, die einen Verein gründeten, und den Uhrenkomplex mit dem markanten Schornstein vor den Abrissbirnen retteten, sanierten und zu einem überregional bedeutenden Veranstaltungsort entwickelten. Noch ist das Wochenende vom 3. bis 5. September für die Jubiläumsfeierlichkeiten reserviert. „Ob und wie das möglich sein wird, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab“, muss indes Gudrun Goldmann aus dem Organisatorenteam einschränken.

Im Rahmen des Bremer Kultursommers Summarum wird am Sonntag, 16. August, die Bremer Band „Paloma & The Matches“ ein Konzert in der Arena geben. Für Sonntag, 30. August, hat sich das Rocktrio Boranbay angekündigt. Doch zuallererst sind die kleinsten Gäste dran, die in den vergangenen Monaten ebenfalls viel mitgemacht haben: Sie können sich auf vier aufregende Sonntagnachmittage mit echten Publikumslieblingen freuen. Damit sich die Zuschauer ganz sicher fühlen können, wird das kleine Amphitheater in „Schollen“ aufgeteilt, in denen Familien zusammen, aber mit ausreichendem Abstand zu anderen Gruppen sitzen können. „Wir hatten schon früh die Idee zu einem Kinderprogramm, denn gerade für Kinder und ihre Familien fand so wenig statt“, erklärt Karina Schlieck, die im Kulturzentrum für das Kindertheater zuständig ist. „Und auch wir und die Künstler freuen und sehr, dass es jetzt wieder losgeht“.

Den Anfang machen an diesem Sonntag, 5. Juli, „Die Geschichtenfinder“. Was Tinka Klindtwort und Pablo Keller alias „Compania T“ spielen werden, wissen sie selbst noch nicht genau: Denn es werden die Kinder sein, die entscheiden, ob sie Abenteurer, Prinzessin, Gespenster, fliegende Kängurus oder den Froschkönig sehen möchten. Nicht alles geht auch nach Plan, wenn „Petterson zeltet“. Das Findorffer Kindertheater Schnurzepiepe ist mit seinem Stück am 19. Juli zu Gast. Über den „Kirschbaum hinterm Haus“ wird Geschichtenerzählerin Julia Klein den Kindern am Sonntag, 2. August berichten. Zum Finale des Mini-Festivals am Sonntag, 23. August, nehmen die Gebrüder Jehn ihr Publikum mit auf eine musikalische Weltreise.

Weitere Informationen

Sämtliche Kindervorstellungen beginnen um 16 Uhr, der Eintritt kostet 7 Euro pro Person. Alle weiteren Neuigkeiten werden auf der Homepage www.schlachthof-bremen.de veröffentlicht. Das Programm des Kultur- und Kunstprojekts „Keine Panik“ kann in einer druckfrischen Broschüre nachgelesen werden oder im Internet unter www.keinepanik.net.

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