Gründerin und Direktorin verabschiedet Abschied nach zehn bewegten Jahren

Sabine Jacobsen, Mitbegründerin und Direktorin der Neuen Oberschule Gröpelingen, hat für ihre Schule in den vergangenen zehn Jahren viel bewegt. Nun hat sie sie in neue Hände übergeben.
12.07.2019, 18:49
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Abschied nach zehn bewegten Jahren
Von Anne Gerling

Gröpelingen. Lange überlegen musste Sabine Jacobsen nicht, als vor nunmehr zehn Jahren Bremens damalige Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper an sie herantrat, um sie als Gründungsbeauftragte für eine neue Oberschule in Gröpelingen anzuwerben. „Ich hatte Lust auf diese Herausforderung. Den Gründungsauftrag zu bekommen, war für mich ein großer Vertrauensbeweis“, erzählt Jacobsen und fügt hinzu: „Ich bin sehr dankbar, dass Renate Jürgens-Pieper uns und dem Stadtteil das ermöglicht hat.“

Zehn Jahre später hat Sabine Jacobsen „ihre“ Schule – die Neue Oberschule Gröpelingen oder auch NOG – nun in die Hände von Nachfolgerin Martina Semmler übergeben: Im Rahmen der Altersteilzeit hat die 63-Jährige sich freistellen lassen, bis sie in zwei Jahren in Pension geht. Sie kann auf interessante und erfüllte Jahre im Schuldienst zurückblicken, der für sie am 1. Februar 1983 an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Brinkum in Niedersachsen begann. Von dort aus ging es nach Delmenhorst, wo Jacobsen einst die Integrierte Gesamtschule (IGS) mit aufgebaut hatte. Ab 2007 war sie stellvertretende Schulleiterin der Wilhelm-Focke-Oberschule in Horn-Lehe, wo Jürgens-Pieper sie schließlich ansprach. Wie das kam? „Sie kam ja aus Niedersachsen und wusste von dort, für welches Gesamtschulmodell ich stehe“, sagt Jacobsen. Und auch ihr 2012 verstorbener Lebensgefährte Matthias Feuser, der damals in der Bildungsbehörde tätig war, habe daran einen großen Anteil gehabt.

Gemeinsam mit Kollegin Elke Wolf-Rooney machte sich Sabine Jacobsen also ans Werk: Die beiden scharten motivierte Kollegen wie den im Stadtteil bestens vernetzten Türkischlehrer Sinan Erdogan um sich und erarbeiteten ein Konzept. Im Direktorinnen-Büro hängt bis heute gut sichtbar das Papier, auf dem die Merkmale einer guten Schule aufgelistet sind: Unterrichtsqualität, hohe Leistungserwartung, Umgang mit Vielfalt, Schüler und Eltern in Verantwortung, positives Schulklima und außerschulische Partner. „Das ist die Basis. Da steckt ganz viel von meinem Studium an der Uni Oldenburg drin, das mich geprägt hat“, sagt Jacobsen. Regeln gebe es nur wenige, aber wichtige: „Kein Käppi, kein Kaugummi und Hausschuhe an. Damit ist die Grundlage der Akzeptanz da, auf der kann man aufsetzen. Das funktioniert: Unsere Besucher werden begrüßt und gefragt, wo sie hinwollen.“

Die Jury des Deutschen Schulpreises wählte die NOG 2018 unter die Top 20 und auch die Inklusion läuft. Jacobsen hat ein System gefunden, um eine Doppelbesetzung – also Unterricht durch je zwei Fachkräfte – irgendwie zu ermöglichen. Es könnte aber besser sein, sagt sie: „Wir haben in einem Jahrgang 15 Kinder mit anerkanntem Förderbedarf im Bereich Lernen, Sprache, Verhalten – kurz: LSV – und dazu 15 Sprachanfänger, die erst vor kurzem Deutsch gelernt haben und nun so im Unterricht mitlaufen. Ich würde mir wünschen, dass auch der Sprachlernbedarf dieser Kinder als Förderbedarf anerkannt würde und es jeweils drei Stunden dafür gibt. Dann würde man dem Stadtteil gerechter werden.“

Als im Sommer 2010 die ersten 110 Mädchen und Jungen an der Neuen Oberschule Gröpelingen eingeschult wurden, sei sie positiv aufgeregt gewesen, so Jacobsen: „Ich war voller Elan und Vorfreude und durch meine vorherigen Tätigkeiten, unter anderem als stellvertretende Schulleiterin, kannte ich alle Bereiche von Schule.“

Aus den 13 Lehrern der ersten Stunde ist ein Kollegium mit mehr als 90 Personen geworden und auch die Schülerzahl ist gestiegen. Rund 540 Kinder und Jugendliche besuchen die NOG. Nach den Ferien werden wieder 80 neue Fünftklässler eingeschult und soeben haben 85 Zehntklässler die Schule verlassen. Elf von ihnen haben bereits einen Ausbildungsvertrag und 35 eine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe.

