Sicherheitspartnerschaft Gröpelingen

Ein Stadtteil im völlig neuen Lichte

„Mehr Licht“ heißt eine der Aufgaben, die sich die Sicherheitspartnerschaft Gröpelingen vorgenommen hat. Was in dieser Hinsicht möglich ist, zeigt ein farbenfroher Impuls an unerwarteter Stelle.
01.12.2019, 20:39
Lesedauer: 4 Min
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Ein Stadtteil im völlig neuen Lichte
Von Ralf Michel
Ein Stadtteil im völlig neuen Lichte

"Lust auf Licht machen" will Michael Batz. Am Beispiel des Umspannwerks in Gröpelingen zeigt der Lichtkünstler, was in dieser Hinsicht möglich ist.

Christina Kuhaupt

In Gröpelingen gibt es viele dunkle Ecken. Das Umspannwerk in der Goosestraße gehört normalerweise dazu. Aber nicht an diesem Abend. Da erstrahlt die Anlage des Energieversorgers SWB in bunten Farben. Fast wie ein Kunstwerk kommt sie rüber und genau das ist mit dieser Inszenierung auch gewollt. „Zeigen, was man mit Licht alles machen kann“, will Michael Patz, seines Zeichens Lichtkünstler und außerdem für die Oberbaudirektion Hamburg als Lichtberater tätig.

Das Thema Licht spielt eine wichtige Rolle in den Überlegungen der Sicherheitspartnerschaft Gröpelingen. Vor allem als Faktor für das Sicherheitsempfinden der Bürger, für die Aufenthaltsqualität und die Wohlfühlatmosphäre im Quartier. Und dort, da sind sich die Akteure vor Ort einig, gibt es Nachbesserungsbedarf in Gröpelingen. Vor allem an der Gröpelinger Heerstraße und im Bereich von Liegnitz- und Lindenhofstraße.

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„Doch nicht nur die öffentliche Straßenbeleuchtung sorgt für mehr Aufenthaltsqualität, auch Anlieger und Geschäftsinhaber können beispielsweise durch die Beleuchtung ihrer Hausfassaden viel zu einer angenehmere Atmosphäre beitragen“, sagt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), auf dessen Betreiben die Sicherheitspartnerschaft in Gröpelingen ins Leben gerufen wurde.

Genau diesen Gedanken greift die Aktion von Michael Patz auf. „Was Schönes zum Anfang ist gut“, sagt der Lichtkünstler und verweist auf Erfahrungen aus anderen Städten. Wer Verständnis und Mitstreiter für ein solches Projekt suche, dürfe nicht mit den harten Details und Kosten beginnen, sondern müsse einen Impuls geben. „Lust auf Licht machen“, nennt das Batz. Zeigen, was mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich ist. Die bunten Kräne auf der Baustelle des Citygates am Bremer Hauptbahnhof im vergangenen Jahr seien ein Beispiel dafür.

Oft reicht schon ein einzelner Akzent

Was in Gröpelingen möglich wäre, zeigt Michael Batz anhand einiger Beispiele. Ein Bild auf die Wand einer Bauruine projiziert, eine besondere Beleuchtung im Eingangsbereich der Stadtbibliothek, ein einzelner angestrahlter Balkon in einer Hochhausfassade – oft reicht schon ein einzelner Akzent, um das Gesamtbild aufzuwerten. Dass es nicht bei bloßen Ideen bleiben muss, zeigen mehrere bereits umgesetzte Projekte des Lichtkünstlers in der Bremer Innenstadt wie die neue Beleuchtung der Hauptbahnhofsfassade und einzelner Bereiche der Discomeile.

