Tura Bremen

125 Jahre den Stadtteil bewegt

Der Turn- und Rasensportverein (Tura) Bremen bewegt den Stadtteil Gröpelingen seit 125 Jahren. Grund genug für eine Rückschau.
17.10.2019, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
125 Jahre den Stadtteil bewegt

Ekkehard Lentz, Dirk Bierfischer und Gerd Schweizer von Tura Bremen.

Frank Thomas Koch

Der Turn- und Rasensportverein (Tura) Bremen bewegt den Stadtteil Gröpelingen seit 125 Jahren, und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Der Verein bietet körperliche Bewegung in allen Formen für Jung und Alt, er bewegt aber auch den Stadtteil, indem er sich in die Lokalpolitik einmischt.

Da war zum Beispiel das Jahr 2006. „Als im Jahre 2006 die NPD einen Marsch durch Gröpelingen plante, war Tura einer der Hauptakteure, die das verhindert haben“, sagt Ekkehard Lentz, Pressesprecher bei Tura Bremen. „Aktuell setzt sich Tura aber zum Beispiel auch für das Westbad ein – wir haben uns immer auf die Seite der Badnutzer gestellt und wollten eine Verkleinerung des Westbades verhindern“, sagt Lenz.

Tura feiert sein 125-jähriges Bestehen, doch auch die Bremer Volkshochschule hat ein Jubiläum zu feiern: Sie wird 100 Jahre alt und bietet deshalb in 113 Lernsalons die Gelegenheit, kostenlos eine breite Palette von Wissensgebern kennenzulernen. Dazu gehören zum Beispiel Filmemacher und Gärtner, Songtexter oder Senatoren, und nicht zuletzt auch der Verein Tura Bremen. Über die Geschichte von Tura wird der sportliche Leiter Gerd Schweizer im Vereinszentrum in einem Vortrag berichten.

Dort ist vor kurzem eine Ausstellung über den ehemaligen Weltklasse-Torwart Bert Trautmann zu Ende gegangen, eines der bekanntesten Tura-Mitglieder. Er begann beim Verein mit dem Fußballspielen, schloss sich in der Zeit des deutschen NS-Regimes zunächst der Hitlerjugend an und meldete sich freiwillig bei der Wehrmacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Bert Trautmann jedoch für die Aussöhnung mit England, in dem Land, in dem seine Karriere als Torwart den Höhepunkt erreicht hatte. „Der Film ,Trautmann‘ kam im März in die deutschen Kinos und wird im nächsten Jahr auch im Fernsehen gezeigt, er erzählt die bewegende Geschichte des Keepers nach“, sagt Ekkehard Lentz.

Als Arbeitersportverein, der im Jahre 1894 gegründet wurde und erst nach Kriegsende den heutigen Namen annahm, wurde der Verein Tura Bremen in der Nazizeit verboten, und erst nach der Schließung der AG Weser in den 1980er Jahren hat sich Tura zum Mehrsparten-Großverein entwickelt.

Mitte der 1990er Jahre wurde daraus ein Gesundheitssportverein, in dem heute Fitness, Fußball und die Kanuabteilung in Bremen-Nord die drei größten Sparten bilden. Im Leistungsbereich spielt Taekwondo eine große Rolle, „nicht zuletzt, weil wir mit Imke Turner eine Europa- und Weltmeisterin dabei haben“, sagt Ekkehard Lentz. Die Angebotspalette reicht alphabetisch von Badminton, Boule und Boxen bis zu Tischtennis, Turnen und Volleyball, und mit rund 3 000 Mitgliedern gehört Tura zu den größten Vereinen in Bremen überhaupt.

Der Gesundheitsbereich spielt heute für Tura eine herausragende Rolle. „Die Leute merken es selbst, wenn sie gesundheitliche Beeinträchtigungen haben und kommen zu uns“, sagt Ekkehard Lentz, „und ein Fitness-Studio ist bei uns keine Mucki-Bude, in der nur Muskeln aufgebaut werden, sondern bietet ein ganzheitliches Training an.“ Dazu gehören zum Beispiel auch eine Ernährungsberatung und ein persönliches Coaching.
Im Stadtteil pflegt Tura eine gute Kooperation mit Ärzten: „In den Praxen liegen zum Beispiel unsere Flyer mit den Kursangeboten aus“, sagt Ekkehard Lentz, und wer will, kann bei Tura auch die eigene Gesundheitswerkstatt besuchen.

„Sportvereine stellen heute wichtige soziale Stabilisatoren dar, die zum Beispiel Integrationsarbeit leisten“, sagt Lenz, „denn die Gesellschaft individualisiert sich immer weiter und bricht teilweise auch auseinander.“ Deshalb sei es wichtig, dass auch junge Leute zu Tura kommen, und dies gelinge nur, wenn man auch neue Sportarten anbietet, die den Wünschen Jugendlicher entgegen kommen.

Auf Seiten der Trainer müsse sich der Verein bemühen, Angebote mit hoher Kontinuität zu schaffen, „und das ist in einer Zeit, in der im Berufsleben Mobilität und Flexibilität herrschen, nicht immer ganz einfach“, sagt Ekkehard Lentz.

Der Vortrag von Gerd Schweizer, Sportlicher Leiter von Tura Bremen, findet am Dienstag, 22. Oktober, 19 bis 21 Uhr, im Vereinszentrum von Tura, Bert-Trautmann-Platz/Lissaer Straße 60, statt. Anmeldungen zu einem Lernsalon der VHS Bremen sind unter Telefon 361 12345, Montag bis Freitag, 7 bis 18 Uhr, oder online unter www.vhs-bremen.de möglich.

Ab Mittwoch, 23. Oktober, dem 96. Geburtstag von Bert Trautmann, wird die 14 Tafeln umfassende Ausstellung über den Weltklasse-Keeper im Rahmen der „Universität der dritten Generation“, Am Wall 179-181 (Awo-Konferenzsaal) gezeigt. Bei der Vernissage um 17 Uhr informiert Ekkehard Lentz über Trautmanns Bremer Ursprünge und seine sportliche Karriere.

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