Findorffer Beirat tagt am Mittwoch Unmut bei Eltern über fehlende Kita-Plätze

Findorff. Die Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren und die Anmeldesituation an Findorffer Schulen stehen auf der Tagesordnung des Findorffer Beirats, der am Mittwoch öffentlich tagt. Beide Themen sorgen zurzeit für reichlich Unmut im Stadtteil.
28.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Findorff. Der Stadtteil Findorff ist bei Familien sehr beliebt. Und das scheint eine Tatsache zu sein, die die Behörden, die für die Betreuung und die schulische Ausbildung der Kinder zuständig sind, völlig überrascht. Dies ist zumindest der Eindruck vieler Eltern aus dem Stadtteil. Die Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren und die Anmeldesituation an Findorffer Schulen stehen auf der Tagesordnung des Findorffer Beirats, der am Mittwoch öffentlich tagt. Beide Themen sorgen zurzeit für reichlich Unmut im Stadtteil.

Seit Monaten suchen die Elternvereine und die Spielplatzinitiative von der Corveystraße nach Mitteln und Wegen, ihr Angebot auf dem großen Spielplatz zu erhalten. Fest steht: Das marode gelbe Haus, das vor Jahrzehnten von Stadtgrün genutzt wurde, muss geräumt werden.

In ihrem Bemühen, durch eine Mischfinanzierung einen Neubau vor Ort zu errichten - geschätzte Kosten: 360000 Euro - müssen die Initiativen nun einen herben Rückschlag hinnehmen: Ihr Antrag auf Mittel der Stiftung Wohnliche Stadt wurde gerade abgelehnt. Der von der Sozialbehörde vorgeschlagene Umzug in das ehemalige Horthaus des Kinder- und Familienzentrums Augsburger Straße wird sowohl von den Eltern an der Corveystraße als auch von den Kita-Eltern kritisch gesehen - der Stadtteil-Kurier berichtete.

150 Anmeldungen für 27 Plätze

"Fakt ist: in Findorff besteht ein großer Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren", sagt Ellen Steinl aus dem Vorstand der Kindergartengruppe "Kieselknirpse". In diesem Jahr stünden im Stadtteil Findorff rund 150 Anmeldungen gerade mal 27 freien Plätzen gegenüber. Mit einem Neubau an der Corveystraße könnten auch neue Betreuungsplätze angeboten werden, so Ellen Steinl.

Mit einem Umzug in das Horthaus würden dagegen sogar Plätze blockiert, die KiTa Bremen dort zusätzlich einrichten könnte. "Das ist viel zu kurzfristig gedacht, aber Findorff braucht eine langfristige Lösung", appelliert die Initiativensprecherin. "Mit gerade einmal 13 Prozent ist Findorff noch weit entfernt von der Quote von 35 Prozent, die als Zielmarke anvisiert ist, sobald ab 2013 Eltern einen Rechtsanspruch auf U3-Betreuung haben." Sowohl der Umbau des Horthauses als auch die von Behördenseite in Aussicht gestellte Errichtung eines Containerbaus an der Corveystraße, der von der Spielplatzinitiative

genutzt werden könnte, generiere Kosten. Dieses Geld würden die Eltern viel lieber als Grundstock für den Neubau nutzen. Doch das scheint nicht so einfach. "Wir sind noch kein Stück weiter als vor Monaten, und haben immer noch keine konkreten Informationen, wie es weitergehen soll", so Ellen Steinl. Vor kurzem machten die Eltern und Kinder vom Corveyspielplatz ihren Ärger öffentlich: Sie zogen mit Transparenten ins Haus der Bürgerschaft und trugen ihr Anliegen der dort tagenden Sozialdeputation vor.

Für reichlich Frust sorgen zurzeit auch die Anmeldebescheide für Findorffer Schulanfänger. Das Ganztagsangebot an der Grundschule Augsburger Straße hatte dabei so viele Eltern überzeugt, dass die Schule über 20 Kindern eine Absage erteilen musste. Insgesamt 70 Kinder, davon fünf Kinder mit Förderbedarf in den Bereichen "Wahrnehmung und Entwicklung", werden zum kommenden Schuljahr in drei ersten Klassen aufgenommen. Damit sei die räumliche Kapazität der Schule ausgereizt, so Schulleiterin Andrea Drewes. Noch sei "Bewegung drin".

Die Schule baut derzeit ihre Warteliste ab und es konnten bereits einige Kinder nachrücken, weil andere ihren Schulplatz - etwa wegen eines Umzugs - nicht in Anspruch nehmen. Bei der Vergabe hätten die Kinder aus Findorff, die direkt der Grundschule zugeordnet sind, erste Priorität und hätten auch alle einen Platz bekommen, so die Schulleiterin. Alle übrigen Anmeldungen landen in einem Lostopf.

Eine Gruppe von Eltern kritisiert dieses Verfahren. "Es wurden Kinder aufgenommen, bei denen nur ein Elternteil berufstätig ist, während andere mit zwei berufstätigen Elternteilen sowie Kinder Alleinerziehender keinen Platz bekamen", sagt eine betroffene Mutter. Außerdem seien Kinder aus anderen Stadtteilen aufgenommen worden, während Findorffer Kinder eine Absage bekommen hätten. Alternativen für die Betreuung nach der Schule sehen die Eltern nicht: "Keiner von uns hat einen Hortplatz oder einen Platz an der VG-Plus in der Admiralstraße", sagt die Findorfferin. Man befürchte daher berufliche und finanzielle Konsequenzen.

Nicht aus Platzmangel, sondern aus Prinzip werden die Kinder mit Förderbedarf in den Bereichen "Lernen, Sprache, Verhalten" (LSV) in diesem Jahr nicht an der Oberschule Findorff angenommen - der Stadtteil-Kurier berichtete. Es sei "nicht nachvollziehbar, wenn ganz Findorff die Inklusion unterstützt, die Behörde aber kneift", findet man beim Ortsverband Findorff/Blockland der Linken.

Dieses Thema sowie die Versorgungssituation mit Kindergartenplätzen will die Linken-Fraktion in einer öffentlichen Fraktionssitzung für die Beiratssitzung vorbereiten. Die Linken laden dazu für morgigen Dienstag, 29. März, um 19 Uhr in die "Lilie", Hemmstraße 159, ein.

Die öffentliche Sitzung des Findorffer Beirats, an der auch Behördenvertreter teilnehmen werden, findet am Mittwoch, 30. März, um 19 Uhr im Gemeindesaal der Martin-Luther-Gemeinde in der Neukirchstraße statt.

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