Schienenverkehr im Nordwesten

Bahnwerkstatt in Oslebshausen möglich

Ab 2024 fahren im Expresskreuz Bremen-Niedersachsen neue Personenzüge. Das sorgt in Oslebshausen für Diskussionen. Denn dort könnte an Gleislagen der Hafenbahn eine Großwerkstatt für die Züge entstehen.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling und Jürgen Theiner
Bahnwerkstatt in Oslebshausen möglich

In Oslebshausen könnte eine Großwerkstatt zur Wartung neuer Züge entstehen.

Jens Wolf/dpa

In Oslebshausen kündigt sich ein größeres Eisenbahnprojekt an. Auf derzeit ungenutzten Gleisen der Hafeneisenbahn könnte in Höhe der Straße Reitbrake eine Großwerkstatt zur Wartung neuer Züge entstehen. Hintergrund sind Pläne der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) Niedersachsen, den Regionalzugbetrieb im Nordwesten zwischen Osnabrück, Hannover und der Küste neu auszuschreiben. Für dieses sogenannte Expresskreuz Bremen/Niedersachsen wird die LNVG den Bau von zunächst 30 neuen Zügen in Auftrag geben. Für den eigentlichen Fahrbetrieb wird dann das Verkehrsunternehmen zuständig sein, das siegreich aus der Ausschreibung hervorgeht. Nach gegenwärtigem Stand sollen die neuen Züge ab Dezember 2024 unterwegs sein.

Die brachliegende Oslebshauser Gleisanlage kommt durch ein Detail der Ausschreibung ins Spiel. Die Bieter für den Betrieb des Expresskreuzes müssen nämlich eigene Wartungs- und Instandsetzungskapazitäten für die neue Zugflotte stellen. Bremen als Eisenbahn-Knotenpunkt im Nordwesten bietet sich da als Standort für eine Großwerkstatt an.

Behindertengerechte Toiletten und WLAN

Per Pressemitteilung hatte die LNVG bereits im Dezember 2019 angekündigt, ihre Fahrzeugflotte zu modernisieren. Sie möchte ab Herbst 2024 auch bei doppelstöckigen Zügen einen höhengleichen Einstieg an den Bahnsteigen, komfortable Sitzabstände, großzügige Mehrzweck- und Fahrradbereiche, ausreichende Kapazitäten für Gepäck, Bereiche für mobilitätseingeschränkte Personen und behindertengerechte Toiletten sowie dynamische Anzeigen für die Fahrgastinformation, Videoüberwachung und WLAN anbieten. Für ältere Züge der Deutschen Bahn, die aktuell auf den Expresskreuz-Strecken verkehren, sind die Tage also gezählt.

Ob es bei der Standortwahl für die Großwerkstatt am Ende auf die Gleisanlage an der Reitbrake hinausläuft, ist noch ungewiss. Als gesicherte Erkenntnis kann gegenwärtig nur gelten, dass mehrere Bahnunternehmen, die sich voraussichtlich an der Ausschreibung für das Expresskreuz beteiligen werden, sich bereits zur Jahreswende 2018/19 bei der senatorischen Behörde für Wissenschaft und Häfen nach dem Areal erkundigt haben. Das Haus von Senatorin Claudia Schilling (SPD) verwaltet das städtische Eigentum an den Gleisen der Hafenbahn. „Wir befinden uns in Gesprächen“, bestätigt Sprecher Sebastian Rösener auf Anfrage des WESER-KURIER. „Die Gleisanlagen auf der Fläche liegen derzeit brach. Eine neue Nutzung könnte das Gebiet wieder beleben und Arbeitsplätze schaffen.“ Etwas mehr Klarheit über die Zukunft des Areals könnte es an diesem Freitag geben. Vertreter der LNVG, mehrerer Senatsressorts und des Gröpelinger Beirates treffen sich zu einem Informationsaustausch über das Projekt.

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Foto: Grafik Weser Kurier

In Oslebshausen, dessen Bewohner seit Jahren Lärm, Gestank oder Staub von den Betrieben am nahe gelegenen Industriehafen abbekommen, ist die mögliche Ansiedlung der Bahnwerkstatt derzeit Gesprächsthema Nummer eins. Denn sie läge dicht an der Großwohnanlage Wohlers Eichen, einer Grundschule und dem Kinder- und Familienzentrum Wohlers Eichen und beträfe außerdem die Bewohner der Straße An der Finkenau. Von dem direkt dahinter gelegenen früheren Rangierbahnhof aus sollen die Züge angeblich nachts und in den frühen Morgenstunden zur Werkstatt gefahren werden.

Dieter Winge, Sprecher der im Mai 2018 gegründeten Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu, die aktuell gegen die Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage kämpft, hat deshalb schon mal in einem offenen Brief an Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) angekündigt: „Eine zusätzliche Belastung durch diese geplante Anlage ist nicht hinnehmbar. Wir werden als Bürgerinitiative den Bau einer solchen Anlage nicht widerspruchslos hinnehmen und alles in unserer Macht stehende tun, eine derartige Anlage in unmittelbarer Nähe zu einem reinen Wohngebiet zu verhindern.“

Areal um Reitbrake als Industriegebiet ausgewiesen

Was nach Ansicht einiger Oslebshauser die Vermutung stützt, die Anlage solle in Oslebshausen angesiedelt werden: Kürzlich hat die Stadt ohne vorherige Beteiligung des Beirats Schritte unternommen, um das Areal neben der Reitbrake als Industriegebiet auszuweisen, das im Bebauungsplan bislang als „unbeplanter Innenbereich“ verzeichnet ist.

Dazu muss man wissen: Der Beirat hatte sich schon voriges Jahr vehement dagegen gesträubt, dass der gesamte Bereich zwischen Oslebshauser Heerstraße, Pulverberg, Riedemannstraße und der A 281 (der auch die Fläche an der Reitbrake einschließt) als Industriegebiet gewidmet wird. Denn dies hätte nach Ansicht der Ortspolitiker womöglich die Ansiedelung weiterer Industriebetriebe zur Folge.

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