Made in Bremen

Auf den Mikrometer genau

Das Messtechnik-Unternehmen Sikora hat seinen Sitz in Bremen-Mahndorf. Die Firma will bei Zukunftstechnologien wie dem E-Auto und den großen Energieleitungen von Nord- nach Süddeutschland mitmischen.
23.03.2019, 20:55
Lesedauer: 3 Min
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Auf den Mikrometer genau
Von Jonas Mielke
Auf den Mikrometer genau

Der Vorstandsvorsitzende Christian Frank (links) und Harry Prunk führen Sikora, einen Weltmarktführer aus Bremen-Mahndorf.

Christina Kuhaupt

Die Handwerker sind noch im Haus, in den Gängen hängt der Geruch von frischer Farbe. Das neue Produktionsgebäude von Sikora wurde zwar schon eröffnet, aber ein paar Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden. Der Weg in die Vorstandsetage ist auch ein Weg durch die Geschichte des Konzerns, der vor 46 Jahren gegründet wurde – und er zeigt das Wachstum des Mess- und Regeltechnologieunternehmens aus Bremen.

Das im Vergleich kleine Empfangsgebäude war das erste und damals einzige Gebäude am heutigen Sikora-Standort, nun ist ein Neubau hinzugekommen. Drei Etagen für die Fertigung und Logistik sowie ein Staffelgeschoss mit Kommunikations- und Kreativbereichen. In einem weiteren Gebäude nebenan sitzen ganz oben die Sikora-Vorstände, Christian Frank und Harry Prunk.

„Hidden Champion“ aus Mahndorf

Das Messtechnik-Unternehmen Sikora hat seinen Sitz in Bremen-Mahndorf, zwischen gemütlichen Ein-Familien-Häusern mit Vorgarten und einem etwas schmucklosen Industriegebiet. Sikora ist das, worauf Politiker gerne stolz sind. Ein „Hidden Champion“, ein unscheinbarer Weltmarktführer, der mit Hightech-Geräten eine Marktnische dominiert. Das sei nur möglich, weil die Firma konsequent auf Innovation gesetzt habe, sagt der Vorstandsvorsitzende Frank. „Das ist das, was uns ausmacht und was uns heute antreibt.“

1973 wurde das Unternehmen von Harald Sikora gegründet. Heute ist der Bremer über 80 Jahre alt. Die Firma ist noch zu 100 Prozent in der Hand der Gründerfamilie. „Ein technischer Erfinder, mit vielen genialen Ideen“, sagt Frank über Gründer Sikora. „Die vielen Patente haben die Firma groß gemacht.“

Sikora misst im Mikrometer-Bereich (My). Die Produkte des Bremer Unternehmens werden dort eingesetzt, wo Kabel und vieles andere produziert werden. Die Sikora-Technik überprüft etwa, ob der Leiter eines Kabels in der Mitte liegt – berührungslos. „Messtechnik in der Produktion ist eine Schlüsseltechnologie für Ressourceneinsparung“, sagt Frank. Sikora will bei Zukunftstechnologien wie dem E-Auto und den großen Energieleitungen von Nord- nach Süddeutschland mitmischen.

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Mit seiner Messtechnologie eroberte das Unternehmen neue Marktsegmente: Vor zwölf Jahren kamen Rohre und Schläuche hinzu, auch vom Boom der Glasfaserkabel auf asiatischen Märkten profitiert Sikora. Seit sechs Jahren werden Sikora-Geräte auch in der Produktion von Plastik-Pellets eingesetzt. Die Technik erkennt Verunreinigungen bis auf 50 My genau und sortiert die Pellets aus. 50 My entspricht etwa der Hälfte des Durchmessers eines menschlichen Haares.

Die Sikora-Geräte werden in Bremen produziert. Die Fertigung im Neubau des Unternehmens zeigt, wie sich die Industrie verändert hat: Statt in dunklen Hallen mit Ölgeruch und lauten Maschinen wird bei Sikora an lichtdurchfluteten Arbeitsplätzen produziert. Die Fenster reichen bis zum glänzenden Fußboden, die Belegschaft trägt Sneaker statt Sicherheitsschuhe. 220 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Bremen, 290 weltweit.

14 Niederlassungen betreibt Sikora zwischen China und Mexiko, ein großer Teil des Geschäfts findet global statt. Entwicklungen wie Zölle, Embargos, der Brexit und populistische Bewegungen stimmen Frank nachdenklich. „Das macht uns Schwierigkeiten“, sagt er. „Man muss nach Tweet planen, das ist schwer.“ Sikora hat gute Geschäftsbeziehungen in den Iran, die Türkei oder die Ukraine gepflegt. Alles eingebrochen. „Aber wir können das kompensieren“, sagt Vorstand Prunk. „Die Zeichen stehen auf Wachstum“, sagt sein Kollege Frank.

Mitarbeiterfluktuation nahe null

Um die Entwicklung weiter voranzutreiben, kämpft Sikora, so wie jedes Hightech-Unternehmen, um die klügsten Köpfe. Wie kann das gelingen? „An allererster Stelle steht der Geist des Unternehmens. Man muss eine Kultur schaffen, in der man sich wohlfühlt“, sagt Frank. „Wenn man sich nicht wohlfühlt, dann macht es keinen Spaß. Die Leute sollen hier auch Spaß haben, wir haben hier Spaß.“

Sikora versucht viel, um den Mitarbeitern mehr zu bieten als andere Unternehmen: Es gibt etwa den Roof Garden. Ein Restaurant, keine Kantine, das ist der Pressesprecherin wichtig. Zwei Köche bereiten das subventionierte Essen mit Zutaten aus biologisch-dynamischem Anbau zu. Zweimal die Woche gibt es ein Yoga-Angebot, Massagen, ein Eltern-Kind-Büro, um Beruf und Familie besser vereinen zu können. „Wir haben unter den Mitarbeitern eine Fluktuationsrate, die nahe null ist“, sagt Frank.

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Nur: Es sei schon eine Herausforderung, potenzielle Mitarbeiter vom Standort Bremen zu überzeugen, sagt Frank. „Es ist schwierig, Leute nach Bremen zu locken, die nicht aus Bremen kommen.“ Das liege nicht an den Unternehmen, sondern am Image, das Bremen habe. Frank findet, man könnte am Stadtmarketing noch so manches verbessern.

Die Stadt werde schlechter wahrgenommen, als sie es eigentlich sei. „Ich komme aus Süddeutschland. Dort hat man das Bild, dass Bremen notorisch unterfinanziert ist, die Bildung sei schlecht, die Infrastruktur schwierig“, sagt er. „Wir fühlen uns in Bremen aber sehr wohl. Ich habe drei Kinder, die sind in der Schule, und das klappt auch überwiegend gut.“ Dazu gebe es eine exzellente Universität und exzellente Forschungseinrichtungen in der Stadt. Das ist auch für Sikora nicht ganz unwichtig. Prunk sagt: „Zum Glück gibt es eben auch viele gut ausgebildete Bremer.“

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