Horthaus an der Dresdener Straße Zukunft für Hort in Findorff ungewiss

Weil die Schülerzahlen an der Grundschule am Weidedamm steigen, können die Kinder aus dem Horthaus nicht dorthin in Container ausweichen.
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Von Anke Velten

Es war ein guter Plan. Das marode Horthaus an der Dresdener Straße würde abgerissen, die verbliebenen Hortgruppen übergangsweise in einen Mobilbau auf dem Gelände der Grundschule am Weidedamm ziehen, bis nach einigen Monaten ein solider und größerer Neubau stehen würde. All dies muss nun in der Wunschform formuliert werden – denn das Vorhaben ist in Frage gestellt. Für einen zusätzlichen Klassenverband benötigt die Grundschule selbst dringend die Container. Wie und wo künftig die Nachmittagsbetreuung stattfinden soll: Das weiß momentan noch niemand. Am Weidedamm steigt die Nervosität. Schulleitung, Hortkollegium, Eltern und Stadtteilpolitiker erwarten von der Behörde schnelle Antworten.

Aus gegebenem Anlass hatte sich der Findorffer Bildungsausschuss im besagten Horthaus getroffen, und konnte dort mit eigenen Augen den Handlungsbedarf sehen. Das Gebäude in einfacher Holzrahmenbauweise aus der ersten Hälfte der 1990er-Jahre hat sein Haltbarkeitsdatum längst überschritten. Vorgesehen war ursprünglich eine Nutzungsdauer von fünf Jahren, wie Dirk Sommer erklärte. Bereits vor Jahren habe Immobilien Bremen – zuständig für die städtischen Liegenschaften – festgestellt, dass das Haus „abgängig“ sei. „Alles ist rott“, lautete das Fazit des Regionalleiters von Kita Bremen.

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Bereits im Frühjahr 2016 hatte er dem damaligen Bildungsausschuss erste Pläne für einen Neubau an der Dresdener Straße vorgestellt. Kita Bremen, Träger der städtischen Kindertagesstätten, stellte sich dort ein zukunftsfähiges multifunktionales Gebäude vor. Das hieße: In dem Neubau könnten zunächst vier neue Kita-Gruppen und fünf Hortgruppen nebeneinander betreut werden. Als Horteinrichtung solle das Haus so lange genutzt werden, bis die Grundschule am Weidedamm eine Ganztagsschule geworden sei. Vorgesehen sei das laut Bildungsbehörde zum Jahr 2025. Danach könnten die überflüssigen Horträume für den Ganztagsbetrieb der Schule genutzt werden.

„Wir schweben im Ungewissen“

Noch Anfang vergangenen Jahres bekräftigte Sommer die Planungen. Damals gingen die Projektverantwortlichen noch davon aus, dass der Neubau im Sommer 2019 beginnen und ein Jahr später fertiggestellt werden würde. Die Hortkinder würden in der Übergangszeit in den neuen Mobilbauten auf dem Schulhof betreut.

„Wir schweben im Ungewissen. Die Frage, ob der Hort weiter besteht, steht nun offen im Raum“, lautete der ernüchternde aktuelle Stand des Vertreters von Kita Bremen. Wiebke Meyer, Rektorin der Grundschule am Weidedamm, lieferte die Begründung: Mit Blick auf die Zahl der Kinder, die im kommenden Schuljahr eingeschult werden, hatte die Bremer Schulaufsicht jetzt im Herbst die Notwendigkeit eines zusätzlichen Klassenverbandes angemeldet. Laut Behörde könne diese neue Klasse nur am Weidedamm untergebracht werden, so Meyer. Im Schulgebäude selbst sei jede Räumlichkeit ausgereizt. Daher gebe es keine andere Möglichkeit, als den neuen Klassenraum in der zweiten Containerebene einzurichten, der eigentlich für die Hortkinder vorgesehen war. „Ich bin darüber nicht glücklich“, betonte Meyer, „aber es muss sein.“ Das Problem: Wann der zusätzliche Mobilbau kommen werde, darüber habe die Schule keinerlei Informationen. „Wir brauchen jetzt konkrete Planungen, damit wir das bis zum Sommer alles schaffen“, lautete der Appell der Schulleiterin.

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Das sei zumindest so vorgesehen, heißt es auf Nachfrage aus der Bildungsbehörde. Nach ersten Gesprächen mit Immobilien Bremen scheine eine termingerechte Fertigstellung im Laufe der kommenden Sommerferien möglich zu sein, sagt Sprecherin Annette Kemp. „Sollte sich diese Einschätzung in den ersten Wochen in 2020 nicht bestätigen, muss ein alternatives Konzept überlegt werden.“ Das werde „zugegebenermaßen schwierig. Aber wir haken regelmäßig nach“.

Die vorläufigen Zahlen besagen, dass in sämtlichen Findorffer Grundschulen die Zahlen der Anmeldungen die verfügbaren Plätze in den ersten Klassen deutlich übersteigen. In der Augsburger Straße fehlen zehn Plätze, an der Admiralstraße 13 Plätze. Am größten ist der Überhang am Weidedamm: In der eigentlich zweizügigen Grundschule wurden 69 Kinder angemeldet, die nun auf drei erste Klassen verteilt werden. Hortleiterin Kathi Andae geht davon aus, dass mit den neuen Kindern auch der Bedarf an Nachmittagsbetreuung steigen wird: „Erfahrungsgemäß melden rund zwei Drittel der Eltern ihre Kinder im Hort an.“ Bei bislang 100 Plätzen bedeute das, dass für Kinder aus den höheren Jahrgängen die Chancen auf einen Hortplatz sinken.

„Existenzgefährdend“

Dramatisch und existenzgefährdend sei die Situation für alle Eltern, die auf die Betreuungsplätze angewiesen seien, mahnte Schulelternsprecher Oke Oldenburg. Für viele Eltern – vornehmlich Mütter – hieße das, „das war‘s dann mit dem Arbeitsleben“. Es sei allerdings nicht nur damit getan, für das kommende Schuljahr eine Lösung zu finden. „Es reicht nicht, einen neuen Container aufzustellen. Der Bedarf an Betreuungsplätzen wird in Zukunft immer weiter steigen. Wir brauchen daher eine langfristige Lösung.“ Die Schule brauche den Hort, beides gehöre eng zusammen, bestätigte auch Schulleiterin Meyer.

Der Findorffer Bildungsausschuss wird die Bildungssenatorin nun auffordern, umgehend dafür zu sorgen, dass der benötigte weitere Mobilbau für die zusätzliche Klasse am Weidedamm rechtzeitig geliefert und eingerichtet wird. Außerdem erwarten die Stadtteilpolitiker die Aufstockung der personellen und räumlichen Kapazitäten für die Nachmittagsbetreuung. In den kommenden Wochen wollen sie sich mit einem Konzept für die zukünftige Entwicklung des Bildungsstandorts am Weidedamm beschäftigen. Dazu gehört, mögliche Ausweichstandorte für den Hort zu prüfen.

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