Offene Jugendarbeit

Jugend-Fördermittel sind verteilt

In Gröpelingen ist in den letzten Tagen wild hin- und hergerechnet worden. Nun sind die Mittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit verteilt und für das Kinderatelier gibt es doch noch eine Perspektive.
10.02.2019, 14:04
Lesedauer: 5 Min
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Jugend-Fördermittel sind verteilt
Von Anne Gerling
Jugend-Fördermittel sind verteilt

Anfang Dezember wird im Spielhaus Bexhöveder Straße die Tür für immer schließen müssen.

Roland Scheitz

Gröpelingen. Drei Tage lang sah es aus, als würde es das Kinderatelier im Atelierhaus Roter Hahn bald nicht mehr geben. Nachdem am Dienstag, 5. Februar, der Controllingausschuss (CA) Gröpelingen im dritten Anlauf über die Vergabe der Mittel für die offene Jugendarbeit entschieden hat, überschlugen sich förmlich die Ereignisse. Linke, SPD und Grüne brachten Pressemitteilungen auf den Weg und Gröpelinger Kinder verfassten im Atelierhaus einen Brief an den Bürgermeister. Am Freitagabend dann die erlösende Nachricht: Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling (SPD) und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) wollen laut Kultur-vor-Ort-Geschäftsführerin Christiane Gartner die weitere Förderung der Einrichtung gewährleisten.

Das Kinderatelier ist eins von insgesamt fünf Projekten – neben dem Mobilen Atelier, den Spielhäusern Wilder Westen und Bexhöveder Straße und einer Mädchengruppe in Wohlers Eichen – für die wie berichtet bei den ersten beiden Vergaberunden Mittel gekürzt worden waren. Denn der CA hatte sich, da die Summe der Anträge das Budget überstieg, bei der Verteilung der Gelder notgedrungen auf Angebote für Jugendliche ab zwölf Jahren konzentriert.

Nachdem die Träger der betroffenen Angebote Alarm geschlagen und die Rücknahme dieser Entscheidung gefordert hatten, wurde in den Einrichtungen nochmals intensiv nachgerechnet und rege hin- und hertelefoniert.

Bei der CA-Sitzung am Dienstag boten daraufhin das Mädchenhaus und das Freizi Oslebshausen an, auf Mittel zu verzichten. Außerdem wurde ein für den beim Gesundheitstreffpunkt West (GTP) angedockten Arbeitskreis Kinder und Jugendliche vorgesehener Posten gestrichen und auch das Freizi Gröpelingen bot Einsparungen an, sodass schließlich eine für alle Beteiligten „halbwegs akzeptable“ Mittelverteilung möglich wurde. Folgende verbindlichen Entscheidungen waren dabei gefallen:

Spielhaus Wilder Westen: Der Initiative zur sozialen Rehabilitation als Trägerverein sind 34 000 Euro bewilligt worden; beantragt worden waren 36 000 Euro. Somit kann der Betrieb in der Einrichtung voraussichtlich fortgeführt werden.

Spielhaus Bexhöveder Straße: Die Einrichtung, die seit Jahren ein zentraler Anlaufpunkt für viele Kinder und Jugendliche aus dem Quartier ist, bekommt 12000 Euro. Bis 30. November kann das Spielhaus somit geöffnet bleiben, sagt Ralf Jonas vom Bürgerhaus Oslebshausen, das Träger der Einrichtung ist. „Dann werde ich nach über 40 Jahren einen Schnitt machen und es schließen“, sagt Jonas, der sich nur mit einer institutionellen Förderung und einem Neubau eine Zukunft für das Haus vorstellen kann. Ein Schlag für das Quartier; schließlich ist vor allem dem Spielhaus zu verdanken, dass es dort praktisch keine Probleme mit Drogenhandel oder Vandalismus gibt.

Kinder-und Jugendatelier im Atelierhaus Roter Hahn: Dem Trägerverein Kultur vor Ort wurden 6000 Euro bewilligt. Damit wäre das Atelier Christiane Gartner zufolge im Kern getroffen worden und hätte nur noch bis zum Sommer weitergeführt werden können.

Mobiles Atelier: Dieses wohnortnahe und offene Angebot, das besonders viele Kinder im Stadtteil erreicht, muss nach Ansicht des CA dringend erhalten werden und bekommt rund 20 000 Euro. „Damit ist es auch machbar“, sagt Christiane Gartner vom Trägerverein Kultur vor Ort.

