Projekt „Sichere und saubere Stadt“

Gröpelinger freuen sich über Unterstützung vom Bremer Senat

Gemeinsam mehr Durchschlagskraft entwickeln: Die von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) angeschobene Initiative kommt bei Akteuren und Einrichtungen in Gröpelingen gut an.
17.11.2019, 11:48
Lesedauer: 5 Min
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Gröpelinger freuen sich über Unterstützung vom Bremer Senat
Von Anne Gerling
Gröpelinger freuen sich über Unterstützung vom Bremer Senat

Vertreten den Sport innerhalb der Initiative: Dirk Bierfischer (v.l.) und Ekkehard Lentz von Tura Bremen.

Frank Thomas Koch

Wenn ein Senator einlädt, dann sind die Chancen hoch, dass viele kommen. Und tatsächlich: Der Saal im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (Na’) – Bremens ältestem Bürgerhaus – ist stets gut gefüllt, wenn sich Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) innerhalb des Projekts „Sicherheitspartnerschaft Gröpelingen“ alle sechs Monate mit Vertretern von Einrichtungen, Firmen und Organisationen trifft, um zu besprechen, wo es hakt und was dagegen unternommen werden kann.

„Der Stadtteil ist super – die sind alle hoch engagiert unterwegs“, sagt Jens Körber, der das Projekt „Sichere und Saubere Stadt“ im Innenressort koordiniert und eine lange Liste der Partner zusammengestellt hat, die nun als Netzwerk gemeinsam daran arbeiten, ihren Stadtteil nach vorne zu bringen. Körber legt dabei viel Wert auf Augenhöhe: „Wichtig ist, dass man alle ernst nimmt, nicht von oben etwas überstülpt und sich austauscht – und dass man Dinge aufnimmt und weitergibt.“

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Und so sind Projektleiter Körber und seine Kollegin Alina Mielczarek nicht nur Gastgeber, sondern auch Gäste und Zuhörer in verschiedenen Gremien im Stadtteil. Etwa in den Fachausschüssen des Gröpelinger Beirats oder beim Präventionsrat Bremen-West, der 2008 unter dem Dach des Gesundheitstreffpunkts West ( GTP ) gegründet wurde. Dreimal im Jahr tauschen sich dort Vertreter verschiedenster Einrichtungen und Initiativen sowie Privatpersonen über Aktionen und Projekte zu Themen wie Sucht, Mobbing oder Gewaltprävention aus, sie sprechen über Angstorte oder Maßnahmen zur Verbesserung des sozialen Klimas. Die Unterarbeitsgruppe „Müllvermeidung“ hat mehrfach Informationsstände organisiert, um zum Nachdenken über den Umgang mit Abfall anzuregen.

Die Bremer Stadtreinigung (DBS) ist in Sachen Abfallbekämpfung in der Stadt verantwortlich und arbeitet eng mit dem Quartier-Service Bremen der Gröpelinger Recycling-Initiative zusammen, dessen Beschäftigte seit nunmehr 17 Jahren die Straßen im Quartier säubern. Neun Kräfte sammeln dort den sogenannten Flugmüll auf – ab Januar werden es vermutlich weniger sein, da das Landesprogramm Perspektive Arbeit Saubere Stadt ausläuft, über das diese Stellen bislang finanziert wurden. „Damit verlieren wir vier Mitarbeiter in Gröpelingen und wissen noch nicht, wie wir das auffangen sollen“, sagt Betriebsleiter Heiko Fritschen. Mit der Jugendhilfe und Soziale Arbeit gGmbH/Bremer Maulwürfe ist außerdem ein Träger dabei, der sich schwerpunktmäßig um Spielplätze kümmert und zum Beispiel den Spielplatz am Liegnitzplatz regelmäßig sauber macht.

Um die Pflege und Säuberung städtischer Grünflächen kümmert sich der Umweltbetrieb Bremen, der auch durch den Rückschnitt von Sträuchern Licht in dunkle – und unheimliche – Ecken bringt. Auch Bremens noch junger Ordnungsdienst ist in die Sicherheitspartnerschaft eingebunden. Vier der aktuell 20 Außendienstler halten derzeit auf den Straßen in Walle, Findorff und Gröpelingen täglich die Bürger zu Ordnung und gegenseitiger Rücksichtnahme an. Müll-Ansammlungen zeigen sie über die App „Mängelmelder“ – die auch Privatpersonen auf ihrem Smartphone installieren und nutzen können – der DBS an, die diese dann entsorgt.

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Viele Gröpelinger nutzen die Smartphone-Applikation bereits, nachdem sie der Verein Gröpelingen Marketing 2016 im Rahmen einer Anti-Müll-Kampagne quasi nach Bremen importiert und bekannt gemacht hat. Damals wandte sich Stadtteilmanager Lars Gerhardt außerdem an den Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft, um auf die ­Zustände im Stadtteil aufmerksam zu machen. 48 Geschäfte, Einrichtungen und Initiativen hatten die Petition für mehr Polizei, Überwachung und Prävention und gezielte Maßnahmen gegen Wettbüros, ­Müll und Drogenhandel unterzeichnet. „Ein großer Teil der Themen, die wir damals identifiziert haben, sind jetzt in Bearbeitung“, sagt Gerhardt. „Dass das Thema Chefsache geworden ist, entwickelt eine Durchschlagskraft, die wir als Mini-Initiative vor Ort nicht entwickeln können.“

Die örtliche Filiale der Sparkasse ist ebenso mit dabei wie Vertreter der großen Wohnungsgesellschaften, über die Tausende Mieter im Stadtteil erreicht und zum Beispiel über die hiesigen Bestimmungen zur Müll-Entsorgung informiert werden können: Die Brebau hat in Gröpelingen 1000 Wohnungen, die Gewoba zählt 1600 Wohnungen im Stadtteil zu ihrem Bestand, die Espabau vermietet 324 Wohnungen und die Vonovia 1850 Wohnungen.

