Zu Besuch bei der früheren Galeristin Katrin Rabus, die die Kultur an der Plantage überhaupt erst heimisch gemacht hat

Sie hat eine ansteckende Leidenschaft für die Kunst

Die Galerie, die Katrin Rabus 25 Jahre lang unter ihrem Namen führte, gibt es seit 2004 nicht mehr. Doch mit der Kunst abgeschlossen hat die Grande Dame der Bremer Kulturszene nicht. Sie hat sich mal eben auch auf dem Gebiet des anspruchsvollen Musikfilms zur international anerkannten Kapazität entwickelt. Und was in der Stadt passiert, hat sie immer noch ganz genau im Blick. Der Stadtteil-Kurier stattete Katrin Rabus jetzt einen privaten Besuch ab.
30.06.2013, 05:00
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Von Anke Velten
Sie hat eine ansteckende Leidenschaft für die Kunst

Sie hat die Stadt immer noch ganz genau im Blick: Katrin Rabus ist eine engagierte Streiterin für die Kultur geblieben. Ihre neue Leidenschaft sind anspruchsvolle Musikfilme, für die sie seit mehr als zehn Jahren an der Plantage ein international beachtetes Festival ausrichtet. AVE·

R. Scheitz

Die Galerie, die Katrin Rabus 25 Jahre lang unter ihrem Namen führte, gibt es seit 2004 nicht mehr. Doch mit der Kunst abgeschlossen hat die Grande Dame der Bremer Kulturszene nicht. Sie hat sich mal eben auch auf dem Gebiet des anspruchsvollen Musikfilms zur international anerkannten Kapazität entwickelt. Und was in der Stadt passiert, hat sie immer noch ganz genau im Blick. Der Stadtteil-Kurier stattete Katrin Rabus jetzt einen privaten Besuch ab.

Findorff-Bürgerweide. An den Wänden der Küchenzeile kleben Zeichnungen der drei Enkelkinder. Vis-à-vis, über einer Sitzgruppe lang genutzter verschiedener Bauhaus-Möbel, leuchtet ein riesiges Gemälde aus bunten Farbflecken. Ein Bild von Jerry Zeniuk, erzählt Katrin Rabus, und dass Sammler dafür den Gegenwert eines Neuwagens der oberen Mittelklasse bezahlen. Für die Farbflecken? "Versuchen Sie einmal, das nachzumalen", antwortet sie freundlich. "Das geht nicht." Hier, in der Privatwohnung im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Blusenfabrik Engels an der Plantage, gehört die Kunst ganz selbstverständlich und unprätentiös zum Leben. Und nicht nur aus den Panoramafenstern, die sich über die ganze Wohnungsbreite ziehen, hat die Grande Dame der Bremer Kulturszene die Stadt ganz genau im Blick.

Zum Beispiel die Weserburg. Bremens Tempel der modernen Kunst steht zurzeit auf dem Prüfstand. Katrin Rabus plädiert für einen "Masterplan" und versteht darunter eine wohlüberlegte Vorgehensweise: Sachlich, wohlkalkuliert, nachhaltig, und mit einem Blick über den Tellerrand – eigentlich genau so, wie sie es selbst immer mit ihrer Kunst gehalten hat. In einer Diskussionsrunde, zu der kürzlich die Initiative "Leben in Findorff" einlud, wünschte sie sich, dass die Kultur wieder mehr zum öffentlichen Gesprächsthema würde: So, wie es ab 1996 mit der von ihr mitbegründeten Initiative "Anstoß" gelang. Sie ist überzeugt: Dass sämtliche große Kultureinrichtungen der Stadt überlebt haben, sei eine Nachwirkung dieser "Anstoß-Stimmung". In Zukunft stünden besonders den freien Projekten schwere Zeiten bevor, mahnte sie. Ihr Klartext: In der Bremer Politik gebe es zu wenig Fürsprecher für die Kunst. "Wir müssen die Stadt davon überzeugen, wie sehr sie uns braucht!", appellierte sie an die Kulturschaffenden.

Wer Katrin Rabus nur von Fotos kennt, könnte sie für streng und unnahbar halten: Die kurzen dunklen Haare, die schnörkellose schwarze Brille. Das Gegenteil ist der Fall. Kunst, die als schwierig gilt, einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, das ist seit 35 Jahren ihr Metier, das sie mit einer ansteckenden Leidenschaft lebt. Zu verdanken habe sie diese vor allem ihrem Ehemann Werner Rabus, der sie mit der Kunst vertraut gemacht habe. "Ich habe instinktiv gemerkt, dass mir das vorher gefehlt hatte", erinnert sie sich. Allerdings nicht sofort: Als das Paar Anfang der 1970er-Jahre in Kunsthandlungen nach einem ersten Original suchte und Werner Rabus für ein Budget in Höhe von 100 D-Mark plädierte, "das fand ich schon hart", gesteht Katrin Rabus. "Ich wäre dafür lieber essen gegangen." Die "Rabusse" schulten sich zu Sammlern und Kennern, die ein festes Jahresbudget in Kunst investierten, das andere für Möbel oder den Zweitwagen ausgaben. "Unsere Bekannten schüttelten darüber den Kopf", sagt sie.

