Sozialmonitoring

Sozialdaten für Gröpelingen sind alarmierend

Besonders viele Hartz-IV-Familien, ein hoher Zuzug und viele Kinder mit Förderbedarf: Die aktuellen Sozialdaten für Gröpelingen zeigen weiterhin einen großen Handlungsbedarf.
27.10.2019, 22:34
Lesedauer: 3 Min
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Sozialdaten für Gröpelingen sind alarmierend
Von Anne Gerling

Etliche Tabellen, Diagramme und Zahlen sind kürzlich im Quartiersbildungszentrum Morgenland (QBZ) präsentiert worden. Es ging dabei um das Stadtmonitoring – eine Langfrist-Erhebung zu bestimmten Kenngrößen im Rahmen der Stadtentwicklung – und daraus resultierende Empfehlungen zum Förderprogramm „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN), das die alltäglichen Wohn- und Lebensbedingungen in benachteiligten Quartieren verbessern soll.

37.600 Menschen leben aktuell in Gröpelingen, dessen größter Ortsteil mit mehr als 10.000 Einwohnern Ohlenhof ist. Wenn Barbara Rösel vom Statistischen Landesamt Bremen die demografische Situation in Gröpelingen unter die Lupe nimmt, dann fallen ihr einige bemerkenswerte Punkte auf. Etwa dieser: „Gröpelingen ist in den letzten Jahren gewachsen. In den letzten fünf Jahren gibt es ein Plus von 5,7 Prozent – das ist deutlich mehr als in der Gesamtstadt.“ Die höchste Wachstumsrate sei dabei im Ortsteil Lindenhof (6,7 Prozent) und die niedrigste im Ortsteil Ohlenhof (4,4 Prozent) zu verzeichnen.

Gröpelingen gehört zu den jüngsten Stadtteilen

Einen deutlichen Anstieg gebe es dabei in der Altersgruppe der Unter-18-Jährigen: „Es sind also viele Kinder und Jugendliche hergekommen.“ Zugenommen habe außerdem die Gruppe der 25- bis 65-Jährigen, während der Bevölkerungsanteil von Menschen über 65 Jahren stagniere, sagt Rösel: „Gröpelingen ist also jünger geworden, das ist besonders deutlich im Ortsteil Gröpelingen zu sehen, der mit zu den jüngsten Stadtteilen in ganz Bremen gehört und wo die Gruppe der Über-65-Jährigen deutlich abgenommen hat.“ Das Durchschnittsalter in Gröpelingen liege dabei mit 40,6 Jahren fast drei Jahre unter dem stadtweiten Durchschnittsalter.

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Auffällig ist Rösel zufolge auch dies: „Seit einigen Jahren werden hier mehr Menschen geboren als sterben.“ Gröpelinger Frauen bekommen demnach deutlich mehr Kinder als im städtischen Durchschnitt – und sind dabei auch deutlich jünger. Gleichzeitig gebe es ein Zuzugs-Plus: „Es ziehen mehr Leute hin als wieder weg.“ Dabei handele es sich insbesondere um Menschen unter 65 Jahren. Auch hätten 70 Prozent der hinzuziehenden Kinder einen Migrationshintergrund. Aktuell hätten dabei 56,4 Prozent der Bewohner im Stadtteil einen Migrationshintergrund, während bremenweit 37,8 Prozent der Bevölkerung Wurzeln in anderen Ländern hätten.

Auch was die sogenannten SGB-II-Bedarfsgemeinschaften betrifft – also Hartz-IV-Empfänger und deren Familien – sticht Gröpelingen mit einem Anteil von 28 Prozent ins Auge. Im gesamten Stadtgebiet nämlich sind 12,7 Prozent aller Haushalte SGB-II-Bedarfsgemeinschaften. Und während in Gröpelingen mehr als 50 Prozent der Kinder unter 15 Jahren sogenannte Leistungsbezieher sind, liegt diese Quote stadtweit bei 30 Prozent.

Weniger Abiturienten

Von den derzeit 3800 Gröpelinger Schülerinnen und Schülern haben dabei Rösel zufolge 12,5 Prozent einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Eine Zahl, die aufhorchen lässt, ist außerdem die Abiturquote in Gröpelingen. 12,7 Prozent der Schülerschaft verlassen dort die Schulen mit der Hochschulreife. Deutlich weniger also als stadtweit (29 Prozent) oder in Oberneuland (74 Prozent).

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Die Herausforderungen, vor denen Kitas, Schulen und Akteure im Stadtteil stehen, werden anhand dieser Zahlen greifbar. Laut Stadtmonitoring sind sie in Gröpelingen drei- bis viermal so groß wie in allen anderen WiN-Gebieten. Rita Sänze, WiN-Quartiersmanagerin für Gröpelingen, hofft, dass auch die Stadtentwicklungspolitik auf die Daten reagiert. Im September war im WiN-Evaluationsbericht empfohlen worden, die Basisförderung von 150.000 Euro pro Jahr für Gröpelingen als einziges Bremer WiN-Gebiet um 75.000 Euro zu erhöhen. „Ich hoffe, dass das Budget auch wirklich aufgestockt wird. Der Haushalt wird aber erst im Sommer stehen, sodass wir nicht davon ausgehe können, dass es schnell mehr Geld gibt“, sagt Sänze, die frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit zusätzlichen Mitteln rechnet. Sie ist aktuell dabei, die Planung für das nächste Jahr vorzubereiten und dabei inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. „Ich glaube, dass Gröpelingen noch stärker zusammenrücken und auf sich aufmerksam machen muss“, sagt die Quartiersmanagerin. So habe das Beispiel Osterholz-Tenever gezeigt, dass sich starke Lobby-Arbeit positiv auswirke.

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