Einer der Protagonisten, die das Thema Licht im Stadtteil voranbringen wollen, ist Lars Gerhardt, Stadtteilmanager beim Verein Gröpelingen Marketing. „Wir hatten schon 2008 Bäume mit Lichterketten, übrigens als erster Stadtteil in Bremen“, erzählt er. „Seither sind jedes Jahr weitere Bäume hinzugekommen, inzwischen sind es 30.“

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Ging es bei dieser Aktion ursprünglich nur darum, Gröpelingen zu verschönern, so kam 2014 ein anderer Aspekt dazu, erzählt Gerhardt. „Da fing es an, hier unangenehm zu werden.“ Der offene Drogenhandel florierte, es entstanden Angstorte. „Wir bekamen immer häufiger Rückmeldungen von Einzelhändlern, dass sich Kunden in der dunklen Jahreszeit nicht mehr auf die Straße trauten.“

Das Thema Licht wurde fortan zum festen Bestandteil aller Überlegungen zur städtebaulichen Kriminalprävention in Gröpelingen. Kaufleute und Anlieger beteiligten sich aktiv, funktionierten ihre Weihnachtsbeleuchtung 2015 zur „Winterbeleuchtung“ um, die seither stets bis in den Februar hinein brennt. „Nur funzelten die Lampen in der Liegnitzstraße und im Lindenhof natürlich trotzdem weiter“, sagt Gerhardt. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Selbst eine Petition der Gröpelinger an die Bürgerschaft blieb ohne Erfolg. „Das Ganze stagnierte, wir sind nicht weitergekommen.“ Umso erfreulicher sei es deshalb, dass das Thema nun durch die Sicherheitspartnerschaft wieder Fahrt aufgenommen habe, betont der Stadtteilmanager.

Der Anstoß für einen Prozess

Abzuwarten bleibt, inwieweit der farbenfrohe Impuls am Umspannwerk tatsächlich dazu führen wird, Geschäftsinhaber und Hauseigentümer davon zu überzeugen, sich an einer atmosphärischen Beleuchtung von Gröpelingen zu beteiligen. Die Begehung der dunklen Ecken Gröpelingens und die entsprechenden Vorschläge von Michael Batz waren lediglich der Anstoß für einen Prozess, an dessen Ende der Stadtteil im völlig neuen Lichte erstrahlen könnte. Finanziert hat das Konzept des Lichtkünstlers wie auch die Beleuchtung des Umspannwerks die SWB. „Bremen ist für uns das Aushängeschild dafür, wie man als Unternehmen öffentliche Beleuchtung managen kann“, sagt Friedhelm Behrens, Sprecher des Energieversorgers.

Zumindest was die öffentliche Beleuchtung betrifft, wird sich schon in Kürze etwas in Gröpelingen tun. Im Zuge der Trassenerneuerung der Bremer Straßenbahn AG plant das Straßenverkehrsamt, Anfang 2020 entlang der gesamten Gröpelinger Heerstraße die alte Straßenbeleuchtung gegen moderne LED-Lampen auszutauschen. An der als besondere Problemkreuzung geltenden Ecke Gröpelinger Heerstraße/Lindenhofstraße ist dies schon geschehen. Ein Vorgeschmack darauf, wie hell die Gröpelinger Heerstraße künftig beleuchtet sein wird.

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Zur Sache

Konkrete Maßnahmen

Dem Bremer Stadtteil Gröpelingen haftet ein negatives Image an. Eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Bremer Behörden und zahlreichen engagierten Akteuren vor Ort will daran mit konkreten Maßnahmen etwas ändern. Der WESER-KURIER begleitet dieses Projekt und wird darüber in einer Artikelreihe, die in loser zeitlicher Abfolge erscheint, berichten.

Weitere Informationen

28 Prozent LED-Leuchten

Im gesamten Stadtgebiet werden bis Ende des Jahres etwa 7000 Pilzleuchten durch LED-Lampen ersetzt. Weitere 7000 sogenannte SOX­-Leuchten (gelbes Licht) werden bis Ende 2020 ausgetauscht. Laut SWB waren von den rund 63 000 Leuchten in Bremen zuvor bereits 6135 auf LED umgestellt, also knapp zehn Prozent. Durch den Austausch der 7000 Pilze und der 7000 SOX-Leuchten erhöht sich der LED-Anteil somit bis Ende 2020 auf etwa 28 Prozent.

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