Neue XXL-Sportgeräte im Grünzug West

XXL-Einladungen zur Bewegung

Der Grünzug West bekommt vier neue Hingucker: Dort werden seit September mit Städtebau-Fördermitteln eine Schaukel, eine Klimmzugstange und eine Rutsche im XXL-Format sowie ein Balancierparcours aufgebaut.
21.11.2019, 07:34
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XXL-Einladungen zur Bewegung
Von Anne Gerling
XXL-Einladungen zur Bewegung

Nicht zu übersehen: Die neue Riesen-Dreier-Schaukel zwischen Freizi und Westbad, bei der sich kürzlich mehrere Akteure trafen.

Roland Scheitz

Sie sind rot, blau und so groß, dass man sie definitiv nicht übersehen kann: Im Grünzug West werden seit etwa zwei Monaten neue Sportgeräte aufgebaut, die demnächst ohne viel Aufwand oder eine teure Ausrüstung ganz unkompliziert von allen benutzt werden können.

Insgesamt sind es vier große Hingucker, die Lust auf Bewegung machen sollen: Zwischen dem Freizi Walle und dem Westbad steht eine große Dreier-Schaukel, auf Höhe der Bremer Jugendkirche Garten Eden 2.0 lädt eine Klimmzugstange inklusive zwei Sitzmöglichkeiten zum sportlichen Kräftemessen vor Publikum ein, auf der Rasenfläche in Höhe der Seewenjestraße 218 / 220 gibt es einen neuen Balancier-Parcours und beim Spielplatz zwischen Stoteler Straße und Stralsunder Straße eine Riesen-Rutsche.

Seit Ende September ist Bauleiter Benjamin Klose mit seinem Team im Grünzug am Buddeln und Bauen. Ständig sei er darauf angesprochen worden, was er da wohl mache, erzählt der Ingenieur: „Einige Leute waren besorgt, was da mit ihrem Grünzug passiert. Die meisten finden es gut und seitdem die Geräte sichtbar sind, sind sie happy.“

Ganz fertig sind die vier neuen „Bewegungsinseln“ noch nicht. Der Fallschutz-Tartanbelag könne nur bei bestimmten Außentemperaturen angebracht werden, erklärt Landschaftsarchitekt Holger Siemers, sozusagen die Schaltstelle zwischen Auftraggeber und Bauunternehmen: „Je später im Jahr, desto schwieriger wird es.“ Sobald alles fertig ist, sollen die Geräte vom TÜV abgenommen und mit Gras noch etwas aufgehübscht werden.

Die rund 390 000 Euro für den Aufbau der Großsportgeräte sind über das Integrierte Entwicklungsprojekt (IEK) Gröpelingen beschafft worden und stammen aus den Städtebauförderungsprogrammen Soziale Stadt und Stadtumbau.

Der Vorschlag, im Rahmen des IEK-Prozesses die 2007 eingeweihte Gröpelinger Sportmeile bekannter zu machen und mit neuen Bewegungsangeboten zu erweitern, war vor einigen Jahren im Rahmen eines Workshops mit dem Titel „Gröpelingen bewegt“ von verschiedenen Akteuren aus dem Stadtteil gemacht worden. „Deshalb ist dies ein besonderes Projekt“, sagt Jan Casper-Damberg, der als Abschnittsleiter Stadterneuerung im Bauressort die Umsetzung der IEK-Projekte organisiert. Im Frühjahr 2016 hatten rund 20 Interessierte eine Fahrradtour durch den Grünzug West unternommen, um gemeinsam vor Ort nach Flächen zu suchen, die für neue Bewegungsangebote geeignet wären.

Weitere IEK-Bausteine zum Thema Sport und Gesundheit sind in Vorbereitung. So soll im kommenden Jahr beim Freizi Gröpelingen eine Hood-Trainingsanlage installiert werden. Geplant ist außerdem, die Bewegungshalle der Kita Halmerweg zukünftig auch Externen zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Idee ist, den Mählandsweg entlang der Bahnlinie zu einem „Schnellen Band“ zu machen, dessen glatter Belag zum Skaten und Laufen einlädt.

Mit den für sie gut erreichbaren XXL-Sportgeräten soll nun möglichst vielen Gröpelingern Lust darauf gemacht werden, sich im Freien zu bewegen, erklärt Casper-Damberg: „Wir wissen, dass Armutslagen eng verknüpft mit dem Thema Lebenserwartung sind. Vor diesem Hintergrund wird das Thema Gesundheitsförderung immer wichtiger. Deshalb wollen wir es in der Fortschreibung des IEK auch noch einmal ausdrücklich adressieren.“ Dass mit dieser IEK-Maßnahme das Thema Gesundheit und Bewegung im öffentlichen Raum berücksichtigt werde, sei ein Novum, ergänzt Gesa Wessolowski-Müller aus dem Gesundheitsressort.

„Uns war wichtig, mit den Geräten alle Altersgruppen anzusprechen“, sagt Friederike Lichtenthal vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro BGMR, das die Bewegungsinseln entworfen hat. „Der Begriff der Bewegung wird dabei von uns weit gefasst – für uns gehört dazu auch Schaukeln oder eine Konzentrationsübung beim Balancieren.“ Sollten sich die vier Stationen bewähren, so könnten womöglich weitere Angebote hinzukommen, sagt sie: „Der Grünzug ist ja lang, da ist noch viel Platz.“

Tura-Vizepräsident Gerd Schweizer würde das ausdrücklich begrüßen. Seiner Ansicht nach sind vier neue Angebote nämlich deutlich zu wenig. Er und weitere Vertreter vom Arbeitskreis Gröpelinger Sportmeile standen den Großgeräten deshalb beim Beteiligungsverfahren kritisch gegenüber – insbesondere angesichts der Kosten, die Schweizer unverhältnismäßig findet: „Die Außenwirkung ist uns egal, uns kommt es darauf an, zu mehr Bewegung anzuregen. Unsere ursprüngliche Idee war ein moderner Trimm-dich-Pfad mit mehr Bewegungsangeboten. Was bisher umgesetzt worden ist, ist nur ein Teil dessen, was wir uns vorgestellt haben. Ich würde mich freuen, wenn man beim zweiten Anlauf über das IEK auch guckt, wer solche Angebote jeweils betreibt.“

„Wir haben, was das betrifft, Lehrgeld bezahlt“, stimmt dieser Kritik der IEK-Gebietsbeauftragte Martin Karsten zu. „Die Investition ist einfach, aber Unterhalt und Pflege sind schwierig. Wir sind immer vor eine Wand gelaufen, als wir gesucht haben, wer sich als Bedarfsträger darum kümmert. Wir dürfen aber als Städtebauförderung nur fördern, wenn die Bedarfsträgerschaft für zehn bis 15 Jahre gesichert ist.“ Irgendwann sei schließlich der Umweltbetrieb Bremen (UBB) als Träger in das Projekt eingestiegen.

Beiratssprecherin Barbara Wulff (SPD) freut sich über die XXL-Geräte – zumal die Ortspolitiker den Grünzug in seiner jetzigen Form erhalten wollten: „Wir hoffen, dass wir die Fahrrad-Premiumroute hier endgültig vom Tisch haben und dass stattdessen der Mählandsweg gut ausgestattet wird – auch mit Beleuchtung. Den ADFC haben wir da jetzt auf unserer Seite.“

Zu den verschiedenen Ideen für den Mählandsweg findet Jan Casper-Damberg zufolge aktuell eine Machbarkeitsprüfung statt, die Ende des Jahres abgeschlossen wird. Im Februar soll das Ergebnis im IEK-Begleitgremium vorgestellt werden.

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