Polizei kontrolliert drei Wohnhäuser

Müllrazzia in Gröpelingen

Illegale Müllkippen in bestimmten Quartieren von Gröpelingen stehen schon seit längerem im Fokus der Bremer Behörden. Am Donnerstag wurden dort drei Wohnhäuser kontrolliert. Mit erschreckenden Ergebnissen.
23.05.2019, 15:29
Lesedauer: 3 Min
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Müllrazzia in Gröpelingen
Von Ralf Michel
Müllrazzia in Gröpelingen

Jede Menge Müll, wo er nicht hingehört:(v.li.) Gerda Schüller (Ordnungsdienst), Sabine Jäkel (Stadtreinigung) und Ronald Gewiss (Ordnungsdienst) bei einem Rundgang in Gröpelingen im Februar dieses Jahres.

Christina Kuhaupt

Bei einer behördenübergreifenden Aktion gegen überbelegte Mietshäuser und Vermüllung haben Einsatzkräfte am frühen Donnerstagmorgen in Gröpelingen diverse Verstöße und teils verwahrloste Wohnverhältnisse festgestellt. Die Eigentümer der drei kontrollierten Gebäude werden hierfür nun zur Rechenschaft gezogen.

Grundlage für die Durchsuchung waren laut Innenbehörde konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Bewohner der drei Häuser erheblichen Wohnraummängeln ausgesetzt waren. Gemeint sind damit beispielsweise fehlende oder defekte sanitäre Anlagen, unzureichender Brandschutz oder auch Schimmel. Ermöglicht werden die Kontrollen durch das Bremische Wohnungsaufsichtsgesetz, das Mindeststandards für Wohnräume vorgibt. "Es geht dabei um den Schutz der Mieter", betont Jens Körber, Koordinator des Projekts "Sichere und saubere Stadt" in Bremen. "Wir kontrollieren nicht die Bewohner, sondern die Häuser."

Fündig in vielerlei Hinsicht

Tatsächlich wurden die Einsatzkräfte, die ab etwa 6.30 Uhr an den Türen von drei Altbremer Häuser im Gröpelinger Lignitzquartier klopften, in vielerlei Hinsicht fündig: Außer Baumängeln wurden Manipulationen an einem Gaszähler, Stromklau, Urkundenfälschung, unangemeldete beziehungsweise fehlende Mülltonnen und vollgestellte Rettungswege festgestellt, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Innen- und Baubehörde. Eine der überprüften Wohnungen war demnach so verschmutzt, dass eine Meldung ans Jugendamt erfolgte.

„Die Zustände in einigen der Wohnungen und Zimmer sind unhaltbar", bilanziert Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die Kontrolle. In einer der Wohnungen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner demnach ohne Warmwasser und Heizung auskommen. In einer anderen sind Teile der Decke eines Zimmers schwarz vor Schimmel. "Wir dürfen und werden nicht zulassen, dass Menschen in Bremen unter solch unwürdigen Bedingungen leben müssen.“

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Die Eigentümer müssen die Mängel nun in einer vorgegebenen Frist beheben. „Durch die heutige Aktion soll auch eine weitere Abwärtsspirale für das Quartier verhindert werden", betont hierzu Bausenator Joachim Lohse (Grüne). "Wir wollen zudem ein klares Signal an diejenigen senden, die in Bremen Profit aus ausbeuterischen Mietverhältnissen ziehen wollen."

Auch in anderer Hinsicht entdeckten die Behörden Auffälligkeiten. So wird jetzt in mehreren Fällen dem Verdacht auf Leistungsbetrug nachgegangen. Außerdem wurden Personen in den Häusern angetroffen, die dort nicht gemeldet sind. Im Gegenzug scheinen sich aber auch Bewohner, die an diesen Adressen gemeldet sind, dort schon länger nicht mehr aufzuhalten.

Die Aktion, an der neben Innen- und Bauressort auch Feuerwehr, Polizei, Jobcenter, Stadtreinigung, Energieversorger und das Amt für soziale Dienste beteiligt waren, war eingebettet in eine Vielzahl anderer Einsätze in Gröpelingen, die das Wohnumfeld in einigen Quartieren verbessern sollen. Dabei geht es zum einen um die Sicherheit, zum anderen um das Thema Sauberkeit. "Wir wollen verhindern, dass einzelne Stadtteile oder Quartiere wegkippen", benennt Jens Körber das Ziel der gemeinsamen Bemühungen, in die nicht nur die Behörden, sondern auch eine Vielzahl von Akteuren aus dem Stadtteil selbst eingebunden seien.

Meldedaten der Bewohner überprüft

Entscheidende Bedeutung kam dabei laut Innenbehörde dem neuen Ordnungsdienst zu, der im vergangenen Jahr seine Arbeit aufgenommen hat. Seit Anfang 2019 führt der Ordnungsdienst gemeinsam mit der Stadtreinigung Schwerpunktmaßnahmen in Gröpelingen durch, um insbesondere illegal abgelegten Müll auf den Straßen und in den Grünanlagen zu reduzieren. Dabei wurden nicht nur regelmäßig vollgestopfte Säcke mit Unrat entsorgt, sondern beim Gang von Haus zu Haus auch nach möglichen Ursachen der Vermüllung geforscht.

Im Zuge dieser Maßnahmen gerieten die drei jetzt überprüften Häuser besonders in den Fokus. Das Ordnungsamt überprüfte daraufhin in den vergangenen Wochen die Meldedaten der Bewohner dieser Häuser und trug zusammen mit anderen Behörden weitere Anhaltspunkte zusammen, die darauf schließen ließen, dass die Objekte überbelegt sein könnten beziehungsweise erhebliche Baumängel aufweisen.

++ Dieser Artikel wurde um 16:54 Uhr aktualisiert ++

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