Diskussion um Baumarkt-Ansiedelung

Investor fühlt sich von der Stadt ausgebremst

Seit 2013 der Toom-Baumarkt in Walle abgebrannt ist, fehlt im Bremer Westen ein entsprechendes Angebot. In Oslebshausen plant nun ein Investor einen neuen Baumarkt, doch die Sache ist baurechtlich kompliziert.
29.01.2020, 22:37
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Investor fühlt sich von der Stadt ausgebremst
Von Anne Gerling
Investor fühlt sich von der Stadt ausgebremst

Das Unternehmen Ten Brinke hat das ehemalige Schlachthof-Gelände an der Schragestraße erworben, um dort einen Baumarkt anzusiedeln.

Scheitz

„Die Dringlichkeit der Baumarktfrage ist bei der Deputation angekommen“: Das hat Falk Wagner, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und Sprecher der Baudeputation, vorige Woche im Fachausschuss Bau und Verkehr des Gröpelinger Beirats mitgeteilt. Er sei sich dessen bewusst, dass schon seit geraumer Zeit mehr als 100 000 Anwohner aus dem Bremer Westen „für jeden Schraubenzieher über die B 75 zu Hornbach fahren müssen“, so Wagner weiter.

Dementsprechend wünsche man sich, möglichst schnell wieder einen Baumarkt im Bremer Westen zu haben. Tatsächlich steht auch bereits ein Investor in den Startlöchern, der einen Baumarkt in Oslebshausen plant: Die Ten-Brinke-Gruppe hat den ehemaligen Schlachthof beim Sander-Center in Oslebshausen gekauft. Sie will die Immobilie abreißen, um auf der Fläche einen 9000 Quadratmeter großen Baumarkt zu errichten.

WES Fachausschuss Bau Oslebshausen Nahversorgungskonzept

Das Unternehmen Ten Brinke hat das ehemalige Schlachthof-Gelände an der Schragestraße erworben, um dort einen Baummarkt anzusiedeln.

Foto: Roland Scheitz

In den Ohren der Gröpelinger Beiratspolitiker klingt dies wie Musik – ist aber aus baurechtlichen Gründen aktuell nicht realisierbar, wie René Kotte, Stadtplaner im Bauressort, im Bauausschuss erläuterte. „Wir haben eine Baumarkt-Diskussion, besonders im Westen: Das ist auch auf dem Markt angekommen“, weiß auch er und betont, in der Behörde stehe man den Plänen von Ten Brinke sehr positiv gegenüber. Allerdings weise der seit 2004 gültige Bebauungsplan das Areal als Gewerbegebiet aus und erlaube somit dort keine Baumarkt-Ansiedelung.

Er müsse zunächst so geändert werden, dass das benachbarte Sondergebiet – in dem sich das Sander-Center befindet und auch ein Baumarkt erlaubt wäre – um das Schlachthof-Grundstück erweitert wird. Mit einem solchen Bebauungsplan-Verfahren würden allerdings auch „die Ziele des Zentrenkonzepts für den restlichen Bereich scharf geschaltet“.

Und im kommunalen Zentren- und Nahversorgungskonzept, an dessen Fortschreibung momentan gearbeitet wird und dessen Inhalte bei Bebauungsplanverfahren jeweils mit eingearbeitet werden, findet sich die Aussage, dass ein Baumarkt an diesem Standort nur dann zulässig wäre, wenn gleichzeitig die Sander-Center-Fläche neu überplant werde, womit Güter des täglichen Bedarfs – die zum sogenannten zentrenrelevanten Sortiment zählen – ausgeschlossen seien.

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Käme es so, dann hätten zwar in dem Einkaufszentrum bereits ansässige Geschäfte weiterhin Bestandsschutz, aber zukünftige Nutzungen der Flächen im Sander-Center würden eingeschränkt, so Kotte: „Im Moment können dort auch zentrenrelevante Angebote eröffnen, etwa Geschäfte für Bücher oder Bekleidung. Das ginge dann nicht mehr.“

Die Stadt hat außerdem andere Vorstellungen zur Positionierung eines neuen Baumarkt-Gebäudes als Investor Ten Brinke, der gerne eine Fläche zwischen Baumarkt und Sander-Center an die Sander-Center-Betreiberfamilie verkaufen würde, die somit ihren Standort vergrößern könnte. Nach Vorstellung der Verwaltung sollte der Baumarkt aber unmittelbar an das Einkaufscenter heranrücken. So blieben auf der dem Sander-Center abgewandten Seite Flächen für Handwerksbetriebe, die, so Kotte, „nach unseren Erkenntnissen im Bremer Westen Flächen suchen, aber nicht finden.“

Eine Erweiterung des Sander-Center hingegen wäre Kotte zufolge „sehr schwierig“, wofür Senior-Chef Horst Sander kein Verständnis hat. „Wir werden dieses Jahr 120 Jahre alt und wollen für die Bevölkerung attraktiv bleiben“, sagt er, „und deshalb wollen wir dieses Gelände kaufen und nutzen.“ Mit einem Baumarkt würde das gesamte Gebiet attraktiver: „Mir ist daran gelegen, dass wir nicht durch die Stadt beschränkt und gedeckelt werden.“ Das Warenangebot in der ebenfalls als Sonderstandort ausgewiesenen Waterfront sei „zu 95 Prozent innenstadt-relevant“, ergänzt Junior-Chef Henrik Sander: „Das ist keine Gleichbehandlung.“

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„Für uns ist die Frage: Wieso wird der Bebauungsplan nicht schnell durchgezogen?“, sagt wiederum Uwe Kammholz, der das Projekt bei Ten Brinke leitet. Er kann nicht nachvollziehen, „dass man jetzt etwas regeln will, was man zehn Jahre nicht geregelt hat.“ Kotte zufolge würde das erforderliche Bebauungsplan-Verfahren ein bis zwei Jahre dauern – eine lange Zeit für einen Investor.

Ebenso für viele potenzielle Kunden im Bremer Westen, die sich sehnlichst einen neuen Baumarkt wünschen, seit 2013 der Toom-Baumarkt in Walle abgebrannt ist, wie Kammholz weiß: „Und jetzt hat man einen Investor, der was machen will – und wir haben das Gefühl, man legt uns Steine in den Weg. Wir wünschen uns als Investor, dass die Stadt uns unterstützt und nicht sagt, es muss alles zusammen entwickelt werden. Die Zeit haben wir einfach nicht.“

Dies können die Mitglieder des Bauausschusses gut nachvollziehen. Sie plädieren deshalb dafür, den Sonderstandort Schragestraße zeitnah und ohne Überplanung des gesamten Gebietes zu erweitern, damit der Baumarkt am Ende nicht im niedersächsischen Umland errichtet werde. Auch der Baudeputation sei an einem möglichst schnellen Verfahren gelegen, betont auch deren Sprecher, Falk Wagner.

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