Bau trotz Brand Bau geht trotz Brand voran

Die Träger des Kaufhaus Hemelingen wollen das ehemalige Ladengeschäft Eisen-Werner auch nach Umzug in den Neubau in der Hemelinger Bahnhofstraße 1 bis 5 weiter nutzen.
04.03.2020, 17:05
Lesedauer: 3 Min
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Bau geht trotz Brand voran
Von Christian Hasemann

Hemelingen. Es geht nun sichtbar voran im Eingangsbereich der Hemelinger Bahnhofstraße. Nach einem Brand im vergangenen Jahr ruhte die Baustelle auf dem Grundstück mit der Hausnummer 1 bis 5 allerdings für einige Wochen. Im kommenden Jahr soll dort das Kaufhaus Hemelingen in neuen und größeren Räumen aufmachen, während in den oberen Etagen Wohnungen entstehen. Im derzeitigen vorübergehenden Domizil, dem ehemaligen Laden Eisen-Werner, haben die Träger des Arbeits- und Beschäftigungsprojekts den dritten Geburtstag des Kaufhauses gefeiert und bei diesem Anlass erklärt, wie es im Eisen-Werner und in der Bahnhofstraße 1 bis 5 weitergehen soll.

Erkan Sacma, Geschäftsführer bei der Sacma Unternehmensgruppe mit Sitz in Hemelingen, die als Generalunternehmer des Bauprojekts auftritt, zeigte sich zuversichtlich, dass das Kaufhaus Anfang des kommenden Jahres in dem neuen Gebäude aufmachen kann. „Die Arbeiten im Keller und im Erdgeschoss sind sehr fortgeschritten“, sagte Sacma. Zunächst beschränken sich die Bauarbeiten aber auf den Anbau. Der Gebäudeteil, in dem im September vergangenen Jahres der Brand ausbrach, ist von den Bauarbeiten noch ausgenommen. „Da sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen“, so Sacma. Erst wenn die Behörden die Freigabe erteilen, können dort die Bauarbeiten beginnen.

Als einsturzgefährdet gilt der alte Teil des Gebäudekomplexes nicht. „Der Neubau trägt außerdem zur Stabilisierung bei“, erklärte Sacma. Der Baustopp führte allerdings dazu, dass ein Teil der im Stahlbeton eingegossenen Armierung korrodierte. „Aber wir hatten noch Glück im Unglück und konnten vieles retten und im Zusammenspiel mit den Gutachtern schnell eine Freigabe für den Neubau erhalten“, sagte Sacma. Ende dieses Jahres oder Anfang des kommenden Jahres soll das Gebäude mit dem Kaufhaus im Erdgeschoss und 23 Wohnungen übergeben werden – abhängig davon wie schnell die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abschließt. Ebenerdig entsteht neben einem Verkaufsraum für gebrauchte Möbel auch ein Café.

Zur Feier im Eisen-Werner hatten der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Gröpelinger Recyclinginitiative (Gri) und Projob, die drei Träger des Kaufhauses, Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) eingeladen. Der Besuch in Hemelingen weckte offensichtlich alte WG-Erinnerungen bei der Senatorin. „Die Räume sind mir nicht unbekannt, denn ich habe um die Ecke in der Godehardstraße gewohnt.“ Genauer: in der Schule 21 neben der Kirche St. Godehard. Da war der Weg zu Eisen-Werner, wenn in der WG-Küche der Wasserhahn tropfte, natürlich nicht weit. Dichtungsringe, Schlauchschellen und Schrauben jeder Größe gibt es nun dort nicht mehr zu kaufen. „Aber das Sozialkaufhaus füllt alle Räume mit Leben“, sagte Stahmann, die nach eigenem Bekunden selber ausrangierte Sachen vorbei bringe und auch schon etwas für sich gefunden habe.

„Hier wird etwas für den Stadtteil gemacht“, so Stahmann weiter und bezog sich auf den sozialen Charakter des Projekts. Es kämen nicht unbedingt nur Menschen, die etwas kaufen wollten, sondern auch Menschen, die soziale Kontakte suchten. Einen besonderen Schwerpunkt legte die Sozialsenatorin auf die geförderten Arbeitsplätze im Kaufhaus. „Ich hoffe, dass wir hier Arbeitsplätze anbieten können für Menschen, die sich vielleicht noch nicht eine volle Stelle zutrauen oder noch etwas Unterstützung brauchen.“

Voraussichtlich wird es im Eisen-Werner auch nach dem Umzug der Möbelhalle weitergehen. „Der Umzug bedeutet natürlich, dass wir den Raum hier freigeben, aber wir haben uns so verliebt, dass wir neue Ideen entwickeln, wie wir die Räume hier weiter nutzen können“, sagte Andreas Keireit von der Gri. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. Jobst von Schwarzkopf vom ASB versprach aber, dass das Interieur erhalten bleiben wird. Er gab außerdem einen Fingerzeig, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte, wenn der Möbelmarkt in den Neubau umgezogen ist. „Wir haben in den hinteren Räumen eine Holz- und eine Textilwerkstatt eingerichtet.“ Daneben gebe es eine Fahrradwerkstatt. Alle drei Werkstätten könnten weiterentwickelt werden.

Grundsätzlich bleibt die arbeitspolitische Ausrichtung des Projekts erhalten. Im Kaufhaus Hemelingen werden Menschen über Förderprogramme an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt. Die Förderung von Arbeitsplätzen ist unter anderem möglich geworden durch das Chancen- und Teilhabegesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft trat. Ein anderes arbeitsmarktpolitisches Instrument ist der Europäische Sozialfonds (ESF), ein Förderprogramm das verschiedenste Projekte auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene unterstützt. Fördermöglichkeiten gebe es auch durch das Jobcenter, sagt Jobst von Schwarzkopf. „Das Jobcenter stellt Weiterbildungsmittel zur Verfügung und so können wir drei Angestellte zu Hauswirtschafterinnen ausbilden.“ Er könne sich vorstellen, dass künftig im Kaufhaus auch eine Weiterbildung zu Fachverkäufern möglich sein könnte. „Noch läuft das aber nicht.“ Bereits angelaufen ist dagegen ein Außenarbeitsplatz für eine Mitarbeitern der Werkstatt Bremen, die im Kaufhaus Hemelingen arbeitet.

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