Viele engagierte Findorffer

Spaß an einer ernsten Sache

In Findorff engagiert man sich weiterhin für den Klimaschutz. Nachdem das Projekt Klimazone ausgelaufen ist, wird es jetzt als Verein weitergeführt.
26.02.2020, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Regensburger Straße. Findorff bleibt eine Klimazone – weil es genügend Findorffer so wollen. Nach Ablauf der zweijährigen Förderphase will nun ein speziell für diesen Zweck gegründeter Verein die Mission weitertragen. Das war für viele Freundinnen und Freunde des Hauses am vergangenen Montag ein Grund zum Feiern, und auch Bremens Klima-Senatorin Maike Schaefer kam vorbei, um zu gratulieren. Man könne das private Engagement für den Klimaschutz nicht genug honorieren, lobte die Senatorin und versprach den Findorffer Aktivisten ihre Unterstützung.

Vor zwei Jahren ging mit der „Klimazone Findorff“ ein Projekt an den Start, das man gar nicht so einfach definieren kann: Etwas Vergleichbares gab es vorher noch nicht. Die Idee, einen nachbarschaftlichen Ort zu schaffen, in dem Methoden für den Schutz des Klimas so lebensnah dargestellt werden, dass sie zum Nachmachen Lust machen: Sie stammt von Jürgen Schnier, der aus privater Überzeugung und als ehemaliger Geschäftsführer des „Bauraum“ am Hulsberg viel Erfahrung in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie mitbrachte.

„Klimaschutz finden inzwischen fast alle Menschen wichtig“, sagte der Initiator und Projektleiter anlässlich der Gründungsfeier. „Die Herausforderung ist die Umsetzung“. Er hatte sich vorgenommen, „Klimaschutz von unten anzugehen, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger, damit es auch Spaß macht“. Ende Februar 2018 eröffnete das „Klimacafé“ an der Münchener Straße 146 als zentraler Treffpunkt und Veranstaltungsort. Das Projekt Klimazone hätte auch irgendwo anders in Bremen an den Start gehen können. Doch Findorff habe sich als besonders umweltbewusstes Quartier geradezu dafür angeboten. „Hier wohnen besonders viele Menschen, die dafür zugänglich sind“, hatte Schnier damals erklärt. Mit dem BUND Bremen, der Bremer Umwelt Beratung und dem Bauraum waren von Anfang an drei feste Unterstützer im Boot. Durch eine intensive Partnersuche im Stadtteil und darüber hinaus ist die Liste inzwischen lang, und umfasst diverse Findorffer Vereine und Initiativen, Wohnungsbaugesellschaften, die evangelische Gemeinde, Geschäftsleute, Schulen, Unternehmen, Recyclinghof, Großmarkt, Messe und Verbraucherzentrale.

Konkret und alltagstauglich

Inzwischen dienten etwa 200 Informationsveranstaltungen, Expertenvorträge, Diskussionsabende, Workshops und Mitmachaktionen dazu, für den Klimaschutz „zu motivieren und zu animieren“, so der rührige Projektleiter. Referenten aus Politik und Wissenschaft, Stadt- und Landschaftsplaner, Verkehrsexperten und Biologen berichteten aus ihren Fachbereichen. Ganz konkret und alltagstauglich wurden Themen wie Kochen, Putzen, Einkaufen, Gärtnern, Mode und Müllvermeidung angegangen. Ermöglicht wurde das ambitionierte Programm durch eine Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das zwei Jahre lang nachbarschaftliche Klimaschutzprojekte mit Geld unterfütterte. „Unser Ziel war es aber immer, Kontinuität zu schaffen und das Angebot zu verstetigen“, so Schnier.

Das hat sich nun der gemeinnützige Verein „Klimazone Bremen-Findorff e.V.“ vorgenommen, der im vergangenen November von elf Gleichgesinnten gegründet wurde – darunter Hans Schüler, der vor zwei Jahren als Veranstaltungsgast gekommen war, und nun mit Gesa Wessalowski-Müller und Ulf Jacob den Vereinsvorstand bildet. Laut Schüler haben sich mittlerweile mehr als 40 Menschen dem Verein angeschlossen. „Wir brauchen aber mindestens 150 bis 200 Mitglieder, um das Projekt auf Dauer zu halten“, sagte der frisch gebackene Vereinsvorsitzende. Neben ihren Mitgliedsbeiträgen setze der Verein auf Spenden und Projektmittel, um seine Angebote zu finanzieren.

„Klimaschutz ist keine Privatangelegenheit. Wir brauchen finanzielle Unterstützung“, lautete der Appell, den Jürgen Schnier zuvor an die Adresse von Maike Schaefer gerichtet hatte. Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau sicherte ihr Wohlwollen zu. Damit Bremen seine ambitionierten Klimaziele erreichen kann, stehe der Klimaschutz als „große Klammer“ über der Politik der Bremer Regierung. Weil es aber wichtig sei, „dass jeder mitmacht“, sehen die Haushaltsberatungen ein Extra-Budget in Millionenhöhe vor. Die Senatorin, die selbst mehrere Male zu Gast an der Münchener Straße war, gelobte jedenfalls: „Ich möchte Euch gerne unterstützen.“

Weitere Aktionen

In der Klimazone Findorff gehen die Aktivitäten derweil nahtlos weiter. An diesem Donnerstag, 27. Februar, startet um 19 Uhr im Gemeindesaal der Martin-Luther-Gemeinde, Neukirchstraße 86, die Plastik-Fastenzeit in Kooperation mit Pastorin Carolin Joppig. Zum Auftakt wird der Film „Plastic Planet“ gezeigt, der in die Problematik von Produktion und Konsum von Plastik einführt. Das Programm „Klimaschutz For All“ des Gröpelinger Physikers Uli F. Wischnath kann mit dem Rückenwind einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und einer Zahl von 25 Teilnehmern Fahrt aufnehmen. Über weitere Termine und Themen sowie allgemein über den Verein und seine Akteure informiert die Internetseite https://klimazone-findorff.de.

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