Integriertes Entwicklungskonzept

Die nächste Etappe für Gröpelingen

Im Quartierszentrum Morgenland geht es vor rund 40 Gästen um die Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzepts für Gröpelingen 2020 bis 2029.
08.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Die nächste Etappe für Gröpelingen

Jan Casper-Damberg (von links), Bianca Matthes, Martin Kasten, Heike Wohltmann und Britta Kollenda bereiten die Präsentation des bald zur Abstimmung im Senat stehende Fortschreibungskonzept des Integrierten Entwicklungskonzepts für Gröpelingen vor.

Roland Scheitz

Das Interesse der Bürger ist da. Gut so, denn es geht um viel Geld und ein stückweit auch um die Zukunft eines Stadtteiles, der in Bremen nicht immer glänzen kann, sondern oft durch problematische Zahlen auffällt: Gröpelingen. „Die Entwicklung der sozio-demografischen Datenlage spricht dafür, dass der Stadterneuerungsprozess fortgeschrieben und verstärkt werden muss“, so Jan Casper-Damberg, Abschnittsleiter Referat Stadtumbau bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. „Gröpelingen muss der Integrationsmotor der Stadt werden.“ Potenziale seien da: „Der Stadtteil wächst, ist jung, international und vielsprachig.“

Im Quartierszentrum Morgenland geht es vor rund 40 Gästen um die Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzepts für Gröpelingen 2020 bis 2029. Doch die Gespräche, wie man zu einer wünschenswerten Version dieser in Gröpelingen gelangt, finden - wie alles derzeit - unter strengen Auflagen statt: „Wir mussten niemanden abweisen, aber mehr hätten auch nicht teilnehmen können“, so Casper-Damberg.

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Doch zu Beginn erläutert Jan Casper-Damberg die Grundlagen. Was ist überhaupt das Integrierte Entwicklungskonzept an sich? „Das ist ein langfristiges Sonderinvestitionsprogramm, das Fördermittel vom Bund einsetzt, um Mittel aus anderen Ressorts ins Quartier zu ziehen“, vereinfacht es der Stadtplaner auf Nachfrage. Das integriert stehe dabei eben für diese fachressortübergreifende Arbeit. Flächendeckend sollen so Missstände be- und die Lebensqualität vor Ort gehoben werden. Eben dieses seit 2014 laufende Programm soll nun in eine zweite Phase gehen, auch um neue Themen aufzugreifen.

„Das war schon länger absehbar“, weiß Casper-Damberg. „Zehn bis 15 Jahre ist ein normaler Rahmen für Stadtentwicklungsprojekte dieser Größenordnung.“ Und klein ist das IEK-2 nicht: Insgesamt zählt die Planung 18 neue und sechs weiterentwickelte IEK-Projekte. Hierfür umfasst der erforderliche Kosten-und Finanzierungsrahmen rund 18 Millionen Euro. Dies ist das gleiche Niveau wie bereits 2014 bis 2019.

Sozialraumpolitisch wichtig

Doch bei einigen Projekten gibt es Probleme, sodass sie wahrscheinlich erst mal nicht umgesetzt werden können. Der Abschnittsleiter erläutert: „Wir können zwar mithilfe der Mittel im Zuge des IEK-2 aufbauen, umbauen oder erweitern, aber die Gelder für die laufenden Kosten muss jeweils aus den jeweiligen Ressorts kommen.“

Betroffen sind zum Beispiel die angedachten Bewegungs- und Aufenthaltsflächen für Jugendliche. Diese sollen eigentlich beispielsweise als Freifläche zwischen der Verlängerung Sperberstraße/Am Fuchsberg Gestalt annehmen und für sportorientierte Jugendarbeit und Gesundheitsförderung vor allem den Kindern armer Familien zugutekommen. Probleme wie dieses bestehen zwar nur bei wenigen geplanten Projekten, aber dennoch seien sie eigentlich alle „sozialraumpolitisch wichtig“, wie Casper-Damberg ausführt.

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Die Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzeptes erstreckt sich über vier Projektfamilien. Unter Schaufenster werden Projekte zusammengefasst, die eine Aufwertung des Quartieres erreichen. Dazu kann die Modernisierung von Fassaden ebenso zählen wie der weitergehende Umbau Westend. Neu in dieser Förderperiode sind die Schwerpunkte Straßenbeleuchtung, Sauberkeit und Sicherheit.

Zu Vorhaben der Kategorie Siedlungsschätze zählen Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds. Ein herausstechendes Vorhaben ist das Projekt „Junges Wohnen in Gröpelingen“. Das Vorhaben zielt darauf ab, Studierenden Wohnplätze in Gröpelingen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug unterstützen die Studierenden Schüler aus dem Stadtteil mit knapp zehn Stunden in der Woche bei Hausaufgaben und Ähnlichem. Mit Mitteln der Städtebauförderung soll zum Beispiel eine bislang vernachlässigte Immobilie als Wohnraum für diese „Study Buddies“ ertüchtigt werden. Doch auch Brebau und die Hochschule für Künste werden Bausteine zu dieser Idee beisteuern. „Hier sind wir auch bereits in ersten Gesprächen“, erzählt Casper-Damberg.

WES Gröpelingen QBZ Workshop Integriertes Entwicklungskonzept IEK

Josefin Weyer (links) und Norbert Holzapfel veranschaulichen die
einzelnen Projektfamilien visuell.

Foto: Roland Scheitz

Rückhalt unter den Bürgern

Zur Familie Knüpfwerk zählt alles, was Verbindungen herstellt, und zwar nicht nur der klassische Verkehr, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander. Neben dem Klimakonzept (Stichwort: Klimaquartier Gröpelingen), bei dem der Aspekt der Klimagerechtigkeit auf besonderem Wunsch der Bürger auch noch verstärkt eingearbeitet werden soll, stechen auch zwei Wege heraus. Die Grün-blauen Wege sowie der Mählandsweg bekommen im IEK-2 „noch einmal eine wesentlich größere und raumstrukturell wichtige Bedeutung für die Quartierentwicklung“, sagt Casper-Damberg.

Mit Letzterem wolle man „bisher rückwärtige Lagen für das Quartier besser erschließen“ und erstere weil sie die einzige Querverbindung durch den Kern des Quartiers darstellen“. Diese Ideen finden im Zuge der Veranstaltung im QBZ auch klar Rückhalt unter den Bürgern.

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Die Kategorie Laufbahn/Bildungswege behandelt klassisch eine Verbesserung der lokalen Bildungslandschaft sowie die Verknüpfung von Bildungsthemen. Neu dabei sind die digitale Teilhabe und das digitale Lernen im Quartier sowie die Gesundheitskompetenz und die Prävention. Auch die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit gehört in dieses Feld.

Im Zuge der Veranstaltung im QBZ erhalten die Planer viele Hinweise und vor allem eines: Rückenwind. „Das ist toll und wir sind alle motiviert, mit dem IEK-2 weiter Einiges im Stadtteil zu bewegen“, freut sich Jan Casper-Damberg auf die nächste Etappe der Gröpelinger Entwicklung. Im Dezember soll die Fortschreibung des IEK durch den Senat. „Ich gehe davon aus, dass das durchgeht. Es haben ja schließlich auch alle Ressorts daran mitgearbeitet.“

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