Bremens Industriehafen

Intelligenz für Oslebshauser Schleuse

Die Oslebshauser Schleuse soll intelligent werden. Ziel ist es, den Energieaufwand durch Einsatz neuer Technologien zu minimieren. Das Hafenbecken soll somit in Zukunft nicht mehr mit Pumpen aufgefüllt werden.
07.02.2019, 21:35
Lesedauer: 4 Min
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Intelligenz für Oslebshauser Schleuse
Von Peter Hanuschke
Intelligenz für Oslebshauser Schleuse

Die Oslebshauser Schleuse aus der Vogelperspektive: Mit Geld vom Bund wird sie nun digitaler.

frei (Bremenports)

Seit 1910 sorgt die Oslebshauser Schleuse für eine gleichbleibende Wassertiefe im Industriehafen und dafür, dass etwa 1300 Schiffe jährlich von der Weser in die Hafenbecken fahren können. Auch wenn das zuverlässig funktioniert, soll die Schleuse nun endlich intelligent werden. Wobei sich die Intelligenz nur indirekt auf den eigentlichen Schiffsschleusenvorgang bezieht. Vielmehr geht es darum, die Anlage so intelligent zu steuern, dass das Hafenbecken nicht mit hohem Energieaufwand durch Pumpen, sondern auf natürliche Weise mit Wasser aufgefüllt wird, das beim Schleusen verloren geht.

Hinter diesem Vorhaben steckt das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Forschungsprojekt „Tide2Use – Intelligente Pumpwerk und Schleusensteuerung im Hafen“. Dabei geht es um den Einsatz von Digitalisierung im Zusammenhang mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Hafenumfeld.

Koordiniert wird das Projekt von der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports. Beteiligt sind außerdem das Bremer Institut für Produktion und Logistik (Biba) sowie die Unternehmen Schulz Systemtechnik und Aimpulse. Das Bremenports-Projektvolumen beträgt 515 000 Euro, davon wird die Hälfte vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) übernommen. Die Projektlaufzeit geht bis Sepember 2021.

Die Energieeffizienz soll gesteigert werden

Ziel ist es laut Bremenports, ein Assistenzsystem zu schaffen, das den Schleusenbediener unterstützt. Es soll dem Nautiker im Steuerstand einen Zeitraum empfehlen, zu dem ohne Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs und unter Abwägung aller Risiken die sogenannte Torschütze zur natürlichen Bewässerung des Hafens genutzt werden kann. Mit einer intelligenten, durchgängigen Vernetzung des Schiffsverkehrs, des Schleusenbetriebs und der dazugehörigen Pumpwerke soll dabei die Energieeffizienz gesteigert werden.

Um Seeschiffen sichere nautische Bedingungen zu gewährleisten – die Hafenbecken haben eine Wassertiefe von elf Metern – benötigen abgeschleuste Hafenbereiche ständig einen ausreichenden Wasserstand. Derzeit sind es Pumpen dafür, die den unvermeidbaren Wasserverlust beim Schleusen ausgleichen. Dieser Vorgang benötige allerdings große Mengen teurer Energie, so Bremenports. Künftig sollen hohe Tidewasserstände dafür genutzt werden, um den Pumpvorgang so weit wie möglich zu reduzieren.

„Bei einem erfolgreichen Verlauf des technisch anspruchsvollen Projektes, können bei der Unterhaltung der Schleuse erhebliche Betriebskosten eingespart und gleichzeitig ein Beitrag zur Digitalisierung der Hafeninfrastruktur geleistet werden“, so Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. „Es geht beim Auffüllen der Hafenbecken um große Wassermengen“, so Sprecher Holger Bruns. Bei einer mittleren Tide von 2,50 Meter seien das etwa 20 000 Kubikmeter Wasser, die ausgeglichen werden müssten.

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„Tide2Use“ wurde im Rahmen des BMVI-Förderprogramms für Innovative Hafentechnologien (IHATEC) aufgelegt. Mit IHATEC unterstützt das BMVI Forschungsprojekte, die zur Entwicklung oder Anpassung innovativer Technologien in den deutschen See- und Binnenhäfen beitragen. Sie sollen dabei helfen, das Umschlagaufkommen zu bewältigen und Logistikketten zu verbessern. Dafür stellt das BMVI im Zeitraum seit 2016 bis 2021 etwa 64 Millionen Euro bereit.

Die Digitalisierung der deutschen Hafenwirtschaft bilde dabei den zentralen Treiber. Sie verändere nicht nur die Globalisierung und die weltweiten Handelsströme, sondern eröffne gleichzeitig neue Möglichkeiten in den Bereichen Umschlag, Transport und Vernetzung. Ab 2021 will das BMVI weitere 64 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Auch wenn die Schleuse intelligent werden sollte, wird Bremenports nicht darauf verzichten, das Bauwerk auf herkömmliche Weise regelmäßig zu warten, zu sanieren oder den sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. So hat aktuell bereits das zweite Schleusentor eine Grundsanierung hinter sich und kommt auch mit dem Hochwasser in der Zukunft klar, das laut Prognosen höher ausfallen wird. German Ship Repair in Bremerhaven hatte das Tor instand gesetzt.

Unter anderem wurde das 36 Meter lange und 16,70 Meter hohe Schwergewicht – es wiegt 800 Tonnen – von Muschel- und Algenbewuchs und Schlammresten befreit. Für den zusätzlichen Schutz gegen Hochwasser ist der Koloss nun mit einem etwa einen Meter hohen Metallaufsatz ausgerüstet. Ende Januar kam das 1981 erbaute Tor per Schwimmkran zurück nach Bremen. Wann das Reservetor saniert wird, steht derzeit noch nicht fest.

Oslebshauser Schleuse als wichtiger Knotenpunkt

Insgesamt ist die Sanierung der Tore mit Kosten von 10,5 Millionen Euro kalkuliert. Ein Drittel der Gelder stammt aus Fördermitteln des Bundes für den Hochwasserschutz. Zusätzlich wird die Schleusenanlage mit einem Deich und durch eine Erhöhung der Spundwände gegen höher auflaufende Fluten geschützt.

Dass die Oslebshauser Schleuse ein wichtiger Infrastrukturknotenpunkt ist, wird nicht nur an den etwa 1300 Schiffen deutlich, die die Schleuse jährlich nutzen: Im Industriehafen findet knapp die Hälfte des Umschlags von Bremen-Stadt statt. Hier werden vor allem Kohl, Erze, Stahl und Stahlerzeugnisse umgeschlagen, aber sowie Holz, Projektladung, Fahrzeug- und Anlagenteile und ebenso die Massengüter Mineralöle, Bau- und Abfallstoffe. Die etwa 50 hier ansässigen Umschlag- und Logistikbetriebe als auch Unternehmen des industriellen Gewerbes beschäftigen etwa 3000 Mitarbeiter.

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