Um Chaos zu vermeiden

Straßen sollen in Findorff während des Freimarkts gesperrt werden

Findorffer Stadtteilpolitiker wollen zum Freimarkt die Anliegerstraßen sperren lassen, um Chaos zu vermeiden.
25.09.2019, 23:03
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Von Anke Velten
Straßen sollen in Findorff während des Freimarkts gesperrt werden

Fast neun von zehn Autofahrern halten sich an Verbotsschilder. Diese Erfahrungswerte nannte Findorffs Verkehrssachbearbeiter David Natolino mit Blick auf andere Städte. Das wollen sich auch die Findorffer beim Freimarktverkehr zunutze machen.

Janina Rahn

Noch drei Wochen bis zum Start des Bremer Freimarkts. Allerhöchste Zeit, sich darauf vorzubereiten. Weil die bislang vom Verkehrsressort vorgeschlagenen Maßnahmen als unbefriedigend erachtet werden, hat der Fachausschuss „Bau, Klima, Umwelt und Verkehr“ des Findorffer Stadtteilbeirats nun selbst die Initiative ergriffen. Der bestechend einfache Vorschlag lautet, kurz gefasst: Während der Freimarktswochen werden die angrenzenden Wohnquartiere zwischen Bahn- und Weidedamm für den auswärtigen Verkehr dicht gemacht. Die örtliche Polizei hat bereits ihre Unterstützung für die Findorffer Idee zugesichert. Nun müssen auch noch die zuständigen Stellen davon überzeugt werden. Und zwar schnell.

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Der Maßnahmenkatalog zur Verhütung des jährlich wachsenden Verkehrschaos wurde im Rahmen der öffentlichen Sitzung im Ortsamt West vorgestellt und einstimmig beschlossen. Das so genannte „Schutzkonzept” sieht vor, dass die Einfahrt in die Wohnquartiere im gesamten Bereich zwischen Plantage, Leipziger Straße, Findorff- und Hemmstraße während des Freimarkts konsequent unterbunden wird. Als Blockade soll Verkehrszeichen VZ 267 dienen. Das runde rote Schild mit dem horizontalen weißen Balken – in Fachkreisen auch als „Spardose“ bekannt – soll an allen zwanzig möglichen Zufahrten die Einfahrt verbieten. Die Ausnahme für Bewohner und Radfahrer wird durch ein entsprechendes Zusatzzeichen signalisiert.

Hauptverkehrsstraßen werden nicht gesperrt

Die großen Hauptverkehrsstraßen – Findorffstraße, Admiralstraße, Hemmstraße und Eickedorfer Straße – bleiben frei. Für die Erreichbarkeit des Marktplatzes bleibt auch in der Neukirchstraße die Durchfahrt gestattet. Damit das Konzept Wirkung zeigt, und nicht Konvois von Parkplatzsuchern vergeblich um die Quartiere herumkreisen, soll die Regelung über eine offensive mediale Informationskampagne bekannt gemacht werden. Alternativen wie die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs und die vorhandenen Park-and-Ride-Standorte sollen ebenfalls deutlich kommuniziert werden. Und schließlich fordern die Findorffer, dass die Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsdienste „massiv“ aufgestockt werden, damit wirkungsvolle Kontrollen ermöglicht und Verstöße konsequent geahndet werden können.

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Die Beschlussvorlage stammte von Ausschusssprecher Ulf Jacob (Grüne), der seine Kolleginnen und Kollegen mit seinem Alleingang überrascht hatte. Jacob erinnerte an die Beiratssitzung Anfang September, als die Ergebnisse des ressort- und gremienübergreifenden Arbeitskreises vorgestellt wurden (der Stadtteilkurier berichtete). Den großen Wurf, den man sich gewünscht hatte, habe der Arbeitskreis nicht geliefert. Die zugesagten Detailinformationen über das Konzept und die flankierende Marketingkampagne seien bis heute nicht beim Beirat eingetroffen. „Die Maßnahmen sind völlig unzureichend. Wir müssen etwas tun, sonst geht das in diesem Jahr wieder in die Hose. Und das wollen wir nicht verantworten”, so Jacob zu seiner Motivation. Für einen besseren Vorschlag hatte er Verkehrsgutachter Markus Otten angesprochen, der die Gegend mittlerweile wie seine Westentasche kennt. Seine Planungswerkstatt Bmo analysierte im Auftrag des Findorffer Beirats kürzlich den verkehrlichen Status Quo des Quartiers.

Konzept technisch und finanziell überschaubar

Der Diplomingenieur im Verkehrswesen und Städtebau baut bei seinem Konzept vor allem auf die abschreckende Wirkung der rotweißen „Spardosen”, und darauf, dass die Maßnahme kurzfristig und mit technisch und finanziell überschaubarem Aufwand umgesetzt werden könnte. Anders als bei den metallenen Pollern zum Schutz der Böschung und Bäume am Rande des Torfkanals, an deren Kosten sich die Beiräte Findorff und Schwachhausen mit insgesamt 10.000 Euro beteiligen sollen, sieht Jacob keinerlei Grund, warum die Stadtteile auch für die verkehrslenkende Beschilderung aufkommen sollten. „Der Freimarkt ist kein Stadtteilfest, sondern eine Veranstaltung, die Millionen von Menschen anzieht, und bei der viel Geld verdient wird”, so Jacob. Laut Otten könne man mit Kosten kalkulieren, „über die die Schausteller nur müde lächeln würden”.

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„Ganz klar – eine super Idee, die wir voll unterstützen”, kommentierte der Findorffer Verkehrssachbearbeiter David Natolino. Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass die Verbotszeichen „zu 85 Prozent” Wirkung zeigten. Für die ersten Freimarktstage prophezeite der Findorffer Polizeibeamte zwar „das übliche Chaos. Aber danach spricht sich schnell herum, dass es keinen Sinn hat, hier einen Parkplatz zu suchen.” Er könne für seine Revierleitung sprechen: „Wir werden das auf jeden Fall positiv mit dem Amt für Straßen und Verkehr kommunizieren.”

Laut Otten kann der Beirat gegenüber der Verwaltung mit dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme argumentieren. In den vergangenen Jahren hatte man dazu reichlich Erfahrungen gesammelt. Das Quartier, in dem bereits an normalen Tagen die Zahl der legalen Parkplätze noch nicht einmal für die Anwohner selbst reicht, kann die zusätzliche Belastung durch die Freimarktsbesucher nicht aufnehmen. „Wenn im Notfall die Feuerwehr kein Durchkommen mehr hat, dann ist die Verhältnismäßigkeit eindeutig gegeben.”

Der Ausschuss stimmte der Beschlussvorlage einstimmig und ohne Änderungswünsche zu. Vom Amt für Straßen und Verkehr wird eine Stellungnahme bis zum 4. Oktober erwartet.

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