Alte Apfelsorten

Erntesaison von Juli bis November

Veredeln, auslichten, ernten: Hobby-Gärtner Martin Brzostowski erhält in seinem Kleingarten in Oslebshausen alte Apfelsorten, indem er seit 1991 selbst Bäume züchtet. Seit Juli läuft bei ihm die Erntesaison.
31.08.2020, 05:00
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Erntesaison von Juli bis November
Von Anne Gerling

„Der Augustapfel ist mein Lieblingsapfel“, sagt Martin Brzostowski, während er die letzte der grün-gelben Früchte, die auch Weißer Klarapfel heißen und schon ab Mitte Juli reif sind, vom Baum pflückt. Die Apfelsaison ist für den Hobbygärtner und Apfel-­Fan damit aber keinesfalls beendet.

„Mein Plan war, dass ich so früh wie möglich und etwa bis zum ersten Frost Äpfel ernten kann“, sagt der 63-jährige Gröpelinger, der täglich zwei Äpfel isst – am liebsten roh. Dementsprechend habe er ganz bewusst verschiedene alte Apfelsorten ausgewählt, die er noch aus seiner Kindheit auf dem Land in Polen kenne und nun selbst kultiviere: Bewährte Sommer-, Herbst- und Winteräpfel, die zum Teil bis Februar oder März gelagert werden können.

Das Besondere dabei: Brzostowskis Bäume stammen nicht etwa aus einer Baumschule oder Gärtnerei. Der experimentierfreudige Gröpelinger wollte seine Bäume nämlich unbedingt selber züchten. Und das tut er mittlerweile seit 1991 auf seiner Parzelle in Oslebshausen: „Ich habe angefangen, Lehrgänge zu machen, und dann ging das los.“ Das passende Spezialwerkzeug – etwa ein extrem scharfes Veredelungsmesser, Baumsäge und Gartenschere – durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Dann begann Brzostowski damit, von den Apfelsorten, die ihm gefielen, so genannte Reiser zu sammeln – Zweige, mit denen Bäume veredelt werden können: Ein Edelreis, das noch nicht ausgetrieben hat, wird schräg angeschnitten und in einem Stamm – der „Unterlage“ zwischen Rinde und Holzteil eingefügt. Die Pfropfstelle wird mit Bienenwachs und Bast luftdicht abgeschlossen.

Als Unterlage für die Veredelung nutzt er dabei am liebsten Apfelbäumchen, die auf Brachflächen irgendwo im Stadtteil aus Apfelkernen wild gewachsen sind. Bis zu drei verschiedene Apfelsorten wachsen an den Bäumen, die Brzostowski auf diese Weise schon kreiert hat. Auch ein alter Apfelbaum, den er einst mit dem Garten übernommen hatte, dient dem Apfel-Fan als Unterlage für andere Sorten.

„Äpfel müssen Luft haben. Wenn man was ernten will, muss man zweimal im Jahr schneiden“, weiß Brzostowski mittlerweile aus eigener Erfahrung. Professionelle Obstbauern machten dies immer im Winter: „Weil sie dann Zeit haben.“ Der beste Zeitpunkt sei aber eigentlich im August, gleich mit der Ernte. „Mit viel Sonne heilt es besser“, sagt der Gröpelinger, der sich gut vorstellen kann, sein Wissen über das Veredeln und die Pflege von Obstbäumen in Zukunft auch an andere weiterzugeben.

Dass das Apfel-Angebot in den Supermärkten sich auf wenige Sorten beschränkt und die vielen schönen alten Äpfel mit so klangvollen Namen wie Goldparmäne, Krügers Dickstiel oder Geheimrat Dr. Oldenburg immer mehr in Vergessenheit geraten, gefällt ihm nämlich gar nicht. Gerne würde er deshalb aktiv dazu beitragen, die Sortenvielfalt zu bewahren: „Wenn jeder in seinem Garten ein oder zwei Bäume hat, das hilft ja schon.“

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