Urteil im März 2018

Niels Stolberg tritt Haft in Oslebshausen an

Einst war er Schaffer bei der Schaffermahlzeit - die höchsten Weihen, die ein Kaufmann in Bremen erlangen kann. Am Montag hat Ex-Reeder Niels Stolberg seine Haftstrafe wegen Betrugs angetreten.
06.07.2020, 14:48
Lesedauer: 2 Min
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Niels Stolberg tritt Haft in Oslebshausen an
Von Jürgen Hinrichs
Niels Stolberg tritt Haft in Oslebshausen an

Niels Stolberg am Tag des Urteils gegen ihn. Der Ex-Reeder wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Frank Thomas Koch

Mehr als zwei Jahre nach dem Urteil gegen Niels Stolberg ist der Bremer Ex-Reeder am Montag ins Gefängnis eingerückt. Das hat der WESER-KURIER aus zuverlässiger Quelle erfahren. Stolberg war im März 2018 vom Landgericht Bremen wegen Kreditbetrugs und Untreue zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte gegen das Urteil Revision eingelegt. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der Widerspruch vom Bundesgerichtshof verworfen. Erst durch diese Entscheidung bekam das Urteil Rechtskraft.

Dass es bis zum Haftantritt in der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen trotzdem noch so lange gedauert hat, hängt nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit den medizinischen Untersuchungen zusammen, die der erkrankte Stolberg in den vergangenen Monaten über sich ergehen lassen musste. Auch Corona habe eine Rolle gespielt. Die Vollstreckung vergleichsweise geringer Strafen wird während der Pandemie von Fall zu Fall aufgeschoben.

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Stolberg hat einen jähen Absturz erlebt. Er gehörte mit seiner Schwergutreederei Beluga zu den erfolgreichsten Unternehmern in Bremen und hielt dem Anschein nach auch der Schifffahrtskrise stand. Tatsächlich steckte Beluga seit dem Jahr 2009 in argen Finanznöten. Stolberg, der seine Karriere 2008 als Schaffer bei der Bremer Schaffermahlzeit krönte, wählte als Ausweg den Betrug. Zusammen mit drei Managern der Reederei, die vom Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden, frisierte er die Bilanzen, um einen Investor zu angeln. Angebissen hatte der Hedgefonds Oaktree. Als die US-Amerikaner merkten, dass ihnen fingierte Zahlen über den Zustand von Beluga präsentiert worden waren, warfen sie Stolberg raus und zeigten ihn wegen Betrugs an. Im Jahr 2011 ging die Reederei in die Insolvenz.

Der Ex-Reeder hatte auch Banken betrogen. Um an Darlehen zu kommen, gab er beim Bau seiner Schiffe falsche Preise an. Die Eigenkapitalquote ging auf diese Weise gegen null. Die Banken zahlten deutlich mehr, als sie es üblicherweise getan hätten.

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Stolberg wird mindestens zwei Wochen Tag und Nacht im Gefängnis bleiben, abgesondert von den anderen Insassen. Das ist wegen Corona zurzeit üblich. Danach dürfte er sofort in den offenen Vollzug wechseln, also tagsüber die Haftanstalt verlassen. Voraussetzungen dafür sind, dass die Strafe nicht mehr als vier Jahre beträgt, der Gefangene über einen festen Arbeitsplatz und Wohnsitz verfügt und nicht in Verdacht steht, weitere schwere Straftaten zu verüben.

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