Kampf gegen den Müll

Neue Initiative möchte die Hemelinger Ortsteile aufräumen

Herumliegender Müll ärgert viele Bürger in Bremen. In Hemelingen hat sich nun die Initiative „Schluss mit schmutzig“ zusammengeschlossen. An ersten Terminen im September soll gemeinsam Müll gesammelt werden.
17.08.2020, 08:13
Lesedauer: 4 Min
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Neue Initiative möchte die Hemelinger Ortsteile aufräumen
Von Christian Hasemann
Neue Initiative möchte die Hemelinger Ortsteile aufräumen

Sperrmüll wie hier in der Grete-Stein-Straße wird immer wieder von Umweltsündern in der Natur abgeladen.

PETRA STUBBE

Statistisch lässt es sich nur schwer festmachen, aber im subjektiven Gefühl, dass in Hemelingen immer mehr Müll herumliegt, sind sich die Teilnehmer eines Treffens der Initiative mit dem Arbeitstitel „Schluss mit schmutzig“ einig gewesen. Sie wollen im Herbst in allen Ortsteilen des Stadtteils mit einer Aufräumaktionen für mehr Sauberkeit sorgen.

Das Engagement der Müllsammler – Einzelpersonen, Geschäftsleute und Vertreter von Institutionen – gleicht der Arbeit des mythologischen Sisyphos, der vom Götterboten Hermes in die Unterwelt verbannt wurde und dort auf immerdar einen Stein einen Berg hinaufrollen muss, der kurz vor dem Gipfel wieder in das Tal rollt. In der realen Gegenwart in Hemelingen ist es der Müllberg, der sofort wieder wächst, wenn das Engagement nachlässt.

Carsten Koczwara, Beiratsmitglied für Die Partei aus Mahndorf, beschreibt diese Arbeit so: „Ich habe vor zwei Monaten versucht, am Mahndorfer See ein kleines Projekt zu machen und war fast vor jeden Tag vor Ort und habe geschaut, dass der Müll wegkommt.“ Das hat – wie berichtet – auch gut funktioniert. Dann habe er sich ein paar Tage Ruhe gegönnt, das Wetter war sonnig und heiß. Das Resultat: „Jetzt sieht es eher nach Blocklanddeponie aus.“ Unverständlich finde er, dass die Stadtreinigung den Rhythmus, in dem sie dort den Müll entleere, nicht der Jahreszeit oder dem Wetter anpasse.

Günther Kreutzträger ist Solist in Sachen Müllbeseitigung. Der Rentner sammelt nachts in Sebaldsbrück Müll auf. Oft zweimal in der Woche, mitten in der Nacht, begleitet von Cilly, seinem Wachhund, wie er sagt. Er hatte an einem Universitäts-Projekt für Senioren mitgemacht. „Fast alle haben gesagt, das, was ihnen nicht gefällt, sei der Müll in ihrem Stadtteil“, womit er deutlich machte, wie sehr herumliegender Müll das allgemeine Befinden beeinflusst.

Unternehmer verärgert

Für Unternehmer bedeutet Müll in der Nachbarschaft noch etwas anderes: „Junge Menschen treffen sich gerade zur Corona-Zeit vor unserem Restaurant auf den Wiesen“, sagte Florian Henschen vom Paulaner am Weserwehr. „Wir halten die Flächen bei uns sauber, obwohl es öffentlicher Grund ist, aber weitere Flächen können wir schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht reinigen.“ Von ähnlichen Erfahrungen sprach Frank Kinze von Wilkens und Söhne in der Hemelinger Bahnhofstraße. „Wir haben hier öfter die Situation, dass Müll herübergeweht wird und das ist schon geschäftsschädigend, wenn wir bei einer Werksbesichtigung mit Besuchern durch eine Tütensammlung laufen müssen.“

An dieser Stelle zeigte sich aber auch, wie vielschichtig das Thema ist. Denn: Ursache für die auch vom Grone Bildungszentrum beklagten Müllansammlungen in der Osenbrückstraße sind mutmaßlich die Müllcontainer für Textilien und Altglas. Häufig stellen Bürger an Containerplätzen auch weiteren Abfall dazu. Die Container wiederum sind erst nach langer Diskussion im Beirat von der Grete-Stein-Straße/ Tamra-Hemelingen-Park dorthin verlegt worden. „Ich kann den Ärger verstehen“, sagte Ortsamtsleiter Jörn Hermening. „Aber am Tamra-Hemelingen-Park hatten wir ohne Ende Sperrmüll.“ Letztlich sei dem Beirat kein besserer Standort eingefallen. „Wir müssen 150 Meter Abstand zu Wohnungen haben“, erklärte der Ortsamtsleiter. Eine ideale Lösung gebe es also nicht. „Es ist immer ein Kompromiss.“

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In eine ähnliche Richtung zielte die Diskussion über größere Müllbehälter am Weserufer in Hastedt und am Mahndorfer See. „Die Diskussion, ob mehr oder weniger und kleinere oder größere Müllcontainer haben wir immer wieder“, so Dirk Bülow vom Polizeirevier Hemelingen. „Große Container haben immer den Charme für Anwohner und Nicht-Anwohner, ihren Hausmüll abzuladen.“ Sprich: Je größer der Container, desto größer der Anreiz für Leute dort ihren (Sperr-)Müll zu entsorgen, etwas, was sich beispielsweise am Mahndorfer See beobachten lässt.

Birgit Benke vom Stadtteilmarketing Hemelingen, die die Sitzung organisiert hatte, geht es vor allem darum, aktiv zu werden. „Wenn wir es schaffen, Termine zu finden, können wir mehr Leute ansprechen.“ Ihr Vorschlag: Zusätzlich zu „Bremen räumt auf“ könnten die Engagierten gemeinsam in ihren Ortsteilen Aufräumtage organisieren. Sie sagte aber auch: „Es kann aber nicht unsere Aufgabe sein, dass dauerhaft zu machen, sondern weitere Leute zu gewinnen.“ Jörn Hermening mahnte, nicht die Stadt aus der Verantwortung schlüpfen zu lassen. „Ich möchte eigentlich nicht, dass Privatleute Müll wegräumen, für den eigentlich die Stadt zuständig ist. Wir müssen einfordern, dass wir eine vernünftige Reinigung bekommen.“

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Cemal Kocas vom Ein-Haus-für-unsere-Freundschaft beobachtet ein fehlendes Wir-Gefühl in Hemelingen. „Wir haben viele Leute, die eine neue Heimat in Hemelingen finden, aber haben auch eine hohe Fluktuation.“ Deswegen gebe es dieses Wir-Gefühl nicht mehr in dem Maße. „Und wenn man dieses Gefühl nicht hat, verhalten sich einige auch nicht vernünftig.“ Er plädierte für Aufklärung. „Damit mehr Sensibilität bei den Menschen entsteht.“ Er finde es richtig, wenn Privatleute und Institutionen Engagement zeigten. „Das alleine reicht aber nicht“, befürchtet er.

Als kleinster gemeinsamer Nenner kristallisierten sich am Ende der Sitzung gemeinsame Termine zum Müllsammeln Anfang September heraus. Darüber hinaus sollen in einem gemeinsamen Gespräch mit der Bremer Stadtreinigung die schlimmsten Ecken im Stadtteil in den Mittelpunkt gerückt werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Initiative „Schluss mit schmutzig“ bei Birgit Benke, Stadtteilmarketing Hemelingen, Telefon 988 65 98 oder per E-Mail an kontakt@hemelingen-marketing.de.

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