Polizei Seine Berufswahl hat er nie bereut

Viele Hände hat der Oslebshauser Kontaktpolizist Holger Nolte in den vergangenen Wochen geschüttelt: Der Polizeioberkommissar ist nach fast 41 Dienstjahren zum 1. März in den Ruhestand gegangen.
02.03.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Seine Berufswahl hat er nie bereut
Von Anne Gerling

Dieser 2. März ist für Polizeioberkommissar Holger Nolte ein ganz besonderer Montag: der erste Werktag zuhause nach fast 41 Dienstjahren. Der Oslebshauser Kontaktpolizist (Kop) ist nämlich seit dem 29. Februar im Ruhestand.

Nach dem Abitur an der Langen Reihe hatte der gebürtige Gröpelinger eigentlich Germanistik und Sport studieren und Lehrer werden wollen. „Ich wollte mit Menschen zu tun haben und was bewirken. Damals war aber Lehrerschwemme und die Studien-Aussichten nicht ganz so positiv“, erzählt er – so habe er sich bei Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr beworben: „Bremen sagte zu und als Bremer Jung griff ich zu.“ Im September 1979 rückte er zur Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in die Kaserne in Huckelriede ein, wo die jungen Polizeianwärter damals unter der Woche auch übernachteten. „Wir sind noch mit Stahlhelm und Gewehren durch die Botanik marschiert, das war eine paramilitärische Ausbildung.“ Die Dienstwaffe kam aber nie zum Einsatz. Nur einmal habe er durchgeladen, als er sich alleine einem bewaffneten Einbrecher gegenübersah: „Der hat sein Messer dann zum Glück gleich fallengelassen.“

Nolte war gerade mit der Grundausbildung durch, als es am 6. Mai 1980 bei der Bundeswehr-Rekrutenvereidigung im Weser-Stadion zu blutigen Krawallen kam. „Wir haben den Lärm auf der anderen Seite der Weser gehört.“ Ein mulmiges Gefühl, denn fast wären damals auch die jungen Polizeischüler noch zum Einsatz gekommen. Nach zwei Jahren an der Wache Sandstraße war Nolte später dann lange am Gröpelinger Revier tätig.

Bereut hat der 62-Jährige seine Berufswahl nie: „Es hat sich aber so gewandelt, dass ich sage: Das ist nicht mehr so meine Polizei.“ In den 80ern seien nur die ältesten Kollegen auf dem Wagen gewesen: „Man hat sich sein Revier erlaufen und kannte sich aus, weil man praktisch auf jeder Gehwegplatte seinen Fußabdruck hinterlassen hat. Damals sind fünf bis sechs Mann durchs Revier gelaufen und auch nachts gab es Doppelschichten. Das ist in der Form heute leider nicht mehr machbar.“

Immerhin: Ab 2014 war Nolte als Kop nah dran an den Oslebshausern. „Ich habe viele nette und schöne Dinge erlebt. Die Präventionsarbeit hat mir viel Spaß gemacht“, sagt er. Wo er ein offenes Fenster sah, klingelte der Polizeioberkommissar gelegentlich, um vor Einbrechern zu warnen. Ein besonderes Auge hatte er auf die vielen Senioren – lange beschäftigte ihn etwa ein älterer Herr, der regelmäßig durch die Straßen irrte. „Seine Kinder meinten, er käme klar. Dem war aber nicht so, ich habe dann auch die Sozialbehörde eingeschaltet.“ Das Schöne an Oslebshausen: „Oft hielt in solchen Fällen jemand an und sagte: Das ist der und der und der wohnt da und da. Ich nehme euch mit!“

Auch die Arbeit mit Kindern hat Nolte stets Freude bereitet. „Bei der Schulwegsicherung am Montagmorgen haben die Kinder erzählt, was sie am Wochenende gemacht haben.“ Durch sie wurden wiederum bei den Eltern Berührungsängste abgebaut: „Die Leute hätten mich auf der Straße ansonsten wahrscheinlich seltener angesprochen.“ Eine große Freude waren die Besuche auf dem Verkehrsübungsplatz mit den Viertklässlern der Grundschule an der Oslebshauser Heerstraße, die bis vor einigen Jahren noch täglich zur Dependance Humannstraße radelten, schwärmt Nolte: „Die konnten Fahrrad fahren!“ Eltern-Taxis wiederum hätten einen großen Bogen gemacht, wenn er in der Nähe war.

Zum Fastenbrechen war er im Übergangswohnheim eingeladen und auch oft in der Kirchengemeinde zu Besuch. Kein Zweifel: Nolte war gut vernetzt – so gut, dass sogar ein Kollege oft mit „Hallo Herr Nolte“ begrüßt wurde. In den vergangenen Wochen hat sich der Kop in Kitas, Schulen, Seniorenheimen, beim Bürgerverein, bei der Kirche und beim Sander-­Center persönlich verabschiedet: „Die Zeit war gut. Alles hat seine Zeit.“

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