Berufsorientierung Durch praktische Übungen den eigenen Weg finden

Was möchte ich später beruflich machen? Der "Berufseinstieg Gröpelingen" will 400 Schülerinnen und Schülern aus dem Bremer Westen dabei helfen, Antworten auf diese Frage zu finden.
13.10.2021, 14:22
Lesedauer: 3 Min
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Durch praktische Übungen den eigenen Weg finden
Von Anne Gerling

Mit jeder Umdrehung geht es ein bisschen schwerer, aber Amira hat den Schraubenschlüssel fest im Griff: Millimeter um Millimeter versenkt die Achtklässlerin eine dicke Schraube in einem Metallstück. Das Gewinde dafür hat sie vorher selbst geschnitten. Tobias Schmidt, angehender Metallbauer für Konstruktionstechnik beim Hafendienstleistungsunternehmen J. Müller, hat ihr genau erklärt wie das geht und worauf sie dabei achten muss.

Ganz sauber bis zum Schraubenkopf bekommt Amira den Metallstift am Ende zwar nicht in das Eisen hineingedreht, aber die Übung fand sie trotzdem gut. Ihr Bruder mache gerade eine Ausbildung zum Metallbauer, erzählt sie: „Er hat gesagt, das soll ich mir mal angucken, es macht ihm voll Spaß.“ Und ja – auch sie kann sich  vorstellen, später einmal im Metallbau zu arbeiten.

Mit Azubis ins Gespräch gekommen und kleinen praktische Übungen gemacht

Amira ist eine von 400 Jugendlichen aus Walle und Gröpelingen, die am Dienstag beim „Berufseinstieg Gröpelingen“ im Lichthaus – dem ehemaligen Arbeiteramt der AG Weser – die ersten Schritte in Richtung Berufsorientierung gemacht haben. Seit 20 Jahren unterstützt der Verein Gröpelingen Marketing mit der Veranstaltung Schülerinnen und Schüler auf dem Weg in die Arbeitswelt. 2019 und 2020 konnte die Messe nicht stattfinden, aber jetzt: In fünf zeitlich getrennten Durchgängen trafen Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Gesamtschule West (GSW), der Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG) und der Oberschulen im Park, Helgolander Straße und Waller Ring auf elf verschiedene Ausbildungsbetriebe und Dachverbände, konnten mit Azubis ins Gespräch kommen und bei kleinen praktischen Übungen in verschiedene Tätigkeitsfelder hineinschnuppern.

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Die J. Müller-Azubis luden dabei auch dazu ein, zum Schraubenzieher zu greifen und einen Stromkreislauf herzustellen, mit dem anschließend eine Kaffee-Förderschnecke in Gang gesetzt werden konnte. Fingerspitzengefühl war auch bei der Kaefer Industrie GmbH gefragt: Hier sollte schaumstoffartiges Material so zurechtgeschnitten und -geklebt werden, dass es sich anschließend problemlos um ein gebogenes Heizungsrohr schmiegt. Das Digital Impact Lab stellte per 3D-Drucker Fingerringe zum Mitnehmen her und lud zu kleinen Programmier-Übungen ein.

Schornsteinfegermeister Torsten Hollatz wollte von den Jugendlichen, mit denen er an diesem Tag näher ins Gespräch kam, vor allem eines wissen: „Bist du schwindelfrei?“ Interessierte konnten mit einer Kehrhaspel über der Schulter über ein Holzbrett balancieren: Gar nicht so einfach, dabei das Gleichgewicht zu halten. Hollatz wurde von Martin Grimm unterstützt, der vor wenigen Wochen seine Ausbildung als einer von bremenweit drei neuen Schornsteinfeger-Lehrlingen begonnen hat und begeistert ist. „Jeder Kunde freut sich, wenn wir kommen. Unser Beruf ist wirklich superentspannt.“ Da viele Schornsteinfeger in Rente gehen, werde dringend noch mehr Nachwuchs gesucht, erklärt Hollatz: „Das Besetzen der Stellen funktioniert zwar noch, aber die Gesellen fehlen.“

Rauf aufs Gerüst – natürlich mit Sicherungsgurt

Ein paar Meter weiter ist eigens für diesen Tag ein hohes Baugerüst aufgebaut worden, das die Schülerinnen und Schüler erklimmen können – mit Sicherungsgurt, versteht sich. Über einen Monitor flimmern spektakuläre Bilder von Gerüsten in ganz unterschiedlichen Höhen und Formen. Sein Job sei vielfältig und abwechslungsreich, erklärt dazu Gerüstbauer Lars Ukena von der der Firma Wilhelm Bädecker: „Wir kommen an Orte, wo normal Sterbliche normalerweise nicht hinkommen.“

Am Stand der Handwerkskammer bietet Anna Karantinaki allen Jugendlichen Hilfe bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Lehrstelle an. Ihr Haus unterstütze vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, erzählt sie: „Weil gerade sie Schwierigkeiten haben, Nachwuchs zu finden.“

Um Nachwuchskräfte für Pflegeberufe geworben

Auch das Sozialwerk der Freien Christengemeinde, das unter anderem Seniorenheime in Gröpelingen und Oslebshausen betreibt, ist vor Ort, um die zukünftigen Nachwuchskräfte für die Pflegeberufe zu begeistern. „Man macht eine Ausbildung und kann damit später verschiedene Berufe ausüben, zum Beispiel Kinderpflege oder Altenpflege“, erklärt Öffentlichkeitsreferentin Dorothea Salzmann-Schimkus einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern: „Die Lehre dauert drei Jahre und du brauchst einen mittleren Schulabschluss.“ Ein Pflegeberuf könnte für ihn passen, meint Jamil-Ali: „Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten.“ Jetzt aber schnell weiter zum nächsten Unternehmen: „Ich finde es toll, dass wir uns hier so viel zu einzelnen Berufen erkundigen können.“

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