Städtebauförderung

Ein Baustein zur Stadterneuerung

Bislang war von dem schönen Altbau an der Gröpelinger Herstraße 190 wegen seiner auffälligen Leuchtreklame nicht viel zu sehen. Mit neuer Fassade hat die Immobilie nun neue Strahlkraft für den ganzen Stadtteil.
22.07.2020, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Ein Baustein zur Stadterneuerung
Von Anne Gerling
Ein Baustein zur Stadterneuerung

Freuen sich über die gelungene Fassaden-Sanierung, die in den ganzen Stadtteil ausstrahlt (v.l.): Elisabeth Grevenbrock , Hermann Lattemann und Lars Gerhardt.

Roland Scheitz

„Der Umbau des Straßenbahndepots läuft, der Oslebshauser Park wird im Herbst gemacht und der Ohlenhofplatz ist dran, wenn das Ohlenhof-Carrée fertig ist. Wo die öffentliche Hand was machen kann, da macht sie es“, sagt Martin Karsten, Gebietsbeauftragter für das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) Gröpelingen, während er vor der Kranich-Apotheke steht und sich umschaut: „Die Heerstraße ist das Schaufenster von Gröpelingen. Von hier aus wird Gröpelingen beurteilt. Das ist der Grund dafür, weshalb wir nicht nur an öffentlichen Plätzen was machen, sondern auch private Gebäudeeigentümer fördern. Schließlich hängt das Gesamterscheinungsbild eines Straßenraums auch davon ab, was sie machen.“

Heinrich Lattemann hat gerade etwas gemacht, was ebenso wie der Depot-Neubau, die Aufwertung des Oslebshauser Parks, der neue Koschnick-Platz im Herzen von Gröpelingen oder der geplante Westbad-Neubau zur Stadterneuerung beiträgt: Er hat die Fassade seines Mehrfamilienhauses aus den 1920er-Jahren an der Gröpelinger Heerstraße 190 saniert. Dafür gab es einen Zuschuss von der Stadt: Sie übernahm 40 Prozent der Kosten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Leuchtreklame für die beiden Geschäfte im Erdgeschoss, erzählt Lattemann: „Sie war hässlich und verschandelte die ganze Fassade. Als ich dann bei einer Informationsveranstaltung von der Fassaden-Fördermaßnahme hörte, habe ich sofort einen Antrag gestellt und Kostenvoranschläge eingeholt.“ Alle wichtigen Informationen zu Fördermöglichkeiten und zur Antragstellung bekam Lattemann von Lars Nordhausen, der im Bauressort Ansprechpartner für Zuschüsse aus Mitteln der Städtebauförderung bei Modernisierung ist. „Eine Voraussetzung ist, dass je Gewerk drei Kostenvoranschläge eingeholt werden“, sagt er. Der Aufwand sei überschaubar gewesen, findet Lattemann – obwohl bei seiner Immobilie zwei Baukolonnen, Maler, Gerüstbauer, Tischler, Elektriker und Werbeanlagengestalter im Einsatz waren: „Und mit der Farbgestaltung habe ich Frau Grevenbrock freie Hand gelassen. Ich fand es toll, was wir da im Spektrum haben.“

Diplom-Ingenieurin Elisabeth Grevenbrock nämlich, die im Auftrag der Baubehörde Fassaden-Sanierungen im Rahmen der Städtebauförderung betreut und begleitet, warf gemeinsam mit Lattemann zunächst einen Blick in das Design-Handbuch, das als ein IEK-Baustein vor drei Jahren speziell für die Gröpelinger Heerstraße entwickelt worden war. Der 100 Seiten starke Leitfaden will Anregungen dazu geben, wie sich Gröpelingens Ortsbild durch viele kleine Maßnahmen insgesamt zum Positiven verändern lässt.

„Man kann auch mit geringem Aufwand sehr viel erreichen“, sagt Grevenbrock, die beim ersten Vor-Ort-Termin mit Lattemann als Ziel festhielt: Die komplette Fassade in einem Bauabschnitt sanieren.

Es folgte ein enger Abstimmungsprozess, bei dem auch die beiden Ladenbetreiber
mit im Boot waren. Für die deutlich dezentere Neugestaltung der Werbeanlage wurde
mit Grafikerin Hilke Packmohr ein Konzept entwickelt. Das Ganze sei ein langer Prozess gewesen, sagt Grevenbrock, die momen-
tan mit fünf weiteren Eigentümern in Beratungsgesprächen ist: „Vom Erstgespräch
bis jetzt hat es etwa eineinhalb Jahre ge-
dauert.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Durch eine moderate Grau-Absetzung anstelle des zuvor krassen Farbkontrastes wird optisch eine Harmonie zwischen dem Gesamtgebäude und dem Sockelgeschoss erzeugt. Die neue Werbeanlage fügt sich in die Architektur ein, zerstört nun nicht mehr die Fassade und öffnet den Blick für die ansprechende Architektur. Seine Mieter seien sehr zufrieden, sagt Lattemann. Auch Stadtteilmanager Lars Gerhardt vom Gröpelingen Marketing findet die neue Fassade gelungen. Wer irgendwo einen Euro investiere, der erwarte, dass der Wert steigt, sagt er: „Hier zu investieren, ist also ein Statement für den Stadtteil.“ An die richtigen Ansprechpartner heranzukommen, sei allerdings nicht ganz einfach: „Die Ladenbesitzer sind nicht unbedingt auch die Eigentümer der Gebäude. Das ist ein bisschen die Schwierigkeit.“ Martin Karsten ist deshalb oft entlang der Heerstraße unterwegs und versucht, mit Eigentümern ins Gespräch zu kommen: „Das Fassaden-Förderprogramm wird fortgeschrieben und es stehen noch genügend Mittel zur Verfügung.“

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