Neben dem für die Versorgung von etwa 100 000 Menschen zuständigen Diako-Krankenhaus wird auch die Stimme der Menschen mit Suchtproblemen innerhalb der Sicherheitspartnerschaft gehört: Die Innere Mission betreut einen von Alkoholabhängigen und Langzeitarbeitslosen im Sommer 2016 selbst gebauten Szene-Treffpunkt an der Ecke Stapelfeldtstraße/Debstedter Straße beim Straßenbahndepot.

Zum Netzwerk gehören außerdem die Gartenfreunde „Am Mittelwischweg“ und zwei Vereine, die wesentlich zu Gröpelingens gutem Image beitragen: Kultur vor Ort ist unter anderem Organisator des internationalen Erzählfestivals „Feuerspuren“, das seit 2007 alljährlich Anfang November Tausende Besucher auf die Lindenhofstraße zieht. Der Verein betreibt außerdem ein Kinderatelier und setzt beim neuen vierjährigen Modellprojekt „Europa Zentral“ rund um den Liegnitzplatz auf Kunst und Kultur, um das Miteinander zu stärken. Der 2700 Mitglieder zählende Turn- und Rasensportverein wiederum leistet über die Kinder- und Jugendarbeit, die Sparte Gesundheitssport und das Programm „Integration durch Sport“ viel für die Allgemeinheit. Zu Punktspielen und Wettkämpfen kommen regelmäßig Mitglieder auswärtiger Vereine, die dabei Gröpelingen kennenlernen.

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Über das Begleitgremium zum Integrierten Entwicklungskonzept (IEK) Gröpelingen verfolgt Körber die Umsetzung verschiedener Projekte mit. Grundlage dafür ist ein 2014 verfasstes Strategiepapier mit insgesamt 26 Maßnahmen, die unter der Regie des Bauressorts gemeinsam mit circa 160 Akteuren aus Initiativen, Vereinen, Verbänden, von Unternehmen und aus der Verwaltung entwickelt wurden, um bis 2020 mit Städtebaufördermitteln in Höhe von knapp 18 Millionen Euro realisiert zu werden. Es geht dabei um die Aufwertung verschiedener öffentlicher Plätze und der Heerstraße, bessere Verbindungen innerhalb des Stadtteils, eine gute Anbindung an die Nachbarstadtteile sowie um verschiedene Bildungs- und Qualifizierungsprojekte. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen an einer Fortschreibung des IEK.

Über das Forschungsprojekt „DiverCity“ wird bei Bauvorhaben und der Gestaltung des öffentlichen Raums nun auch der Aspekt der Kriminalprävention berücksichtigt. „Für das Projekt ist das Ohlenhofquartier mit ausgewählt worden. Die Erkenntnisse, die dort gewonnen werden, helfen uns für die Zukunftsplanung. Vielleicht lässt sich da auch etwas über IEK-Projekte umsetzen“, sagt Körber.

Die neue Initiative kommt allgemein gut an. „Jens Körber ist es gelungen, eine ressortübergreifende Runde in sein Haus einzuladen. Bislang war es unser täglich Brot, dass wir regelmäßig an den Grenzen zwischen Zuständigkeiten und Ressorts scheitern“, sagt etwa Wilma Warbel vom GTP. „Es ist wichtig, dass die Initiative von ganz oben angenommen ist. Dass Ulrich Mäurer sich dessen angenommen hat, zeigt, dass Gröpelingen mit seinen Problematiken wahrgenommen wird und dass man nach dem Wahlkampf und den Wahlen auch damit weitermacht“, ergänzt Rita Sänze, die seit 2005 als Quartiersmanagerin für Gröpelingen beim Amt für Soziale Dienste Projektförderung über das Programm „Wohnen in Nachbarschaften“ (Win) koordiniert. Auch Ulrike Pala, die das Ortsamt West leitet, lobt die Initiative: „Seit ich im September 2001 als Stadtteilsachgebietsleiterin für Gröpelingen im Ortsamt angefangen habe, begleitet mich das Thema Sauberkeit. Ich habe das erste Mal das Gefühl, wirklich Unterstützung zu bekommen.“

Info

Zur Sache

Ein starkes Netzwerk

Dem Bremer Stadtteil Gröpelingen haftet ein negatives Image an. Eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Bremer Behörden und zahlreichen engagierten Akteuren vor Ort will daran mit konkreten Maßnahmen etwas ändern. Der WESER-KURIER begleitet dieses Projekt und berichtet darüber in einer Artikelreihe, die in loser zeitlicher Abfolge erscheint.

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