Seniorenzentrum in der Pandemie

„Ein Ausbruch hätte verheerende Folgen“

Wie steht es um die älteren Menschen in Findorff in Zeiten der Pandemie? Um diese Frage zu beantworten hat der Sozialausschuss eine Einrichtungsleiterin eingeladen, um über ihr Seniorenzentrum zu berichten.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Die Zahlen steigen wieder. Vor wenigen Tagen übertrafen sie die Höchstzahl der Neuinfektionen, die in Bremen seit Beginn der Corona-Pandemie registriert wurden. Noch lässt sich nicht vorhersagen, wie sich das Virus im Einzelfall auswirken wird – wie viele der Infizierten das Glück eines symptomfreien oder schwachen Verlaufs haben werden, wer mit Fieber im Bett landet oder gar auf der Intensivstation behandelt werden muss. Sicher ist: Dort, wo Menschen wohnen, für die die Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit lebensbedrohlich werden kann, sieht man die Entwicklung mit größter Sorge, und kann nur dazu appellieren, mit den Anstrengungen zur Eindämmung nicht nachzulassen. „Ein Ausbruch hätte verheerende Folgen“, mahnt Lydia Metz, Leiterin des Curanum Zentrums für Betreuung und Pflege an der Walsroder Straße 1. „Wir müssen alles dafür tun, das zu verhindern“.

Der Findorffer Sozialausschuss hatte die Einrichtungsleiterin zu seiner öffentlichen Sitzung eingeladen, um sich – stellvertretend für die übrigen Einrichtungen – über die vergangenen Monate und den aktuellen Stand der Dinge berichten zu lassen. Wie sehr das Virus bei älteren und gesundheitlich angeschlagenen Menschen wüten kann, wurde sehr schnell deutlich – Ausbruchereignisse in Seniorenheimen machten bereits in den ersten Märzwochen bundesweit Schlagzeilen. Auch in und um Bremen, auch in Findorff, waren Seniorenheime betroffen. Dass ihre Einrichtung bislang verschont geblieben, und es weder bei Bewohnern noch unter dem Kollegium zu einer Erkrankung gekommen sei, begründet die Findorffer Einrichtungsleiterin nicht allein mit der konsequenten Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen. „Wir hatten auch Glück”, so Metz in ihren Bericht vor dem Findorffer Sozialausschuss. Denn bei aller Vorsicht und allem Verantwortungsbewusstsein für ihre Klientel hätten die Mitarbeiter ein Privatleben, Familie und Sozialkontakte.

Nach Umsetzung des Besuchsverbots am 16. März habe sich die Isolation als zunehmende Belastung für die Bewohner bewiesen. „Diejenigen, die sich selbst beschäftigen konnten und die über Sozialkontakte innerhalb des Hauses verfügten, haben die Situation besser verkraftet”, berichtete Metz. „Aber die menschliche Nähe fiel wochenlang komplett weg. Man merkte deutlich, wie sehr viele litten, weil ihnen die Besuche und die Berührungen fehlten”.

Inzwischen sind die Besuchsregelungen gelockert, und auch den Bewohnerinnen und Bewohnern ist es wieder gestattet, das Haus zu verlassen. Ihnen, den Familienangehörigen und Besuchern könne sie nur raten, die Empfehlungen der Experten mit besonderer Sorgfalt zu beachten: in der Öffentlichkeit Mund- und Nasenschutz zu tragen, die Hände sorgfältig zu waschen und zu desinfizieren, Abstand zu anderen Menschen einzuhalten und größere Menschenansammlungen zu meiden. „Unsere Bewohner und die Mitarbeiter haben unter der Situation schon genug gelitten, und auf vieles verzichten müssen”, so Metz. „Auf Dauer möchte ich mir das nicht vorstellen.“

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