Integriertes Entwicklungskonzept Gröpelingen

Schlüsselthema Fußverkehr

Für die Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzepts Gröpelingen gibt es aktuell 27 Projektideen, dabei ist Nahmobilität ein Schlüsselthema. Ende Juli wird die Projektentwicklungsphase abgeschlossen.
02.07.2020, 06:33
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Schlüsselthema Fußverkehr
Von Anne Gerling

Erst durch Fußgänger werden Straßen, Plätze, Quartiere und Städte lebendig. Der dänische Architekt Jan Gehl ist deshalb überzeugt, dass es nicht ausreicht, nur „Räume zu schaffen, die ein Kommen und Gehen ermöglichen; es müssen vor allem günstige Bedingungen geschaffen werden, um sich in diesen Räumen bewegen und aufhalten zu können. Erst so kann sich ein breites Spektrum sozialer und erholsamer Aktivitäten entfalten".

Während allerdings der Radverkehr in Bremen seit Jahren strategisch gefördert wird, fehlte bislang ein entsprechender Ansatz für den Fußverkehr – bis voriges Jahr im Verkehrsressort das Team Nahmobilität eingerichtet wurde, das sich nun systematisch darum kümmert, den Fußverkehr in der Stadt zu fördern.

Pilot-Gebiet, von dem sich die Stadt Erfahrungswerte auch für andere Stadtteile verspricht, soll Gröpelingen sein. Dort sollen demnächst speziell auf den Stadtteil zugeschnittene Maßnahmen entwickelt werden, sagt Sandra Reinert vom Team Nahmobilität, die kürzlich gemeinsam mit Jan Casper-Damberg vom Referat Stadtumbau im Gröpelinger Beirat zu Besuch war.

Hintergrund ist das vor sechs Jahren verabschiedete Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) Gröpelingen, an dessen Fortschreibung Casper-Damberg als Abschnittsleiter Stadterneuerung derzeit feilt, damit der Stadterneuerungsprozess in Gröpelingen in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben werden kann. Ein Hemmnis, mit dem er dabei zu kämpfen hatte: Der Workshop, über den Akteure aus dem Stadtteil an der Entwicklung von Projektideen beteiligt werden sollten, konnte wegen Corona nicht stattfinden.

Dennoch ist im Stadtteil zu sehen, dass es mit dem IEK voran geht: Etliche der 26 Projekte, die zwischen 2014 und 2020 mit Hilfe verschiedener Städtebaufördermittel von insgesamt knapp 18 Millionen Euro realisiert werden sollten, sind inzwischen tatsächlich verwirklicht worden. Etwa der neue Ballspielplatz im Grünzug West an der Stoteler Straße, das runderneuerte Café Vielfalt an der Lindenhofstraße, der neue Quartiersplatz an der Ecke Goosestraße/Geeststraße, der komplett neu gestaltete Pausenhof an der Grundschule Fischerhuder Straße gleich beim Quartiersbildungszentrum (QBZ) Morgenland, die vier neuen Großspielgeräte im Grünzug West oder auch der Greifswalder Platz, wo momentan die frühere Spielplatzfläche als Quartiersplatz für alle Anwohner hergerichtet wird.

Nun suchen die Verantwortlichen Projekte für eine neue Liste, die in die IEK-Programmatik passen und für die möglichst die Bedarfsträgerschaft bereits geklärt sein sollte – bei denen also klar ist, welche Stelle oder Einrichtung sich zukünftig um Pflege und Unterhalt kümmert. Dass es nämlich mit der Umsetzung einiger IEK-Projekte wie zum Beispiel einer Street-Workout-Anlage beim Freizi Gröpelingen extrem lange gedauert hat, hängt mit der Frage nach der Bedarfsträgerschaft zusammen. Manchmal gebe es zwar gute Projektideen, so Casper-Damberg – aber keine passenden Räume und Orte.

Ein Schlüsselthema in der IEK-Fortschreibung soll laut Casper-Damberg die systematische Einbindung des Fußverkehrs und der Nahmobilität in die Quartiersentwicklung werden, da hier Bezüge zu so gut wie jedem anderen Thema bestünden: „Der Fußverkehr ist wie keine andere Form der Mobilität verknüpft mit dem Ziel, attraktive und lebenswerte öffentliche Räume herzustellen. Und seine systematische Einbindung in die Quartiersentwicklung erfüllt die gesellschaftlichen Ansprüche an Themen wie Barrierefreiheit, Wohnverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Lebensqualität und städtebauliche Aufenthaltsqualität und nicht zuletzt auch an das Thema Gesundheit und Bewegung.“ Gröpelingen eignet sich nach Ansicht der Stadtentwickler ganz besonders als Quartier für die modellhafte Entwicklung und Umsetzung einer solchen Strategie, da es dort relativ wenig Menschen mit eigenem Pkw gebe und die Siedlungsstruktur vergleichsweise kompakt sei. Casper-Damberg: „Mit Projekten wie der Aufwertung des Grünzugs West, den grün-blauen Wegen, dem Ausbau des Mählandsweges sowie der Reattraktivierung der Gröpelinger Heerstraße gibt es bereits eine gute Anzahl Maßnahmen und Themen im IEK, die Teil dieser Fußverkehrs- und Nahmobilitätsstrategie in Gröpelingen werden können.“

Ein vorgefertigtes Maßnahmen-Paket zur Fußverkehr-Förderung gibt es nicht. Als mögliche Bausteine nennt Reinert attraktivere Zugänge zum Naherholungspark Grüner Bremer Westen, bessere Querungshilfen an stark befahrenen Straßen, Bänke zum Ausruhen oder Spazierwege-Empfehlungen per Chat.

Die Gröpelinger Beiratsmitglieder freuen sich darüber, dass ihr Stadtteil als Pilot-Gebiet ausgewählt worden ist. Eine harte Nuss dürfte es allerdings sein, Gröpelinger Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder zu Fuß zur Schule zu schicken anstatt sie mit dem Auto dorthin zu fahren, merkte schon mal Bildungsausschusssprecher Martin Reinekehr (SPD) an.

Insgesamt gibt es aktuell 27 mögliche IEK-2-Vorhaben, die Projektentwicklungsphase läuft noch bis Ende Juli. Casper-Damberg möchte nach der Sommerpause eine Vorlage für Senat und Deputation erarbeiten und plant für Oktober eine größere Informationsveranstaltung im Quartier.

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