Neuer Quartiersplatz eingeweiht

Lindenhofquartier hat neuen Treffpunkt

An der Ecke Goosestraße / Geeststraße ist der Willy-Hundertmark-Platz eingeweiht worden. Der neue Quartiersplatz erinnert an ein Bremer Urgestein, das bis 2002 ganz in der Nähe gelebt hat.
01.06.2019, 14:17
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Lindenhofquartier hat neuen Treffpunkt
Von Anne Gerling
Lindenhofquartier hat neuen Treffpunkt

Das Lindenhofquartier hat mit dem Willy-Hundertmark-Platz einen neuen Ort zum Verweilen bekommen.

Scheitz

In der neuesten Ausgabe des vom Ortsamt herausgegebenen Stadtplans für den Bremer Westen ist der Willy-Hundertmark-Platz schon zu finden. Der Platz beim Umspannwerk an der Ecke Geeststraße/Goosestraße ist kürzlich offiziell eingeweiht worden. Auf der Fläche, auf der bis vor einigen Jahren noch rote Ziegelhäuser für SWB-Mitarbeiter standen, wurde dabei sogar spontan getanzt. Ab sofort laden hier nun Hocker und Sitzbänke zu einer Pause oder einem Schnack mit den Nachbarn ein, auch ein Bierwagen könnte dort zu besonderen Anlässen aufgestellt werden. Unter der wunderschönen Rotbuche wachsen Farne und auch zum Umspannwerk hin grünt es.

Die rund 120 000 Euro für die Neugestaltung des Platzes sind über das Integrierte Entwicklungskonzept Gröpelingen (IEK) beschafft worden. Dass die Fläche noch nachträglich in das Programm aufgenommen wurde, ist dabei insbesondere Christina Vogelsang zu verdanken, die sich als Sachkundige Bürgerin für die Grünen im Beirat engagiert und mehrere Jahre für einen öffentlichen Platz an diesem Ort geworben hatte. Der Beirat hatte dies unterstützt und auch bei der SWB kam das Vorhaben an: Sie hat der Stadt die Fläche für 15 Jahre zur Verfügung gestellt.

Die Anregung, den Platz nach dem Bremer Urgestein, Kommunisten und Widerstandskämpfer Willy Hundertmark zu benennen, hatte wiederum 2017 die Linken-Beiratsfraktion ins Spiel gebracht. Hundertmark, 1907 im thüringischen Apolda geboren, wuchs im Ruhrgebiet auf, wo er als Schlosserlehrling bei den Krupp Stahlwerken in Essen der Gewerkschaft beitrat. Jahrzehnte war er engagiertes Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD, später DKP). Am 3. März 1933 wurde er verhaftet und in den Konzentrationslagern Sonnenburg und Brauweiler interniert.

Zu Kriegsbeginn ging er nach Bremen und erlebte das Kriegsende in Wildeshausen. „Zweimal wurde er aus der SPD ausgeschlossen, da er für eine Sozialistische Einheitspartei eintrat. Eine KPD gab es ja in Wildeshausen nicht“, schildert der stellvertretende Gröpelinger Beiratssprecher Raimund Gaebelein (Die Linke), der den 2002 verstorbenen Hundertmark auch persönlich gut kannte. 1947 hatte Hundertmark die Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus – später umbenannt in Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) – mitgegründet und ab 1979 organisierte er Führungen durch Bremen, in denen er Orte der Nazivergangenheit zum Thema machte. Damals gründete er außerdem mit dem evangelischen Pastor Ernst Uhl eine Initiative zum Austausch mit der Tschechischen Gemeinde Lidice. Das kleine Dorf westlich von Prag war am 10. Juni 1942 von den Nazis als Racheakt dem Erdboden gleichgemacht und die Bewohner ermordet worden.

Hundertmark ist 1986 für seine Friedensarbeit mit dem Friedenspreis der Villa Ichon und 1989 für seine deutsch-tschechische Versöhnungsarbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden – damals als einziger Kommunist in Deutschland.

Neben Willy Hundertmarks Töchtern Ulrike Lippold und Angelika Bathmann war auch Bremens ehemaliger Bürgermeister Jens Böhrnsen zur Einweihung des Platzes nach Gröpelingen gekommen. Denn Willy Hundertmark war seit 1948 mit Böhrnsens Tante ­Ottilie, kurz: Tilla, verheiratet, die sich beim Demokratischen Frauenbund Deutschland engagierte. Mit ihr lebte Willy Hundertmark bis zu seinem Tod am 15. Dezember 2002 an der Jadestraße 20, wenige Gehminuten vom neuen Willy-Hundertmark-Platz entfernt.

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