„Das ist eine super Zahl“, freut sich Jacobsen und verweist auf ihre Jahrgangsleiter – in diesem Fall Dirk Brandes – und deren gute Arbeit: „Sie schaffen es, zu den Schülern Beziehungen herzustellen. So ist aus einer Handvoll von Schülern mit Gymnasial-Empfehlung, die wir aus der Grundschule übernommen haben, ein gutes Drittel des Jahrgangs geworden.“ Überhaupt, die Kollegen: „Die gute Stimmung im Team, das hat die Schule getragen. Die Kollegen sind immer gerne hergekommen und haben sich den Herausforderungen gestellt.“

Das gilt auch für die scheidende Direktorin, wie ihr ihre Schüler nun bescheinigt haben: „Sie waren immer nett und man konnte immer zu Ihnen kommen“ ist zum Beispiel in einem der Schüler-Abschiedsbriefe zu lesen. Unter den Schülern, die sich vor den großen Ferien sehr emotional von Jacobsen verabschiedet haben, waren auch einige der allerersten Fünftklässler von 2010, die soeben ihr Abitur bestanden haben – und zwar am Rübekamp, dessen gymnasialer Oberstufe die NOG seit drei Jahren zugeordnet ist. Das läuft gut – wäre es aber nach Sabine Jacobsen gegangen, so gäbe es an der NOG heute auch die Jahrgänge elf bis 13. Trotz ihrer Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit nämlich hat sie vergeblich um eine eigene gymnasiale Oberstufe gekämpft. Noch sei die Sache in der Behörde aber nicht vom Tisch, sagt sie: „Was ich mir von der Politik wünsche, wäre ein Statement. Dass man sagt: Hier in Gröpelingen haben wir eine gymnasiale Oberstufe.“ Dies sei auch Stadtteilentwicklung, ist Jacobsen überzeugt: „Für Eltern spielt Schule immer eine Rolle und sie wünschen sich den bestmöglichen Abschluss für ihr Kind. Bei der Wahl des Wohnortes spielt es deshalb auch eine Rolle, welche schulischen Angebote es vor Ort gibt.“

Seit ihrer Gründung ist die NOG beständig aus- und weitergebaut worden – ganz abgeschlossen ist der Sanierungsprozess zu Jacobsens Leidwesen allerdings noch immer nicht. Die sechs Jahrgangshäuser seien aber jeweils rechtzeitig fertig gewesen, betont sie: „Die Kinder waren immer in neuen Räumen, dafür hat Immobilien Bremen gesorgt. Und bei unserem pädagogischen Konzept – dem offenen Raumkonzept mit großen Fenstern vom Flur zu den Klassenzimmern – hat man uns keine Steine in den Weg gelegt.“ Gerade wird die Aula zur Mensa umgebaut und an der Ecke Ernst-Waldau-Straße / Humannstraße lässt sich erahnen, wie eines Tages der neue Eingangsbereich aussehen könnte, mit dem die Schule sich deutlich zum Stadtteil hin öffnen wird. Denn eine Stadtteilschule sollte die NOG sein und sich mit anderen Einrichtungen vernetzen, das war Sabine Jacobsen stets wichtig. Unter anderem arbeitet die NOG eng mit der Grundschule an der Humannstraße zusammen, die seit zwei Jahren gleich nebenan heranwächst. „Es bewegt sich viel, der Campus war mein letztes Projekt“, sagt Jacobsen, deren Energie ab jetzt eine andere Richtung nimmt. Unter anderem möchte sie endlich wieder mehr Klavier spielen.

Info

Zur Sache

Campus Gröpelingen

Die Sympathie war von Anfang an groß. Und so haben sich schon vor einiger Zeit die 2010 gestartete Neue Oberschule Gröpelingen (NOG) und die 2017 eröffnete Grundschule an der Humannstraße gleich nebenan auf den Weg gemacht, um zu einem Schul-Campus zusammenzuwachsen. „Im Sinne der besseren Übergänge ist es gut, so eng zusammenzuarbeiten“, sagt dazu die scheidende NOG-Direktorin Sabine Jacobsen. Seit Ende Mai steht fest, wie der neue Schul-Komplex heißen soll: Campus Gröpelingen – als ein klares und schnörkelloses Bekenntnis zum Standort. Seit im vorigen Sommer der Zaun zwischen den beiden Schulen entfernt worden ist, hat sich über den Schulhof hinweg ein reger Austausch entwickelt. In diesem Sommer tut sich baulich auf dem Areal nun noch mehr: Hinter der NOG entsteht gerade ein Übergangsgebäude, in das die Grundschüler nach den Sommerferien einziehen werden. Zum Sommer 2022 soll die Grundschule dann einen Neubau mit Mensa und Turnhalle bekommen. Die Sanierung der NOG wiederum soll 2020 abgeschlossen sein.

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