Mobile Sporthalle

Behörde denkt über Alternativen nach

Der Aufbau einer mobilen Turnhalle in Oslebshausen zum kommenden Schuljahr gelingt nicht: So hat es das Bildungsressort Mitte Februar mitgeteilt. Nun wurde in der Bürgerschaft über dieses Thema debattiert.
27.02.2019, 17:15
Lesedauer: 3 Min
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Behörde denkt über Alternativen nach
Von Anne Gerling
Behörde denkt über Alternativen nach

Als Übergangslösung für Sportvereine und den Schulsport im Bremer Westen hat der Grünen-Abgeordnete Mustafa Öztürk vorgeschlagen, auf Zelte zurückzugreifen, die – wie hier in Oberneuland – für Flüchtlinge benötigt worden waren und nun eingelagert seien.

Petra Stubbe

Rund zwei Millionen Euro stehen bereit, der Sportverein Grambke-Oslebshausen (SVGO) hat Platz auf seinem Grundstück an der Sperberstraße zur Verfügung gestellt und der Senat grünes Licht gegeben. Außerdem gibt es sogar einen Anbieter, der innerhalb von 24 Wochen die für den Schul- und Vereinssport im Bremer Westen dringend benötigte mobile Turnhalle aufbauen könnte. Wie kann es sein, dass diese Halle nun aber trotzdem nicht bis zum kommenden Schuljahr errichtet werden soll? Diese Frage brennt Kristina Vogt, Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, so sehr auf den Nägeln, dass sie für Dienstag eine aktuelle Stunde zum Thema beantragt hatte, bei der es zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch zwischen Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) und Abgeordneten verschiedener Parteien kam.

Ist fehlendes Personal schuld?

„Wenn der Auftrag jetzt rausgeht, dann könnte die Halle im Sommer stehen“, unterstrich dabei Vogt, „das einzige was fehlt, ist ein Bildungsressort, das sich ausreichend kümmert.“ Vogts Verdacht: Die Personaldecke in der Liegenschaftsabteilung im Bildungsressort und bei Immobilien Bremen (IB) ist zu dünn, um das Projekt auf den Weg zu bringen und zu betreuen. In einer Sitzung der Fachausschüsse für Bau und Bildung hatte es nämlich kürzlich geheißen, dass erst noch Schulbau-Projekte auf den Weg gebracht werden müssten, bevor man sich um die mobile Halle kümmern könne. In Vogts Augen ein Unding: „Wir haben mehrfach angemahnt, dass man sich anders aufstellen muss. Jetzt können sie nicht mal beschlossene und finanzierte Projekte realisieren, obwohl sogar eine Firma ihnen die meiste Arbeit abnehmen würde. Das finde ich peinlich und bitter für die Menschen vor Ort. Wir sprechen hier über Bremens ärmsten Stadtteil, und gerade da wird bereits seit Jahren kein Sportunterricht nach Stundentafel statt.“

„Das Ziel muss sein, die Halle schnellstmöglich zu errichten“, sagt auch Peter Zenner (FDP), der kritisiert, dass der Sport in Bremen seit Jahrzehnten nicht den Stellenwert habe, den er verdiene. Schließlich sei Sport ein wesentlicher Faktor in Sachen Gesundheitsvorsorge und erfülle außerdem eine wichtige Funktion bei Inklusion und Integration. Die Mobilhalle müsse noch in diesem Jahr kommen, fordert auch Mustafa Öztürk (Grüne) – allerdings mangele es an Fachunternehmen, „die solche Hallen mal eben aufstellen.“ Öztürk regt deshalb an, auf die Zelte zurückzugreifen, die für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt worden waren und nun eingelagert sind. Dies sei vorübergehend seiner Ansicht nach vertretbar, so Öztürk: „Denn wenn in einem Gebiet mit diesen Sozialindikatoren auch noch der Schulsport zusammenbricht, dann haben wir ein akutes Problem.“

CDU bemängelt fehlende Strategie

Die CDU fordere seit Jahren ein Kataster zum baulichen Zustand der Sporthallen, unterstrich Marco Lübke (CDU): „Wir brauchen ja erst mal eine Strategie.“ Sein Fraktionskollege Heiko Strohmann, der zugleich SVGO-Präsident und deshalb mit dem Thema bestens vertraut ist, wirft dem Bildungsressort schwere Versäumnisse vor. So sei der vom Verein und dem Gröpelinger Beirat eingebrachte Vorschlag, bei SVGO eine mobile Halle aufzustellen, zunächst von der Behörde ignoriert worden. „Wir hätten die Halle schon haben können“, ist er überzeugt.

Claudia Bogedan (SPD), Senatorin für Kinder und Bildung, sieht die Sache anders. Auch nach Ansicht ihres Ressorts sei eine Mobilhalle eine gute Alternative, sagt sie – genau deshalb habe man solch ein Vorhaben schließlich auch prüfen lassen. Dass es kurzfristig mit dem Aufbau nicht klappe, liege aber nicht an mangelndem Personal. Vielmehr habe die Prüfung durch IB diverse Fragen aufgeworfen. So müssten verschiedene Punkte zur Ausschreibung und dem Vergabeverfahren geprüft werden und Fragen zu Stromversorgung und Umkleideräumen geklärt werden. Erst seit dem 7. Februar sei klar, dass dies nicht innerhalb von sechs Monaten erledigt werden könne. „Seitdem“, so Bogedan, „denken wir über Alternativen nach. Darüber spreche ich aber erst dann, wenn es konkret wird." Außerdem wolle man das Thema mobile Halle für das kommende Jahr weiterverfolgen.

Stück für Stück werde man Engpässe abbauen, wenn in diesem Sommer die Hallen an der Alwin-Lonke-Straße und an der Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG) fertig würden. Anschließend kämen die Halle der Grundschule an der Oslebshauser Heerstraße und an der Oberschule Ohlenhof dran, so Bogedan weiter, die außerdem den unterschwelligen Vorwurf nicht im Raum stehen lassen wollte, sozial benachteiligte Stadtteile seien der Regierung nicht wichtig. Hierzu unterstrich die Senatorin: „Alle Maßnahmen, die wir bildungspolitisch unternommen haben, dienten der Verbesserung in Stadtteilen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Das war eine ‚Lex Gröpelingen’ und eine ‚Lex Blumenthal’.“

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