Abfall und Schmuddelecken waren Thema

Beirat Findorff will wildem Müll Abfuhr erteilen

An vielen Stellen in Findorff liegt Müll herum. Das ist ein Problem, mit dem sich jetzt der Beirat beschäftigt hat.
23.09.2020, 17:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

„Darf man hier eigentlich seinen Sperrmüll einfach abladen?“, lautete die Frage. „Aber sicher. Das wird alles hier abgeholt“, antwortete der seriös wirkende Herr, der seelenruhig seinen sperrigen Hausrat vor den Sammelcontainern anhäufte und den Mitarbeiter der Stadtreinigung offensichtlich nicht als solchen identifizierte. Die Geschichte hat sich irgendwo in Bremen zugetragen. Es könnte auch in Findorff gewesen sein.

Schmuddelecken, erzeugt durch Unwissenheit, Gedankenlosigkeit oder bewusste Ignoranz gibt es hier auch. Ein Grund für den Findorffer Beirat, sich einen Abend lang mit dem Thema Abfall, Müll und Schrott zu beschäftigen. Dazu wurden Gäste eingeladen, die professionell für dessen Entsorgung zuständig sind, und Menschen, die privat und freiwillig nicht nur vor der eigenen Haustüre kehren.

Die Anekdote stammte von Kathrin Witte, Leiterin der Abteilung Abfallentsorgung und Stadtsauberkeit der Bremer Stadtreinigung (DBS). Das kommunale Unternehmen ist nicht nur für die wöchentlichen Abfuhren in den Straßen zuständig, sondern auch für den Abfall, der sich an 15 Recyclingstationen, in mehr als 200 Containerstandorten und rund 3500 Mülleimern im öffentlichen Raum ansammelt. Witte konnte bestätigen: Die Mitarbeiter haben tagtäglich mit Müll zu tun, der achtlos unterwegs weggeworfen wird, und mit illegalen Abfallhaufen im öffentlichen Raum. Containerstandorte, aber auch andere abgelegene Orte seien als „Hotspots“ beliebt. In Findorff – so hieß es aus Beirat und Publikum – kennt man das zu gut, unter anderem von den Containern am Findorffmarkt und an der Kastanienstraße, aber auch von diversen Ecken in den Kleingartengebieten. Sofern es sich um unerlaubte Müllablagerungen im öffentlichen Raum handelt, können Meldungen telefonisch unter 04 21 / 3 61 36 11 oder per Mail an info@dbs.bremen.de abgegeben werden. „Wir räumen dann hinterher auf“, so die DBS-Mitarbeiterin.

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Das tun auch Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil – seit fast 20 Jahren etwa beim jährlichen Großreinemachen „Bremen räumt auf“ oder in Schulprojekten wie der Kippen-Aktion der Oberschule Findorff im Frühjahr 2019. Eine ganze schwarze Tonne mit 90 Kilogramm Fassungsvermögen füllten die „Ploggerinnen“ von Patricia Herbst Woche für Woche: Vor zwei Jahren gründete die Inhaberin des Findorffer Frauen-Fitnessstudios „Patty’s Gym“ an der Münchener Straße ihren Kurs, der Fitness im Freien mit gemeinnützigem Engagement verbindet. Aktuell pausiere das „Plogging“ noch im Nachhall der Corona-Beschränkungen, „wir werden aber auf jeden Fall weitermachen“, so Herbst auf Nachfrage. Auch der Bewegung „Clean up your City“ liegen Stadtsauberkeit und Umweltschutz am Herzen, wie Kathrin Zeise dem Beirat berichtete. Sie gründete die Bremer Initiative vor zwei Jahren im Anschluss an eine Müll-AG in der Klimawerkstatt der Bremer Neustadt und trommelt seither über die sozialen Netzwerke Gleichgesinnte zum Aufräumen zusammen. In Findorff fand sie eine Kooperationspartnerin in der Umweltaktivistin Katarzyna Swendrowski, die im Stadtteil regelmäßig zum „Reste-Essen“ einlädt und dabei Lebensmittel verwertet, die zum Beispiel auf dem Findorffmarkt nicht mehr verkauft werden können. „Wir alle sind aufgefordert, Vorbilder zu sein“, erklärte Zeise. „Wenn wir irgendwann in der Mehrheit sind, haben die Müllsünder keine Chance“.

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Noch viel besser wäre es natürlich, wenn erst gar nicht so viel Müll anfiele. Ein Vorbild könnte man sich auch hier an ihr nehmen: Die hauptberufliche Werbetexterin strebt seit Jahren danach, nach dem Prinzip „Zero Waste“ privat so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. Nach Zahlen des Umweltbundesamts bricht die Masse an Verpackungsmüll in Deutschland jährlich neue Rekorde und übersteigt mittlerweile 226 Kilogramm pro Kopf und Jahr. „Es ist immer noch viel zu billig, Verpackungen herzustellen“, kritisierte BUND- Geschäftsführer Klaus Prietzel. Um die jährlich rund 350 000 Tonnen an Müll durch Einweggeschirr und Mehrwegverpackungen zu reduzieren, die laut BUND in der Gastronomie anfallen, hat der Bremer Landesverband mit Förderung des Bundesumweltministeriums das Projekt „Klimaschutz is(s)t Mehrweg“ gestartet, das Gastronomen in Bremen und Berlin motivieren soll, Alternativen zu finden.

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Die Klimazone Findorff schickte Teilnehmer vor Monaten in eine freiwillige „Gelbe-Sack-Diät“. Zurzeit bereitet der Verein das Projekt „Verpackung reduzieren, Mehrweg stärken“ vor, das unter anderem mit einer Aufklärungs- und Informationskampagne dazu beitragen soll, mit weniger Verpackungsmüll im Alltag auszukommen. Für die Kundinnen und Kunden der „Füllerei“ ist das kein Problem: Im Findorffer Unverpackt-Laden, der im Februar dieses Jahres an der Borgfelder Straße eröffnete, wird aus Prinzip auf Einweg-Verpackungen verzichtet. „Das wird super gut angenommen“, berichtete die Mitgründerin und Geschäftsleiterin Nora Osler.

Weil Information und ein stärkeres Bewusstsein für die Problematik offensichtlich auch in Findorff notwendig sind, regte der Beirat an, einen allgemeinen „Müll-Tag“ zu organisieren, der zum Beispiel im Schlachthof stattfinden könnte. Statt zu warten, bis andere hinterherräumen, so das Fazit von Ortsamtsleiterin Ulrike Pala, „muss jeder an sich selbst arbeiten“.

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Die Findorffer gehörten zu den ersten, die persönlich erfuhren, dass die Bremer Stadtreinigung bis auf Weiteres die Textilcontainer schließen wird – das Unternehmen führt zur Begründung Personalengpässe an, die auf die Arbeitsschutzrichtlinien unter Pandemiebedingungen zurückzuführen sind – der
WESER- KURIER berichtete. Altkleider können aber nach wie vor an den Recyclingstationen abgegeben werden. In diesem Zusammenhang bekräftigte der Findorffer Beirat die Notwendigkeit, die Station an der Kissinger Straße wieder vollumfänglich zu den gewohnten Zeiten und mit den gewohnten Zugangsmöglichkeiten zu öffnen. Die Fraktionen verständigten sich auf einen gemeinsamen Antrag, der den Verantwortlichen in Kürze zugestellt werden soll.

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