Kleingärtner-Befragung „Stadt sollte allen Seiten gerecht werden“

In der Waller Feldmark könnte eine Bauwagengruppe durchaus ihren Platz finden – sie müsste aber auch etwas dafür tun: Das meint die frühere Grünen-Beiratspolitikerin Cecilie Eckler-von Gleich.
11.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Stadt sollte allen Seiten gerecht werden“
Von Anne Gerling

Frau Eckler-von Gleich, die Stadt möchte mit der Ölhafen-Crew einen Nutzungsvertrag für das von ihr seit zwei Jahren besetzte Grundstück am Hagenweg aushandeln. Um dabei mögliches Konfliktpotenzial aus dem Weg zu räumen, konnten bis zum 5. Januar Parzellisten, Vereine und Eigentümer von Eigenlandparzellen ihre Wünsche äußern. Sie haben sich an der Befragung beteiligt. Warum?

Cecilie Eckler-von Gleich: Ich habe selbst seit über 35 Jahren eine Parzelle in der Feldmark – inzwischen Eigenland – und leidvolle Erfahrungen mit dem Bauressort. Und das Thema Waller Feldmark hat mich in meiner langen Beiratsarbeit immer wieder beschäftigt. Aus meiner Sicht sollte es bei dem Thema nicht um eine Polarisierung gehen, aber um Klarstellungen und um gleiches Recht für alle. Dabei muss meiner Ansicht nach die Stadt für alle Beteiligten in dem Grüngebiet etwas tun, nicht nur für die Ölhafen-Crew. Es gibt viele Forderungen, die auch die Situation der Kleingärtner und Kleingärtnerinnen verbessern würden. Darum ist meine Position, dass es genauso einen Forderungskatalog des Kleingartengebietes geben sollte für die geplante Aufwertung zum Naherholungsgebiet, ohne dass man nun einfach „weg mit der Ölhafencrew“ fordert. Die Stadt sollte allen Seiten gerecht werden, und es sollte zum Beispiel endlich auch Mittel für die Feldmark geben. Es gab ja drei Jahre lang Bundesmittel zur Aufwertung des Naherholungsgebietes. Dieses Konzept muss vonseiten der Stadt fortgeführt werden. Hervorragende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wie Thomas Knode und Lisa Hübotter sind bestens eingearbeitet – ihnen fehlen aber die Mittel.

Wie sind denn Ihre Erfahrungen als Parzellistin mit dem Bauressort?

Meiner Erfahrung nach legen dort einige Mitarbeiter unverhältnismäßig Regelungen des Kleingartengesetztes gegen die Interessen der Kleingärtner aus, belegen diese mit Bußgeldern und verfolgen das auch gerichtlich. Das ist verschwendete Arbeitszeit, die im Ressort wesentlich besser genutzt werden könnte. In der Waller Feldmark kommt außerdem das Problem der Kaisenhäuser schwerwiegend dazu. Hier fährt die Stadt im Zick-Zack-Kurs und kann immer noch kein klares und sinnvolles Konzept für noch gut erhaltene Kaisenhäuser vorlegen. Auf der anderen Seite gibt es verwahrloste Kaisenhausgrundstücke, die schon viele Jahrzehnte das gesamte Kleingartengebiet belasten. Die Bereinigung des Gebietes – die Stadt übernimmt die Kosten für die Entsorgung verfallener Gebäude und verwahrloster Grundstücke und setzt die Flächen als Grünflächen oder als neu zu nutzende Kleingärten wieder instand – wurde nicht wirklich weiter verfolgt. Die finanziellen Mittel dafür wurden im Haushalt einfach gestrichen, sodass entsprechende Parzellen allen im Grüngebiet weiterhin ein Dorn im Auge sind.

Wie stehen Sie zu der vom Bauressort angestrebten Nutzungsvereinbarung mit der Ölhafen-Crew?

Also die Waller Feldmark ist die grüne Lunge des Stadtteils Walle. Das Gelände am Hagenweg, die Flächen der Kleingartenvereine und private Eigenland-Parzellen – all dies gehört zum dauerhaften Grüngebiet und unterliegt einem entsprechenden Bebauungsplan. Aus meiner Sicht ist es mehr als problematisch, wenn die Behörde hier den Hagenweg wegen der Bauwagengruppe aus diesem Grünkonzept herauslösen will. Die Flächen am Hagenweg gehören der Stadt, ähnlich wie inzwischen von der Stadt übernommene Parzellengrundstücke, die brach lagen. So konnte die Stadt dort auch Projekte wie den Verein Internationaler Garten und das Waller Umweltpädagogik Projekt WUPP ansiedeln. Beide Projekte haben allerdings den Aspekt ökologischer Nutzung im Zentrum und passen sich dem Kleingartengebiet besser an.

Passt also die Ölhafen-Crew nicht zu Ihrer persönlichen Zukunftsvision für die Waller Feldmark?

Ich habe nichts dagegen, dass sie dort bleiben. Die Waller Feldmark ist im Vergleich zu anderen Kleingartengebieten in Bremen ein sehr großes Grüngebiet und hat wegen der Geschichte der Kaisenhäuser und des hohen Anteils an Eigenlandparzellen und Grundstücken einen besonderen Charakter. Das Gebiet ist wesentlich grüner, hat einen sehr alten Baumbestand und ist ungeordneter als andere Kleingartengebiete. Dies hat einen großen Charme. Außerdem gelangt man über die Feldmark direkt zum Waller See und Richtung Wümme, es ist also ein besonderes Grüngebiet. In diesem Grüngebiet haben der Kleingartenverein und der Eigenland-Parzellist genauso wie der Bienenzüchter und ökologische Projekte ihren Platz. Auch eine Bauwagengruppe könnte hier ihren Platz finden – genauso könnte ich mir am Rand des Gebietes Tiny-Houses vorstellen, wenn sie sich ökologisch orientieren. Ein Abstellplatz für Autos entspricht aber nicht unbedingt diesen Prinzipien.

Ist dies als Forderung an die Bauwagengruppe zu verstehen?

Ja. Die Ölhafen-Crew muss, wenn sie in der Feldmark wirklich ankommen will, etwas dafür tun. Soll heißen: Sie muss sich stärker in das Grüngebiet einbinden und genauso ökologische Auflagen erhalten und einhalten. Bei einer längerfristigen Nutzung müssen klare Auflagen vertraglich festgehalten werden. Dazu gehören auch die Anzahl der Personen und Wagen auf dem Gelände, ökologische Auflagen und natürlich ein Müllkonzept.

Das Gespräch führte Anne Gerling.

Info

Zur Person

Cecilie Eckler-von Gleich (68)

hat bis 2017 das Kulturhaus Walle Brodelpott geleitet. Als Bremer Grüne der ersten Stunde vertrat sie ihre Partei von 1991 bis 2019 im Waller Beirat. Sie engagiert sich außerdem im Vorstand des 2011 eröffneten Kaisenhausmuseums am Behrensweg in der Waller Feldmark.

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