Mit dem Umzug nach Bremen gab die Gymnasiallehrerin und Mutter zweier kleiner Kinder ihre Beamtenstelle auf, richtete sich Räume des Privathauses als Galerie ein und fühlte sich "wie in einem Süßigkeitenladen. Ich stellte grundsätzlich nur aus, was ich selbst gerne kaufen wollte." Und sie verstand es, auch bei anderen den Appetit zu wecken: Bereits 1981 nahm sie erstmals an der Basler Kunstmesse teil, zwischen 1984 und 1994 war sie ununterbrochen beim Kunstmarkt Köln – später: Art Cologne – vertreten. Ihre Zielgruppe dort: Sammler aus der ganzen Welt, Museen und Kunstsammlungen. Und in der Galerie versuchte sie, vor allem viele ganz normale Menschen für die moderne Kunst zu begeistern. "Gegen die Arroganz des Kunstbetriebs habe ich mich immer gewehrt. Bei mir gab es immer auch Kunst, die für ein kleines Budget erschwinglich war", erklärt die 69-Jährige. 1989 entdeckte sie die kurz zuvor aufgegebene Blusenfabrik im Findorffer Gewerbegebiet. Keine Lage zum Angeben, aber erschwingliche Räume mit optimalen Größen- und Lichtverhältnissen. 25 Jahre lang hat Katrin Rabus die Plantage mit Leben erfüllt, als international bekannte Adresse etabliert und dabei die Bremer Kulturlandschaft ordentlich aufgemischt. Im Jahr 2004 schloss sie die Galerie – schuldenfrei, wie sie betont.

Heute nennt sich das Areal, das Katrin und Werner Rabus erwarben, aufwendig umbauten und sanierten, "Zentrum für Kultur und Medien" und beheimatet eine kreative Mietergemeinschaft. Die Bremer Philharmoniker nutzen hier seit zehn Jahren Proberäume, in denen sich das Orchester in Glocken-Breite formieren kann. Die ehemalige Galerie selbst kann heute zum Beispiel für Konzerte, Vorträge oder Empfänge gemietet werden. Hier befindet sich aber auch immer noch der überraschend kleine Schreibtisch, an dem große Dinge in Bewegung gesetzt werden: Ihre Leidenschaft hat Katrin Rabus nun auf Musikfilme konzentriert und organisiert seit 2002 das jährliche internationale Fernsehforum für Musik "The Look of the Sound". An der Plantage versammeln sich dann Regisseure, Produzenten, Redakteure, Musiker, Nachwuchstalente und Fachjournalisten aus der ganzen Welt. Aus ihrer Idee, sich für Filme zu engagieren, die einem großen Publikum den Zugang zur Musik erleichtern, sei – "eigentlich ohne es zu wollen" – ein international beachtetes Symposium geworden, sagt Katrin Rabus und hat dafür wieder eine ganz einfache Erklärung: "Ich glaube, dass ich eine Begabung dafür habe, anderen zu sagen: Kunst ist etwas ganz Tolles."

Sie hat eine ansteckende Leidenschaft für die Kunst

Zu Besuch bei der früheren Galeristin Katrin Rabus, die die Kultur an der Plantage überhaupt erst heimisch gemacht hat

Zur Person: Katrin Rabus wurde 1943 in Butjadingen geboren und studierte Romanistik, Politik und Geschichte an den Universitäten Kiel, Hamburg und Montpellier. 1979 gab sie nach zehn Jahren ihre Lehrtätigkeit an Gymnasien auf und gründete die "Galerie Katrin Rabus", die zwischen 1990 und 2004 an der Plantage 13 bestand. Katrin Rabus war Mitglied des Rundfunkrates von Radio Bremen, des ARD-Programmbeirats und des internationalen Beirats des Senders ARTE. Für ihre Verdienste um die Kultur in Bremen und ihr medienpolitisches Engagement wurde sie im Jahr 2009 mit einem Senatsempfang geehrt. Im Jahr 2010 wurde ihr in Berlin der französische Verdienstorden verliehen.

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