Gewerbegebiet-Pilotprojekt

Gute Anbindung, aber zu dreckig

Die Betriebe im Gewerbegebiet Riedemannstraße / Reiherstraße hatten Besuch: Kathrin Kruse von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hat sie im Zuge eines Pilotprojekts zu Wünschen und Sorgen befragt.
07.12.2020, 05:00
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Gute Anbindung, aber zu dreckig
Von Anne Gerling

Oslebshausen. Wie kann ein über viele Jahrzehnte herangewachsenes Gewerbegebiet aufgewertet und weiterentwickelt werden? Darum geht es bei dem Pilotprojekt Gewerbegebietsmanagement, das die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) in diesem Jahr auf den Weg gebracht hat. Vier Areale werden dabei von den beiden Gewerbegebietsmanagerinnen Kathrin Kruse und Deike Bemmer unter die Lupe genommen: Die Gewerbegebiete Utbremen in Walle, Riedemannstraße/Reiherstraße in Oslebshausen, Seumestraße in Woltmershausen und Mittelshuchting. Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit den Betrieben und Akteuren vor Ort für jedes dieser vier Gebiete ein individuelles integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zu entwickeln, in dem verschiedene Maßnahmen aufgelistet werden.

Seit Februar ist Gewerbegebietsmanagerin Kathrin Kruse im Gebiet Riedemannstraße/Reiherstraße im Einsatz. „Ich wollte herausfinden, wie der Standort allgemein bewertet wird, wie die Situation in den Betrieben ist und welche Unternehmens-Perspektiven es gibt“, schilderte Kruse dazu kürzlich dem Fachausschuss Arbeit, Wirtschaft, Umwelt und Häfen des Gröpelinger Beirats, dem sie die Ergebnisse ihrer Befragung vorstellte.

In dem 52 Hektar großen Gebiet hat Kruse 94 Unternehmen gezählt und dabei einen breiten Branchen-Mix von sozialen Einrichtungen über Handel und Dienstleistungen bis zum Handwerk vorgefunden. „Robustes Gewerbe kann man dazu sagen“, so die Stadt- und Regional-Planerin. Im Februar und März hatte sie es noch geschafft, persönliche Gespräche mit einigen Betrieben im Gebiet zu führen. Dann kam Corona – und Kruse verschickte E-Mails, führte Telefonate und schrieb außerdem ganz klassisch per Post die Oslebshauser Unternehmer an, was ihr zufolge von diesen auch gut angenommen wurde.

Die Rückmeldungen, die sie bekommen hat, spiegeln Kruse zufolge insbesondere eines wider: Vor allem mit der Verkehrsanbindung sind viele der im Gebiet ansässigen Betriebe sehr zufrieden. Schließlich liegt das Gewerbegebiet Riedemannstraße/Reiherstraße sehr nah zur Autobahn, was in puncto Lieferverkehr von Vorteil ist. Und auch die regionale Anbindung wurde insgesamt prinzipiell als gut bewertet – mit einer Einschränkung: Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs zur Berufsschule für Metalltechnik an der Reiherstraße – die perspektivisch auf den neuen Schul-Campus auf dem Gelände der Woll-Kämmerei in Blumenthal umziehen soll – könnte nach Ansicht einiger Befragter durchaus verbessert werden.

Überraschend sei für sie gewesen, dass die Betriebe untereinander bislang weniger gut vernetzt seien, als sie erwartet hätte, so Kruse: „Man hat zwar mit den direkten Nachbarn zu tun – darüber hinaus aber nicht.“ Dies hänge möglicherweise auch mit den geografischen Gegebenheiten zusammen, vermutet die Gewerbegebietsmanagerin: „Beide Seiten des Gebietes stehen für sich, und es besteht dort noch kein Verbindungsgefühl.“ Unzufrieden habe sich die befragte Unternehmerschaft außerdem über die Nahversorgungsangebote vor Ort und Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien geäußert.

Drängendstes Thema sei aber ganz klar der Müll, denn vielen sei das Gebiet deutlich zu dreckig, sagt Kruse: „Und das scheint ein greifbares Thema zu sein, das gleich 2021 angegangen werden kann. Wie lange es dauert, bis sich da etwas ändert, kann ich aber leider noch nicht sagen.“ Die Gewerbegebietsmanagerin ist hierzu bereits mit dem Präventionsrat West, der Initiative „Clean up your city – Bremen“, dem Ordnungsdienst und Vertretern der Kampagne Sichere und Saubere Stadt im Austausch und möchte Anfang kommenden Jahres einen Workshop und eine gemeinsame Müllsammelaktion auf die Beine stellen.

75 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sich in den nächsten drei Jahren weiterentwickeln zu wollen. Freie städtische Grundstücke sind in dem Areal allerdings nicht mehr zu haben, und es gibt Kruse zufolge auch nur noch zwei Brachflächen in Privatbesitz.

Mehrfach ist die Stadt- und Regional-Planerin von ihren Gesprächspartnern auf den Max-Bahr-Markt angesprochen worden, der nun schon seit einigen Jahren leer steht – einst aber ein Besucher-Magnet im Gebiet war. Dementsprechend groß ist der Wunsch, dass sich dort wieder etwas tut. Sie sei mit dem Unternehmens-Zusammenschluss hinter der Immobilie im Austausch, sagt Kruse dazu, einen konkreten Fahrplan gebe es für die Entwicklung dieses Areals bisher aber nicht.

Auch beim Thema Wohnen möchten die Firmen einbezogen werden: Auf dem Eckgrundstück Tucholskystraße/Reiherstraße sind Reihenhäuser geplant. Seit Mai gehört die Fläche dem Bremer Unternehmen Hesse + Partner, das bereits in verschiedenen Städten Deutschlands Seniorenwohnungen und Sozialimmobilien gebaut hat und nun in Oslebshausen bezahlbaren Wohnraum in Eigentum schaffen will. Und auch beim Projekt Reiherstraße/Reihersiedlung – dort sollen die Schlichtwohnungen abgerissen und neue Reihenhäuser gebaut werden – hat es kürzlich einen Eigentümerwechsel gegeben, wie auf der Sitzung zu erfahren war.

SPD-Beiratspolitiker Rolf Vogelsang kennt das Gebiet seit seiner Kindheit und gab Kruse noch einen weiteren Aspekt mit auf den Weg: „Im Gebiet Riedemannstraße – das ist ja der ältere Teil – hat man ein chaotisches Straßenpflaster und so gut wie keine Fußwege. Die Straßen dort haben sich seit 50 Jahren nicht verändert, da müsste man was machen.“

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