Modellprojekt regt zur Nachahmung an

Gemeinsam für einen sauberen Ohlenhof

Ein Modellprojekt von vier Wohnungsunternehmen in Gröpelingen soll zur Nachahmung anregen.
10.05.2021, 05:00
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Von Anke Velten
Gemeinsam für einen sauberen Ohlenhof

Bereichsleiter Robert Schleisiek an der Gewoba-Anlage Posener Straße. Dort berichtet er, welche Effekte die Aktion Sauberer Ohlenhof bereits erzielt hat.

Roland Scheitz

Ohlenhof. Der Ohlenhof soll sauberer werden: Bei diesem frommen Wunsch soll es nicht bleiben. Vor einer Woche haben die Wohnungsgesellschaften Brebau, Gewoba, Espabau und Vonovia einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, mit dem sie sich freiwillig verpflichten, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen und zu finanzieren. Die gemeinsame Initiative sei bremenweit einmalig – und auch im Rest der Republik zumindest sehr selten, erklärt Martin Karsten, Gebietsbeauftragter für den Bremer Westen im senatorischen Ressort für Stadtentwicklung. Bei den Kooperationspartnern hofft man auf einen nachhaltigen Effekt auf Sauberkeit und Sicherheit in der Nachbarschaft - und wünscht, dass das Projekt über die Ortsteilgrenzen hinaus zur Nachahmung anregt.

Seit Jahren erhebliche Anstrengungen

Hauswartbüros vor Ort, Sauberkeitsbeauftragte, mehrsprachige Informationskampagnen für die Mieterschaft, Dienstleisterverträge für zusätzliche Reinigungen an den Containerstandorten und um die Häuser: Es ist nicht so, dass es in den vergangenen Jahren nicht schon erhebliche Anstrengungen im Sinne eines ordentlichen Erscheinungsbildes gegeben hätte, schilderten Vertreter der beteiligten Wohnungsunternehmen dem Gröpelinger Beirat.

Bilanz: „Unsere intensiven Bemühungen haben nicht den Grad an Sauberkeit erreicht, den wir für uns und unsere Mieterinnen und Mieter wünschen“, heißt es seitens der Espabau. „Wir haben alle den Anspruch, dass unsere Mieterinnen und Mieter in schönen und sauberen Quartieren leben“, sagt Vonovia-Regionalbereichsleiter Timm Tebbe. „Aber wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen.“

Die „Sicherheitspartnerschaft Gröpelingen“ – das vom Innensenator vor zweieinhalb Jahren angeschobene Gemeinschaftsprojekt mit engagierten Akteuren und Einrichtungen im Stadtteil – hatte im Herbst 2019 die vier Unternehmen mit einem gemeinsamen Bestand von 2500 Ohlenhof-Wohnungen an einen runden Tisch gebracht. Ergebnis der Runde war ein Maßnahmenpaket, das schnell Wirkung zeigen soll, und mit dem die Gröpelinger Recycling-Initiative (GRI) beauftragt wurde.

Ab sofort werden GRI-Teams im Anschluss an jede Gelbe-Sack-Abholung den Müll beseitigen, der durch zerfledderte Säcke auf den Straßen übrig geblieben ist. Zudem werden sie in regelmäßigem Turnus das Umfeld der Mietshäuser reinigen. Die Wohnungsunternehmen selbst wollen aktiver auf die Bewohnerschaft zugehen und über korrekte Mülltrennung und -entsorgung informieren. Zunächst ist das Projekt auf ein Jahr befristet, in dessen Verlauf der Stand der Dinge beobachtet und abschließend bewertet wird. Wenn die Maßnahmen die gewünschte Wirkung zeigen, ist eine Fortsetzung geplant.

Alle gleichermaßen betroffen

„Es ist unser Anliegen, das gesamte Wohlgefühl unserer Mieterinnen und Mieter zu erhöhen“, erklärt Thorsten Schäper, Abteilungsleiter der Brebau. „Wir kamen schnell auf einen gemeinsamen Nenner“, berichtet Robert Schleisiek, Geschäftsbereichsleiter der Gewoba. Besonders beim „Riesen-Thema“ illegaler Müllentsorgung seien alle gleichermaßen betroffen – und die Verursacher seien in den meisten Fällen nicht in der Nachbarschaft selbst zu finden, so Schleisiek. „Es wurden schon Transporter mit Kennzeichen aus dem Umland beobachtet, die ihren Abfall entsorgten. Wir hoffen, dass die Hemmschwelle sinkt, Müll abzuladen, wenn das Umfeld sauber und gepflegt ist.“

Erste Effekte der gezielten gemeinsamen Anstrengungen seien bereits jetzt sichtbar und ermutigend. „Wir bekommen viel positives Feedback von unserer Mieterschaft. Das ist einfach super“, sagt Schleisiek. „Und es wäre ein Träumchen, wenn der Saubere Ohlenhof auch auf andere Quartiere im Stadtteil und darüber hinaus ausstrahlt“, sagt er.

Info

Zur Sache

Zu viel Müll in Gröpelingen

Laut Daten der Bremer Stadtreinigung (DBS) ist die Zahl der illegalen Müllablagerungen in Gröpelingen deutlich zurückgegangen. Während im ersten Quartal 2019 noch zwischen rund 250 und 330 illegale Müllhaufen im Stadtteil gezählt wurden, bewegt sich die Zahl seitdem auf einem recht konstanten durchschnittlichen Niveau von etwa 120. Ursächlich für den Rückgang sei eine bessere Organisation und Bearbeitung, heißt es seitens der DBS. Zufriedenstellend ist der Stand der Dinge allerdings noch lange nicht: Nach wie vor sei die Anzahl hoch, und Gröpelingen der Stadtteil mit dem größten Müllproblem.

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