Nach Ausschreitungen in Oslebshausen Starja-Center plötzlich nicht mehr nur ein Party-Ort

Zwei Massenschlägereien in kurzer Zeit am selben Ort: Als Reaktion auf die Vorfälle im Bremer Stadtteil Oslebshausen will die Polizei enger mit den Besitzern des Starja-Centers zusammenarbeiten.
18.07.2018, 06:15
Lesedauer: 3 Min
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Starja-Center plötzlich nicht mehr nur ein Party-Ort
Von Nina Willborn

Besonders viel Romantik versprüht das Starja-Event-Center in der Schragestraße von außen erst mal nicht. Trotzdem ist der Flachbau mit rot-weißer Fassade, der früher mal zu einer Druckerei gehörte, sehr beliebt als Ort für Hochzeiten und Verlobungsfeiern – zumal solchen, die aufgrund ihrer hohen Zahl an Gästen sehr viel Platz benötigen. Innen hat die Halle eine Fläche von 1250 Quadratmetern, im Außenbereich gibt es noch mal knapp 5500: Bis zu 1000 Menschen kann man hier problemlos unterbringen.

Je nach Veranstaltung – auch für Kongresse, normale Partys oder Konzerte ist das Starja-Center buchbar – und entsprechend den Wünschen der Gastgeber wird der Großraum gestaltet und dekoriert. Die Hussen der Stühle in allen möglichen Farben, ebenso der Blumenschmuck auf den Tischen, ob es eine eigene Bühne, von der aus das Brautpaar seine Feier verfolgen kann, geben soll und wie orientalisch-opulent das Mobiliar darauf sein darf, ob mit extra abgestimmtem Lichtkonzept oder ohne: Der Fantasie sind, das zeigen auch die Bilder auf der Homepage, keine Grenzen gesetzt. Entsprechend begeistert äußern sich Gäste bei ihren Bewertungen in den sozialen Netzwerken.

Zwei Massenschlägereien im Starja-Center

Für Aufregung hat das Starja-Center jetzt aber zwei Mal wegen des Unmuts von Party-Besuchern gesorgt, der in handfesten Massenschlägereien geendet war. Auf einem Zusammentreffen einer Großfamilie am 2. Juni – ob dort eine Hochzeit oder Verlobung gefeiert wurde, klärt die Polizei noch – waren etliche Gäste ausgerastet und hatten sich untereinander und nach deren Eintreffen auch mit den Beamten geschlagen. Am Sonntag hatte es den nächsten Vorfall gegeben: Während eines Hochzeitsfestes mit Gästen aus der Türkei und dem Irak prügelten sich 30 bis 40 Teilnehmer der Festgesellschaft.

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Die Eigentümer des Starja-Centers wollen offiziell nicht genannt werden. Normal sei es aber nicht, dass es in ihren Räumlichkeiten zu Ausschreitungen komme, sagt einer der Besitzer. Seit 1999 vermiete man im Schnitt an mehr als 100 Hochzeiten pro Jahr, darunter türkische, russische, kurdische, iranische, auch singhalesische oder tamilische, ein Mal habe auch ein Werderspieler bei ihnen gefeiert. Alles ohne größere Probleme, mit zufriedenen Kunden. Auch mit den Nachbarn habe es noch nie Probleme gebeben, das bestätigt auch Manager Henrik Sander vom nahen Einkaufszentrum. Dass es jetzt die Vorfälle innerhalb kurzer Zeit waren – Zufall.

Reaktionen auf die Vorfälle

Es kursiert allerdings das Gerücht, dass eine Großfamilie beide Feiern veranstaltet haben könnte. Die Polizei gibt dazu keine Stellungnahme ab und verweist auf die laufenden Ermittlungen. Die Beamten jedenfalls kennen das Starja-Center und seine Besitzer, hatten es bislang aber nicht als Ort mit erhöhtem Gewalt-Potenzial auf dem Zettel. Im vergangenen Jahr habe es drei Einsätze gegeben, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen, allerdings keinen wegen einer Massenschlägerei. Als Reaktion auf die aus dem Ruder gelaufenen Feiern soll nun intensiver mit den Besitzern gesprochen werden. Matthiesen: "Es erfolgen weitere Abstimmungen, um Störungen frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen Konflikten besser zu begegnen. Dabei wollen wir auch das Ordnungsamt mit einbeziehen."

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Grundsätzlich erfassen die Bremer Beamten es nicht statistisch, wenn Hochzeiten in Gewalt enden. Abgesehen von den beiden aktuellen mussten laut Matthiesen in diesem Jahr noch keine Kollegen aufgrund von Ärger nach dem Ja-Wort ausrücken. Man könne auch nicht von einem Phänomen sprechen, weil die Polizei jeden Fall gesondert betrachtet und entsprechend der begangenen Straftaten (zum Beispiel Landfriedensbruch oder gefährliche Körperverletzung) erfasst. Matthiesen: "Die Bewertung ist schwierig, da die Ereignisse polizeilich nur bekannt werden, wenn es in den privaten Räumlichkeiten Probleme gibt, die zu Anrufen oder Anzeigen bei der Polizei Bremen führen."

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