Inklusion mit Chutney und Hopfenessig

"Soziale Manufakturen" in Gröpelingen suchen Verstärkung

Unter dem gemeinsamen Dach der „Sozialen Manufakturen“ werden seit zwei Jahren Qualitätsprodukte Made in Gröpelingen vermarktet. Hier wird dringend Verstärkung für das inklusives Verkaufsteam gebraucht.
12.05.2019, 18:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Unter dem gemeinsamen Dach der „Sozialen Manufakturen“ werden seit zwei Jahren Qualitätsprodukte Made in Gröpelingen vermarktet. Sie sind gut gemacht, sehen gut aus, funktionieren gut – und sie tun gut. Denn wer sie kauft, fördert automatisch die Chancen benachteiligter Menschen in Bremen. Sie stammen aus Produktionsstätten, in denen manches etwas anders und einfach menschlicher abläuft. Um ihren Beschäftigten noch viel mehr Arbeit zu machen, wollen die Sozialen Manufakturen in diesem Jahr richtig loslegen, und brauchen dafür dringend Verstärkung für ihr inklusives Verkaufsteam.

Menschen, die Lust haben, die Produkte auf Märkten, Festen und Festivals unter die Leute zu bringen, können sich jetzt für den neuen Fortbildungsdurchgang anmelden. Gröpelingen Marketing ist der Träger der bundesweit einmaligen verkaufsfördernden Kooperation, die kürzlich mit dem erstmals vergebenen Nachbarschaftspreis der SPD ausgezeichnet wurde. Beim Arbeitgebertrio handelt es sich um den Martinshof, die Gesellschaft für integrative Beschäftigung (Gib) und die Justizvollzugsanstalt Bremen (Jva). Alle drei schaffen Arbeitsplätze für Menschen, denen es aus unterschiedlichen Gründen, dauerhaft oder zeitweise schwer bis unmöglich ist, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Bundesweite Aufmerksamkeit

Die Produkte ihrer Arbeit sind allemal gefragt. „Wir sind nicht nur die Sozialfuzzis“, betont Gib-Geschäftsführer Michael Scheer. „Wir produzieren nach hochprofessionellen Standards konkurrenzfähige und zeitgemäße Dinge mit besonderem Charme.“ Dass die Mitarbeiter am Martinshof-Standort Schiffbauerweg seit Jahren unter anderem feine Konfitüren, Kaffees oder Tees herstellen, dürfte bekannt sein.

Die Gib, die Menschen mit psychischer oder seelischer Beeinträchtigung beschäftigt, beliefert mit den Erzeugnissen ihrer Gemüsewerft vor allem die eigene Gastronomie im Café Brand. Außerdem wird an der Basdahler Straße und am Europahafen erfolgreich Hopfen gezogen, aus dem eine Bremer Brauerei Craft-Bier braut. Die Mitarbeiter bauen aber auch moderne hölzerne Hochbeete, die schon für diverse öffentliche Orte in Bremen geordert wurden.

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Dritter im Bunde ist die Justizvollzugsanstalt Bremen, die vor einigen Jahren mit ihren Saucen und Chutneys der Marke „Knasteria“ bundesweit Aufmerksamkeit erregte, weil die Delikatessen vor den Augen der Zuschauer gemeinsam mit einem prominenten Fernsehkoch entwickelt wurden. Bestseller im Sortiment der Sozialen Manufakturen sind aber auch die soliden handwerklich gefertigten Edelstahlgrills aus der JVA-Schlosserei. Eines der jüngsten Produkte ist aus einer Kooperation entstanden: Hopfen der Sorte „Hallertauer Tradition“, der auf der Gib-Plantage an der Weser geerntet wurde, wird im Martinshof zu einem aromatischen Hopfenessig verarbeitet.

Die Produkte können derzeit im Online-Shop der Sozialen Manufakturen sowie in den Martinshof-Shops in der Innenstadt und am Airport bezogen werden. Vorgestellt wurde das Sortiment in den vergangenen Monaten auf ausgewählten Veranstaltungen wie der Breminale und der Genießer-Messe „Fisch und Feines“. In Zukunft wollen sich die Sozialen Manufakturen noch viel öfter und regelmäßiger in der Stadt zeigen. Geplant ist, dass künftig drei Mal pro Woche der Marktwagen mit einer Auswahl der Produkte in Bremen unterwegs ist.

Neuer Qualifizierungskurs startet im Juni

Die Präsenz vor Ort soll nicht nur den Bekanntheitsgrad der Marke erhöhen. Sie soll vor allem Inklusion im Alltag lebendig und selbstverständlich machen. Von der Begegnung und der persönlichen Kommunikation miteinander profitieren beide Seiten – die Beschäftigten und ihre Kundschaft, erklärt Bettina Siebert-Kossmann aus dem Martinshof-Vertrieb. Das schließt geschäftliche Ambitionen keineswegs aus, so Scheer: „Wir wollen uns über Bremen hinaus einen Namen machen. Denn unser Ziel ist es, irgendwann so viel zu erwirtschaften, dass wir sozialversicherungspflichtige Beschäftigung anbieten können.“

Im Juni startet der neue Qualifizierungskurs für das Vertriebsteam der Sozialen Manufakturen. Zu den Lerninhalten gehört der Umgang mit dem digitalen Kassensystem, das Trainieren von Kundengesprächen und Verkaufsstrategien. Außerdem spielt der Bereich „E-Commerce“ eine wichtige Rolle, denn der Online-Shop www.sozialemanufakturen.de soll als Vertriebsweg ausgebaut werden. Erfahrungen im Verkauf sind keine Voraussetzung, aber die Bereitschaft, auch an den Wochenenden unterwegs zu sein. Menschen mit eingeschränkter Erwerbsbefähigung, die kein Arbeitslosengeld II erhalten, können sich für nähere Informationen unter der Rufnummer 0421 277 70 77 an Svenja Weber wenden. Das inklusive Projekt wird vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Bremen gefördert.

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