Regensburger Straße

„Wir können das nicht stemmen“

Die SG Findorff gibt ihre Pläne für den sogenannten Fuchsbau wegen des unkalkulierbaren Risikos auf. Es gibt also keine neue Halle auf der Bezirkssportanlage. Die vorhandene Halle ist jedoch total überlastet.
12.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Regensburger Straße. Der Fuchsbau wird aufgegeben. Die Sportgemeinschaft Findorff hat die Reißleine gezogen, und die Planungen für eine eigene Sporthalle auf der Findorffer Bezirkssportanlage gestoppt. Seit Jahren beschäftigt sich ein Projektteam des Vereins mit dem Vorhaben. Unterschätzt hatte man dabei jedoch, wie komplex, wie kompliziert, und letztlich wie unberechenbar ein Bauprojekt ist, dass nach den Spielregeln der öffentlichen Hand entstehen muss. Das Risiko für den Verein und seine Mitglieder erwies sich als zu groß. „Wir können das nicht stemmen”, sagt Frank Steinhardt, Vereinsvorsitzender und Motor des Vorhabens. Die Hoffnung auf eine neue Halle will der Verein allerdings keineswegs fahren lassen. Denn dass sie im Stadtteil dringend benötigt wird, steht nach wie vor außer Frage.

Die Entscheidung fiel bereits vor Monaten. Viel lieber hätte der Vereinsvorstand sie den Mitgliedern zunächst persönlich mitgeteilt und erläutert. Doch mittlerweile zeichne sich ab, dass auch der geplante Nachholtermin für die Jahreshauptversammlung im November unrealistisch sei, sagt Steinhardt. Und so bleibe nur Weg in die Öffentlichkeit, um allen Aktiven zu danken, die in den vergangenen Jahren viel Zeit und Engagement in das Projekt gesteckt haben, den Unterstützern aus dem Stadtteil, und den 1200 Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihren Unterschriften das Vorhaben befürworteten. Es sind etwas mehr als vier Jahre vergangen, seit er dem Findorffer Beirat erklärte, was sich die SG Findorff auf der Bezirkssportanlage vorstellte. Das Projekt „Fuchsbau“ – benannt nach dem Wappentier des Vereins – sah den Neubau einer 23 mal 45 Meter großen Zweifeld-Halle vor, mit angeschlossenen Nebengebäuden für Umkleiden, Duschen und Geräte und einem separaten Übungsraum. Kein Luxus, sondern eine schlichte, barrierefreie, funktionale Sportstätte. Als Bauplatz bot sich der Gummiplatz zwischen dem bestehenden Hallenkomplex und dem Spielplatz Nürnberger Straße an.

Den Rückhalt der Vereinsmitglieder hatte sich das Projektteam bereits bei zwei Mitgliederversammlungen abgeholt, der Beirat war begeistert von dem „Leuchtturmprojekt“, die Oberschule Findorff in hoffnungsfroher Erwartung einer Sportstätte, die zu Unterrichtszeiten hätte mitgenutzt werden können. Den Bedarf konnte der Verein mit Leichtigkeit begründen: Die bestehende Halle platze aus allen Nähten und sei an sieben Tagen in der Woche ausgebucht, hieß es. Aufgrund der akuten Raumnot müssten viele Mannschaften in Hallen in der ganzen Stadt ausquartiert werden. Zudem seien in den vergangenen Jahren neue Sportarten entstanden, die ebenfalls um die Trainingszeiten in der Halle konkurrierten.

Die Kosten für den Neubau hatte der Verein auf 2,3 Millionen Euro geschätzt, die jährliche Belastung für Abtrag und laufende Kosten auf 130 000 Euro. Auf der Habenseite einkalkuliert waren die Einnahmen durch die Vermietung an Schulen und die Ersparnis der Mietkosten für andere Hallen außerhalb des Stadtteils. Für den Restbetrag hätten die Mitglieder aufkommen müssen: Der Vorstand rechnete mit einer moderaten Erhöhung des monatlichen Mitgliedsbeitrags um etwa zwei Euro – und mehr wolle man den Mitgliedern auch keinesfalls zumuten. Der Hausbank hatte die Rechnung für solide und belastbar erklärt, und auch im Hause der Senatorin für Soziales und Sport lobte man das Konzept als „gut durchdacht“. Persönlich befürworte sie das Findorffer Projekt sehr stark, bestätigte Senatorin Anja Stahmann bei einem Besuch in Findorff im Oktober 2016. Sie wisse, dass der Bedarf im Stadtteil da sei. Die Senatorin wörtlich: „Wir bewegen Ihr Anliegen tüchtig in unseren Herzen und unserem Kopf!“

Als die Sportdeputation im Juni 2018 grünes Licht für das Neubauprojekt gab, und Fördermittel in Höhe von 25 000 Euro für die konkrete Planung bewilligte, war daher die Freude im Stadtteil groß. Doch damit begannen auch die konkreten Probleme, so Steinhardt. Denn wer mit Fördermitteln des Landes Bremens bauen will, muss nach genau festgelegten Vorgaben agieren. Die Verfahrensregeln der „Baufach-technischen Zuwendungsprüfung“ umfassen Ausschreibungen, Gutachten und die permanente Beteiligung der Fachplaner verschiedener Behörden. „Wir mussten befürchten, dass durch die Vielzahl der Beteiligten und das komplizierte Verfahren die Baukosten signifikant steigen könnten“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Nicht auszuschließen sei zudem, dass bei Verfahrensfehlern Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. Und schließlich sei es dem Verein nicht gelungen, die Zusicherung der Bildungsbehörde zu erhalten, die Halle langfristig zu festgeschriebenen Konditionen zu mieten. Mit all diesen Erkenntnissen sei der Verein zum Schluss gekommen: „Das Risiko können wir unseren Mitgliedern nicht zumuten“, so Steinhardt. „Unter diesen Rahmenbedingungen können wir das Projekt nicht fortsetzen.“ Erschwerend komme dazu, dass auch der Findorffer Sportverein von der „Corona-Krise“ betroffen sei und in den vergangenen Monaten eine hohe Zahl von Austritten verbuchen musste: Steinhardt spricht von rund zehn Prozent. „Das Jahr 2020 brachte auch die banale Erkenntnis, dass nichts so bleiben muss, wie es ist.“

Geblieben sei indes der vom Sportentwicklungsplan bestätigte Bedarf für eine zusätzliche Halle im Stadtteil sowie der Nachweis der baurechtlichen Machbarkeit, der im Laufe des Projekts erbracht werden konnte. „Wir können das nicht leisten“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Aber wir wünschen uns, dass andere diese Lücke schließen.“ Genauer gesagt: „Nach unserer Einschätzung sollte der Bau in öffentlicher Trägerschaft erfolgen“.

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