Lehmbestattung in der St.-Elisabeth-Kirche

Bremen bekommt erste Kolumbariumkirche

Die St.-Elisabeth-Kirche wird zur ersten Kolumbariumkirche in Bremen umgebaut. Dazu finden derzeit umfangreiche Bauarbeiten statt. Bis März 2020 sollen 1213 Plätze für Urnen entstehen.
26.07.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jakob Milzner
Bremen bekommt erste Kolumbariumkirche

Hinter meterhohen Gerüsten entstehen die Lehmwände, in denen zukünftig Urnenbestattungen stattfinden sollen.

Christina Kuhaupt

In der St.-Elisabeth-Kirche in Hastedt riecht es nach Lehm, Holz und Schweiß. Baustrahler erhellen Teile des Raumes, dessen Decke sich in Richtung des Altars erhöht. Doch Tabernakel, Taufbecken und auch der Altar selbst sind nicht zu sehen. Sperrholz verkleidet alles Sakrale.

Das katholische Gotteshaus von 1969 wird derzeit zur ersten Kolumbariumkirche in Bremen umgebaut. Als Kolumbarien bezeichnet man Gebäude, in denen die sterblichen Überreste Verstorbener in Urnen oder Särgen aufbewahrt werden. Häufig finden sich diese auf Friedhöfen oder bei Krematorien. Die Unterbringung in Kirchen ist dagegen eher selten anzutreffen.

Dass die St.-Elisabeth-Kirche nun zu einem Kolumbarium wird, hat mehrere Gründe. Renovierungsbedürftig sei der Betonbau schon länger gewesen, doch habe zunächst kein Geld zur Verfügung gestanden, erzählt Dirk Meyer, der seit viereinhalb Jahren als Pfarrer der Propsteigemeinde St. Johann tätig ist, zu der auch St. Elisabeth gehört. Man sei dann auf die Idee gekommen, in der Kirche ein Kolumbarium einzurichten und die nötigen Baumaßnahmen mit den Geldern aus dem Verkauf der Urnenplätze zu finanzieren. Ein Teil der Kosten werde zudem aus dem Budget der Gemeinde sowie durch Zuschüsse des Bistums Osnabrück gedeckt, sagt der Pfarrer.

Ort des Abschieds und Gedenkens

Laut Meyer hat der Umbau aber nicht nur monetäre Gründe. Mit der Kolumbariumkirche wolle man zugleich einen Ort schaffen, „wo Angehörige für ihre Verstorbenen beten und in einen spirituellen Austausch kommen können“, erläutert der Pastor. Trotzdem brauchte es einigen Vorlauf, um die Gemeinde von dem Vorhaben zu überzeugen.

Auch Werner Kalle, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und seit 68 Jahren Gemeindemitglied, war zunächst skeptisch. Doch mit der Besichtigung einer bereits existierenden Kolumbariumkriche in Osnabrück konnten viele Bedenken zerstreut werden. „Jetzt kann ich das gut vertreten“, sagt Kalle, der sich mit seiner Frau in einer der Doppelkammern bestatten lassen möchte. „Da bleiben wir schön zusammen“, sagt Kalle.

Die Umgestaltung der Kirche inklusive aller Renovierungsarbeiten werde insgesamt an die 1,6 Millionen Euro kosten, schätzt Dirk Meyer. Laut dem zuständigen Architekten Jürgen Hinse von der Architekturgesellschaft Ahrens+Pörtner werden dafür am Ende 1213 Urnenplätze zur Verfügung stehen. Das Kolumbarium wird in drei Bereiche unterteilt, die die Namen der biblischen Orte Bethlehem, Emmaus und Kafarnaum tragen sollen. Die drei Bereiche werden jeweils durch eine Urnenwand vom Kirchenraum abgetrennt. Hierdurch verkleinere sich der Platz für die Gemeinde zwar von 176 auf dann 121 Plätze, für den sonntäglichen Gottesdienst reichten diese aber aus, sagt Hinse.

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Ursprünglich sollten die Urnenwände komplett aus Lehm bestehen. Doch aufgrund der Kosten wurde entschieden, nur die Wände aus Lehm zu bauen und die Fächer auf der Rückseite zu mauern. Diese würden dann mit Messingplatten abgedeckt, auf denen Name und Lebensdaten der Verstorbenen eingraviert werden könnten, erläutert der Architekt. Die Entscheidung für den Bau mit Lehm habe zugleich weltliche und geistige Gründe.

Einerseits ähnle das Material dem bereits verbauten Sichtbeton und füge sich so in die Optik des bestehenden Kirchenraums. Andererseits fänden normale Bestattungen in der Erde statt, und nun würden auch die Urnen in irdenem Material beigesetzt. Insgesamt würden in der St.-Elisabeth-Kirche rund 150 Tonnen Lehm verbaut.

Bauarbeiten bis März 2020

Die Ruhezeit für die Urnen werde 20 Jahre betragen, könne nach deren Ablauf aber verlängert werden, erklärt Pfarrer Dirk Meyer. Bei den Kosten werde man sich an den üblichen Marktpreisen orientieren. Nach Ablauf der Ruhezeit soll die Asche dann in ein Sammelgrab an der Rückwand des Altars gefüllt werden, das ebenfalls aus Lehm gefertigt wird.

"Es soll eine würdige Bestattung sein", sagt Meyer. Und das nicht nur für Katholiken: Auch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder Atheisten sollen in der St.-Elisabeth-Kirche künftig ihre letzte Ruhestätte finden können. Wichtig sei nur, dass die Beisetzung in christlicher Form erfolge, sagt der Pfarrer: "Für uns heißt das, dass ein Wort aus der Bibel gelesen wird, dass ein Vaterunser gesprochen wird. Es gibt schon Dinge, die wir voraussetzen.“

Laut Jürgen Hinse werden die Bauarbeiten bis März 2020 abgeschlossen sein. Weihnachten 2019 könne in St. Elisabeth aber bereits gefeiert werden, sagt der Architekt.

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