Mädchen-Gruppe: Die vom Kinder- und Familienzentrum Wohlers Eichen beantragten Mittel wurden nicht bewilligt. Die Gruppe für junge Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren – von denen es im Quartier besonders viele gibt – wird also nach mehr als zehn Jahren wohl tatsächlich eingestellt werden müssen.

Der Vergabeprozess machte dabei einen recht chaotischen Eindruck, was alle Beteiligten außerordentlich bedauern: Das Stadtteilbudget war anfänglich nicht korrekt veranschlagt worden und wurde dann um 50 000 Euro nach oben korrigiert. Noch immer wird über einen möglichen Fehlbetrag aus einem Überlassungsvertrag spekuliert. Beiratspolitiker Martin Reinekehr (SPD), der als Vertreter dem CA angehört, hat außerdem einen Protokollvermerk entdeckt, durch den das Budget womöglich um weitere 15 000 Euro ansteigen könnte.

Scharfe Kritik übte unmittelbar nach der Mittelvergabe die Linksfraktion der Bürgerschaft. „Es ist nicht hinnehmbar, dass in einem der ärmsten Stadtteile Bremens immer wieder wichtige Projekte für Kinder und Jugendliche vor dem Aus stehen. Auch wenn der Wilde Westen diesmal gerettet werden konnte, geht es jetzt den anderen Spielhäusern und der Kulturarbeit an den Kragen. Alle diese Angebote werden von den Kindern vor Ort gut angenommen und sind ein wesentlicher Teil ihrer Freizeitgestaltung. Oft haben diese Kinder keine anderen Orte, an die sie gehen können. Es fehlen lediglich 40 000 Euro, damit die Arbeit vor Ort weitergeführt werden kann. An diesem vergleichsweisen kleinen Betrag darf es nicht scheitern“, hatte Kristina Vogt, Vorsitzende der Linksfraktion, erklärt und von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) eine Erklärung dazu gefordert, wie die Angebote weiterlaufen können.

„Kurzfristig erwarte ich vom Sozialressort, dass es soviel Geld wie möglich zusammenkratzt und den Etat für die Jugendförderung aufstockt, damit auch kleinere Angebote, gerade in sozial belasteten Stadtteilen, ihre wichtige Arbeit fortsetzen können“, sagte auch Klaus Möhle, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Mittel- und langfristig gelte es außerdem ab dem kommenden Haushalt auf diese Situation zu reagieren und den Bereich Jugendförderung generell finanziell besser auszustatten, damit es auch wirklich für alle Angebote reiche.

Am Donnerstag, 7. Februar, hatte auch der Jugendhilfeausschuss der Bürgerschaft das Sozialressort gebeten, den fehlenden Betrag auszugleichen.

„Ich werde dafür kämpfen, dass die Bürgerschaft die Offene Jugendarbeit im nächsten Doppelhaushalt spürbar besser ausstattet. Aber man kann das Geld erst ausgeben, wenn es in den Haushalt eingestellt ist“, hatte dazu zunächst die Sozialsenatorin erklärt und betont: „Wir können nicht Stadtteile mit zusätzlichen Mitteln dafür belohnen, dass sie mit ihrem Geld nicht auskommen, weil sie zusätzliche Angebote bewilligen und im Gegenzug andere wichtige Projekte fallenlassen. Das wäre nicht nur ein Verstoß gegen sämtliche Vereinbarungen, es wäre auch ungerecht gegenüber jenen, die ihr Budget mit großer Haushaltsdisziplin und unter erheblichen Anstrengungen einhalten.“

Info

Zur Sache

Offene Jugendarbeit in Bremen

Die Offene Jugendarbeit wird in Bremen derzeit mit rund 7,8 Millionen Euro gefördert. Die Mittel werden nach einem festgelegten Schlüssel verteilt. In diesen Schlüssel fließt die Sozialstruktur des jeweiligen Stadtteils ein, die Zahl der dort lebenden Jugendlichen und die überregionale Ausstrahlung der örtlichen Jugendarbeit. Mit über einer Million Euro ist Gröpelingen der Stadtteil mit dem größten Etat. Es folgen Osterholz (gut 900 000 Euro), Huchting (fast 700 000 Euro) und Blumenthal (630 000 Euro). Am unteren Ende stehen Schwachhausen (148 000 Euro), Horn-Lehe (144 000 Euro), Oberneuland (95 000 Euro) und Borgfeld (91 000 Euro).

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