Bürgerschaftswahl in Bremen 2019

Zauberwort heißt ressortübergreifend

Was würden Kristina Vogt beziehungsweise Carsten Meyer-Heder speziell für Gröpelingen tun, wenn sie nach der Bürgerschaftswahl an Bremens Regierung beteiligt wären? Der Präventionsrat hat nachgefragt.
27.03.2019, 18:27
Lesedauer: 4 Min
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Zauberwort heißt ressortübergreifend
Von Anne Gerling
Zauberwort heißt ressortübergreifend

Kristina Vogt und Carsten Meyer-Heder erläuterten im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen ihre Ideen für Gröpelingen.

Sören Hesse

Was hätten die Gröpelinger davon, wenn sie am 26. Mai Kristina Vogt beziehungsweise Carsten Meyer-Heder wählen? Das wollten bei der dritten Ausgabe von „Zukunft Gröpelingen“ im gut besuchten Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (Na’) nun die Organisatoren vom Präventionsrat Bremen-West herausfinden. Mit acht Fragen zu den Themenkomplexen Gesundheit, Sport und Bewegung, Bildung, Jugend und Familien, Wohnen, Arbeiten und Umwelt sowie zu einer ressortübergreifenden Entwicklungsstrategie versuchten sie ihren Talkgästen möglichst viel Konkretes zu entlocken.

Unternehmer, Politik-Quereinsteiger und CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder kommt aus Walle, hat mal in Gröpelingen Tischtennis gespielt und sagt: „Gröpelingen ist besser als sein Ruf.“ Linken-Spitzenkandidatin Kristina Vogt – von manchen Kollegen „Gröpelingen-Senatorin“ genannt, weil sie immer wieder Gröpelinger Themen in die Bürgerschaft hineinträgt – hat bis 2007 in Gröpelingen gelebt, war dort Schulelternsprecherin und kritisiert, der Stadtteil sei von der Politik viel zu lange vernachlässigt worden.

Überraschende Übereinstimmung

Eine Überraschung: Die beiden duzen sich. Und ihre Ideen für Gröpelingen überschneiden sich zum Teil. Vogt zum Stichwort Ärzte-Schwund: „Wir wollen Gesundheitszentren mit multiprofessionellen Teams und würden den Gesundheitstreffpunkt West auf eine institutionelle Förderung umstellen.“ Außerdem wolle ihre Partei nach dem Berliner Modell frei werdende Praxissitze in unterversorgte Stadtteile verlegen. Und: „Ich bin froh über das neue Hebammenzentrum für Gröpelingen. Das war ein Antrag von uns.“ Auch die CDU hatte dem zugestimmt. Sie möchte außerdem mehr Ärzte nach Gröpelingen holen und ein Präventionszentrum im Diako ansiedeln. „Um die Präventionsarbeit zu verbessern, brauchen wir institutionelle Budgets. Wenn man sich von Projekt zu Projekt hangelt, dann kann man nicht strategisch arbeiten“, unterstreicht dazu Meyer-Heder. Damit nicht jedes Projekt an einer Ressortgrenze ende, müsse außerdem ressortübergreifend vorgegangen werden: „Und das geht nur mit einer neuen Regierung.“

Ressortübergreifend: Dieser Begriff fiel oft in der fast zweistündigen Diskussion, blieb aber unkonkret. „Das ist keine neue Idee, die hatte schon Karoline Linnert. Was wollt ihr anders machen?“ hakte denn auch Maria Krousis vom Bürgerinformationsservice in der Stadtbibliothek nach. „Ganz konkret ist das nicht zu beantworten. Es braucht erst einmal ein ganz neues Team in der Führung. Einige Ressorts arbeiten nicht zusammen, weil die Senatoren sich nicht ab können“, sagt dazu Meyer-Heder. Auch werde in den Ressorts offenbar manchmal lieber gar nicht gearbeitet als dass man Fehler mache. „Das muss sich ändern.“

Vogt geht es vor allem um ressortübergreifende Finanzierung: „Die Ressorts fassen bestimmte Sachen im Moment nicht an, weil sie Angst haben, darauf finanziell sitzen zu bleiben. Damit sich die Frage nach der Zuständigkeit nicht mehr stellt, müssen wir eine Haushaltsstelle schaffen.“

Beide wollen Anwalt für Gröpelingen sein

Zum Wunsch von Freizi-Leiterin Sabine ­Toben-Bergmann nach einer Jugendhilfeplanung sagt Meyer-Heder als Unternehmer: „Man kann nichts in sechs Monaten aufsetzen. Das Wichtigste ist eine gute Planung. Man braucht Planungssicherheit, aber auch eine vernünftige Qualitätssicherung, indem man nach einem halben Jahr mal guckt, was draus wurde.“ Inhaltlich tiefer im Thema ist Vogt, die regelmäßig verschiedene Fachausschusssitzungen besucht. „Ich glaube, der Bereich offene Jugendarbeit ist reformbedürftig. Man muss viel mehr verstetigen und Angebote an Kinder und Bildung geben. Angebote müssen verlässlich finanziert werden und nicht über das Beiratsbudget“, sagt sie. Dass das Spielhaus Bexhöveder Straße – das seit Jahren verrotte – nun an 6000 Euro scheitere, mache sie außerdem wirklich wütend.

Auch im Ortsamt sind die Mittel begrenzt. Leiterin Ulrike Pala interessiert deshalb, wie ihrem mittlerweile stark überlasteten Haus geholfen werden könnte. „Ich finde, die Ortsämter müssen ausreichend ausgestattet sein, sonst sind sie nicht arbeitsfähig“, sagt dazu Vogt – anders als Meyer-Heder, der diese Ansicht teilt, würde sie womöglich sogar den Zuschnitt ändern und ein eigenes Haus für Gröpelingen einrichten. Ein ­Zuhörer fragt schließlich, was denn nun konkret angekommen sei. Dazu ­Meyer-Heder: „Falls ich Bürgermeister werden sollte, dann sitzen wir in einem Jahr wieder hier und gucken, was passiert ist. Ich sehe, dass der Stadtteil schlecht gemanagt wird, dabei haben wir ja einen großen Haushalt. Ich glaube, dass man viel anpacken kann. Der Anspruch muss sein, in drei Jahren hier einen anderen Stand zu haben. Wenn ich das nicht schaffe, dann trete ich danach nicht wieder an.“ „Wenn wir regieren, dann sind wir einer von drei Teilen und werden nicht alles umsetzen können, was wir wollen. Aber wir sind dann Tarifpartei für Gröpelingen“, kann wiederum Kristina Vogt den Zuhörern zusichern.

Zum Ende der lebhaften und unterhaltsamen Diskussion geht Helmut Zachau, Vorstand des Gesundheitstreffpunkt West, auf eine persönliche Anmerkung Meyer-Heders ein, der spürbar immer lockerer wird: „Dass Sie sich nicht einfach zurücklehnen, sondern sich für die Stadt engagieren wollen, finde ich toll. Dafür meinen Respekt, davon brauchen wir mehr Menschen.“ Das Schlusswort hat schließlich Moderatorin Inge Danielzick vom Initiativkreis der Bremer Armutskonferenz: „Ich habe gesehen, dass Sie die Probleme hier ernst nehmen. Das allergrößte Problem sind die vielen Nichtwähler. Ich appelliere deshalb an alle, andere zum Wählen aufzufordern. Das Wichtigste ist, dass Menschen die Demokratie ernst nehmen.“

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