Sportliches Leben geht weiter

Sportliches Leben geht weiter

Auch in Findorff ist der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen worden. Aber auch hier gilt: Bitte die aktuellen Regeln einhalten. Auch Hallensportler müssen raus.
24.05.2020, 23:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Regensburger Straße. „Alle vollzählig“, ruft Wilma Susemiehl ihrer Tochter gut gelaunt zu und spurtet flott in den hinteren Bereich des Spielfelds. Denn dort hat Kursleiterin Birgit Wehmann bereits begonnen, ihre Damengruppe der Generation 80-plus aufzuwärmen. Statt wie gewohnt in der Halle an der Gothaer Straße heißt es nun erst einmal „Fitness Forever“ unter freiem Himmel. Auf der Findorffer Bezirkssportanlage (BSA) bleibt die Halle inklusive Umkleiden und Duschen geschlossen. Nicht nur viele Gruppen der Turnabteilung, sondern auch eine ganze Reihe anderer klassischer Hallensportarten werden bis auf Weiteres im Freien ausgeübt.

Das Wetter ist perfekt an diesem milden Mainachmittag – und die Stimmung ebenso. „Wir sind begeistert, dass es wieder losgeht“, sagt Öffentlichkeitsreferentin und Übungsleiterin Jutta Susemiehl. „Alle freuen sich, die anderen wiederzusehen.“

In der gesamten Republik war dem organisierten Sport wochenlang Stillstand verordnet, doch mittlerweile ist wieder einiges in Bewegung gekommen. In der letzten Aprilwoche durften die Tennisspieler wieder loslegen. Seit dem 6. Mai ist es auch Sportgruppen gestattet, gemeinsam zu trainieren – allerdings nur im Freien. „Wir sind Sportsenatorin Anja Stahmann sehr dankbar, dass sie sich dafür eingesetzt hat“, sagt Frank Steinhardt. Denn es sei sehr schmerzhaft gewesen, den gesamten Sportbetrieb einzustellen. „Das war eine riesige Herausforderung, für die niemand einen fertigen Plan aus der Schublade ziehen konnte“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Eine ganz neue Übung für uns“.

Zu den Disziplinen, die der Vereinsvorstand in der passiven Phase trainierte, gehörte laut Steinhardt vor allem die Kommunikation mit den Mitgliedern. Zur virtuellen Motivationsförderung wurde ein interner Wettbewerb gestartet: Unter dem Motto „Und trotzdem geht das Leben weiter“ wurden die Übungsleiterinnen und Übungsleiter ermutigt, ihre Teams und Kurse während der Ausnahmesituation weiter zu betreuen und zu motivieren. Annika Bartels, Trainerin der weiblichen D 1-Handballjugend, achtete sehr darauf, dass ihr knappes Dutzend Talente durchgängig in Form blieb. „Es ist eine sehr ambitionierte Mannschaft“, erklärt Bartels. „Im vergangenen Jahr wurden wir Vizemeister der Bremen-Liga“. In der kontaktlosen Zeit gab es zweimal pro Woche Online-Trainingsstunden. Über die Konferenzplattform „Zoom“ trafen sich die Spielerinnen zu wöchentlichen Challenges, die den Wettbewerbsgeist anspornten.

Was damit gemeint ist, kann Karlotta erzählen: „Wir mussten zum Beispiel einen Ball mit Aufsetzer in einen Wäschekorb werfen“, so die zwölfjährige Spielerin. „Wenn der Ball daneben ging, mussten wir Liegestütze machen. Wer zuerst traf, hatte die Challenge gewonnen und bekam den Preis“. Zu Hause sei es nicht immer einfach gewesen, sich zum Training zu motivieren, gesteht Karlotta. „Es macht viel mehr Spaß mit den anderen.“ Gelohnt haben sich die Online-Trainingseinheiten allemal. „Wir sind ziemlich fit geblieben“, sagt die junge Sportlerin. „Ich hatte nach dem ersten Mal nur ein bisschen Muskelkater.“

Torfrau Milena hat am verordneten Lauftraining so viel Gefallen gefunden, dass sie es freiwillig weiterführen möchte. „Das war cool“, sagt die Zwölfjährige. „Ich habe mit einer Zwei-Kilometer-Strecke angefangen. Jetzt schaffe ich problemlos fünf.“ Dem Training an der frischen Luft kann die Zwölfjährige auch viel Positives abgewinnen: „Der Wind kühlt so schön, wenn man ins Schwitzen kommt.“

Neben den Handball- und Korbballteams und rund 20 Turngruppen hat auch die Karategruppe von Heiko Bergel ihr Training auf den Findorffer Rasen verlegt. Sie zeigt, dass die elegante Kampfkunst auch völlig ohne physischen Kontakt praktiziert werden kann. Denn an diese „Regeln für die Corona-Zeit“ müssen sich sämtliche Sportlerinnen und Sportler halten, wie mehrere Aushänge auf der BSA mahnen: Händeschütteln, Umarmungen und Küsschen sind Tabu. Zum Training kommt man fix und fertig in Sportklamotten, und davor und hinterher hält man sich nicht auf der Anlage auf. Und selbstredend bleibt man bei jedem Anflug von Erkältungssymptomen zu Hause.

Trainiert werden darf nur in Kleingruppen, und zwischen einzelnen Personen muss ein Abstand von zwei Metern gehalten werden. Echte Spielsituationen oder gar Turniere sind damit also erstmal unmöglich, und für manche Hallensportarten – darunter Tischtennis oder Badminton – ist Open Air keine Option. Dennoch sei die Erlaubnis zum Freilufttraining „mehr als ein Silberstreif am Horizont“, betont Steinhardt.

„Es geht um viel mehr als nur um Bewegung“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Viele unserer Mitglieder haben die soziale Komponente vermisst.“ Die jüngsten Teams sieht man zurzeit nicht auf der BSA. „Aber Kinder ab dem Alter von zwölf Jahren können mit den neuen Vorschriften gut umgehen“, ist sich Jutta Susemiehl sicher. „Diszipliniert zu sein und sich an Regeln zu halten – das lernt man ja schließlich in jeder Sportart.“

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