Perspektive Arbeit Saubere Stadt

Die Pass-Spielplatzpfleger verabschieden sich

130 Langzeitarbeitslose haben iseit 2018 über das Programm „Perspektive Arbeit Saubere Stadt“ einen neuen Lebensrhythmus gefunden und wertvolle Arbeit geleistet. Bis Herbst 2021 laufen diese Stellen nun aus.
29.06.2020, 05:26
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Die Pass-Spielplatzpfleger verabschieden sich
Von Anne Gerling
Die Pass-Spielplatzpfleger verabschieden sich

Wo sie auftauchten, freuten sich Anwohner, Kinder und Eltern: Igor Ruff (v.l.), Vladimir Jakobi, Shaher Khezan und Heiko Gracz von der Pass-Kolonne der Bremer Maulwürfe.

Roland Scheitz

„Sauber halten“ hat jemand mit Kreide auf die Gehwegplatten gleich am Eingang zum Spielplatz an der Adelenstraße geschrieben – und zwar in Schönschrift. Ein Aufruf, den Igor Ruff, Vladimir Jakobi, Shaher Khezan und Heiko Gracz nur unterstützen können. Denn sie wissen, wie viel Müll täglich auf Bremens Spielplätzen liegen bleibt: Zwei Jahre lang haben die Vier gemeinsam mit weiteren vier Kollegen bei den Bremer Maulwürfen mit dafür gesorgt, dass es auf besonders stark besuchten Spielplätzen immer schön sauber und ordentlich aussieht.

Bei der JUS Jugendhilfe und Soziale Arbeit – Bremer Maulwürfe leisten straffällige Jugendliche Sozialstunden ab, indem sie gemeinsam mit Handwerksmeistern und Pädagogen stadtweit 52 Spielplätze pflegen. Manche besonders stark besuchte Plätze brauchen aber besonders viel Zuwendung – etwa der Liegnitzplatz im Lindenhof, der Platz an der Adelenstraße und der Greifswalder Platz – der gerade komplett umgestaltet wird – im Ohlenhof-Quartier oder auch die Spielplätze an der Davoser Straße in Osterholz und an der August-Bebel-Allee in der Vahr.

Hier kam seit Juli 2018 regelmäßig das Pass-Team zum Einsatz, um zusätzlich für noch mehr Sauberkeit und Pflege zu sorgen. Die Abkürzung Pass steht für „Perspektive Arbeit Saubere Stadt“ – ein vor zwei Jahren gestartetes Förderprogramm der Stadt, über das Langzeitarbeitslose sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden konnten, um sie darüber wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Wo auch immer die Fahrradkolonne der Spielplatzpfleger morgens um halb acht auftauchte, da freuten sich Anwohner, Eltern und Kinder. Denn das Team hat mit Ausdauer Sandkästen geharkt, Wege sauber gemacht, so manchen Zigarettenstummel aufgesammelt und säckeweise Müll weggeschafft.

Am Dienstag, 30. Juni, rückt die Pass-Kolonne der Maulwürfe nun zum letzten Mal aus: Ihre Stellen laufen zum 30. Juni aus. Sie hätten den Job gerne weitergemacht, sind sich alle im Team einig. Die Kollegen, mit denen sie sich vor Dienstbeginn jeden Morgen im Büro auf einen Kaffee getroffen haben, werden ihnen fehlen. Sie und ihre gute Arbeit wiederum werden in den Stadtteilen fehlen – gerade jetzt im Sommer, wo es viele Kinder und deren Eltern hinaus auf die Spielplätze zieht. Bleibt also zu hoffen, dass die Lücke, die mit dem Wegfall dieser Stellen entsteht, bald geschlossen werden kann.

130 Pass-Stellen gab es insgesamt, auch bei neun weiteren Trägern laufen sie bis Herbst 2021 aus – etwa bei der Gröpelinger Recycling Initiative (GRI), die unter anderem mit dem Quartier-Service dafür sorgt, dass es auf den Straßen und auf verschiedenen Spielplätzen sauber ist. Zehn Stellen werden dort laut Betriebsleiter Heiko Fritschen bis Ende diesen Jahres wegfallen. Bei der GRI sind ihm zufolge inzwischen 70 Stellen für eine öffentlich geförderte Beschäftigung über Bundesmittel geschaffen worden, davon etwa zehn beim Quartier-Service. „In den Stadtteilen können alle Tätigkeiten, mindestens in dem Umfang, auch fortgeführt werden“, sagt Kai Stührenberg, Sprecher des Arbeitsressorts.

Die ehemaligen Pass-Mitarbeiter allerdings können sich auf diese sogenannten 16 i-Stellen (nach Paragraf 16 i, Zweites Sozialgesetzbuch) nicht bewerben: Voraussetzung für die neuen Fünf-Jahres-Verträge ist, dass man zuvor drei Jahre lang arbeitslos gemeldet war.

Eine Art kleine Erfolgsgeschichte war PASS wiederum bei der Bremer Straßenbahn AG. Von den dort beschäftigten 43 Mitarbeitern, deren Stellen nun ebenfalls auslaufen, werden Sprecher Andreas Holling zufolge 24 im Unternehmen bleiben – die Hälfte davon geht in den Fahrdienst.

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